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Die 50er Jahre: Die Straßen gehörten uns

Die 50er Jahre : Die Straßen gehörten uns

Meine zwei Schwestern und ich wuchsen in der elterlichen Bäckerei auf. Wir halfen im Laden mit, sobald wir rechnen und über die Theke schauen konnten. Wir führten kleinere Aufträge aus. Oft wartete im Frühsommer ein Berg von frischen Erdbeeren auf uns.

Unter der Regie unserer Mutter wurden sie abgepflückt, gewaschen und eingefroren. Im Herbst waren es dann körbeweise Zwetschgen, die entkernt und eingeweckt wurden.

In den schmalen Straßen von Dudeldorf und rund um die Kirche herum war immer etwas los. Es waren immer Kinder zum Spielen da: Räuber und Gendarm, Murmeln, Federball, Hüpfhäuschen, Fuß - und Völkerball. Die Straßen gehörten uns, denn es kamen nur wenige Autos vorbei.

Wir tauschten Kaugummibildchen mit den Abbildern von Conny Froboess, Paul Anka, Elvis Presley, oder Conny Francis und sammelten sie in Büchern. Wir schrieben kluge Sprüche in Poesiealben und klebten Blumenbildchen mit Goldglitter dazu.

In unserem Laden gab es große Gläser, lose befüllt, mit Gummibärchen und Bonbons mit Schokofüllung. Sie wurden, in spitzen Papiertütchen, zu einen Pfennig das Stück verkauft. Zum Leidwesen unserer Mutter waren wir die besten „Kunden“. Oft wunderte sie sich über den Schwund in den Gläsern.

Mechthild Crames-Jakoby,
Dudeldorf