1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Die Suche zwischen den Zahlen

Die Suche zwischen den Zahlen

Im Rechtsstreit zwischen der Hoffmann Nutzfahrzeuge GmbH gegen die Raiffeisenbank östliche Südeifel spitzt sich die Lage zu. So wird der Bank unter anderem falsche Kontoführung vorgeworfen. Das Dudeldorfer Geldinstitut weist das jedoch zurück.

Gindorf/Dudeldorf. Man kann es vorsichtig ausdrücken oder aber mit dem Presslufthammer in den Raum meißeln. Hans Peter Eibel bevorzugt in diesem Fall die zweite Variante: "Banken lügen wie gedruckt, aber ihre gedruckten Zahlen nicht - das ist Fakt", sagt der Privatgutachter aus Lauffen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, nach der Lüge zwischen den Zahlen zu suchen. Er ist davon überzeugt, dass es zwischen den roten und schwarzen Zahlen eine Grauzone gibt, in der Geld einfach verschwindet. Wie beispielsweise auf den Konten des Fahrzeugherstellers Johann Hoffmann aus Gindorf, der seiner damaligen Hausbank, der Raiffeisenbank östliche Südeifel (Raiba), unter anderem vorwirft, durch fristlose Kündigung seiner Kredite den Unternehmer bewusst in die Insolvenz getrieben zu haben (der TV berichtete).Nachdem, was Eibl ermittelt haben will, sollen es im Fall Hoffmann inklusive der daraus resultierenden Kapitalschäden weit über 400 000 Euro sein, die sich allein im Zeitraum 1995 bis 2001 durch nicht angepasste Zinsen und verspätete Gutschriften zu Hoffmanns Lasten angehäuft hätten. Und Eibl wie auch der ebenfalls für Hoffmann tätige Sachverständige Oliver Schäfer gehen davon aus, dass der Schaden noch viel höher ist, können es derzeit aber nicht nachweisen, weil die dafür notwendigen Kontoauszüge von 1990 bis 1994 anscheinend nicht mehr existieren. "Was das Finanzamt nicht mehr braucht, habe ich leider vernichtet", sagt Hoffmann, und auch die Bank hat bei einem Verhandlungstermin im vergangenen Herbst vor Gericht versichert, diese Auszüge nicht mehr zu haben. "Die Frage, warum diese - soweit sie älter als zehn Jahre sind - heute nicht mehr existieren, ist nicht uns, sondern Herrn Hoffmann zu stellen", teilt Thomas Halberkann im Auftrag des Raiba-Vorstands auf TV-Anfrage mit und erklärt, dass die Bank "alle Geschäftsunterlagen entsprechend der gesetzlichen Aufbewahrungsfristen" aufbewahre.Falsche Kontoführung: Kein Dementi der Bank

Eibl sieht das jedoch anders: Die Bank sei sogar dazu verpflichtet, die Daten aufzuheben. "Sie bewahrt sie schließlich zu ihrem eigenen Schutz auf, um sich gegen unberechtigte Vorwürfe wehren zu können", sagt er. Und warum würden die Auszüge überhaupt auf Mikrofilme kopiert, wenn sie anschließend sowieso vernichtet werden?Was den Vorwurf der falschen Kontoführung betrifft, so wird dies seitens der Bank nicht dementiert, jedoch weist Halberkann darauf hin, dass der Kontoprüfer Eibl als Gutachter weder öffentlich bestellt noch seitens des Gerichts anerkannt sei. Inwieweit das Gutachten Eibls vor Gericht von Bedeutung ist, wird sich zeigen - genauso wie die Frage, ob Hoffmann seinen Schadensersatzanspruch von über drei Millionen Euro geltend machen kann.Doch unabhängig vom Ausgang des Verfahrens stellt sich für Schäfer außerdem die Frage, warum die Genossenschaftsbank ihre Mitglieder bei der vergangenen Vertreterversammlung im Sommer 2006 nicht über das millionenschwere Prozessrisiko aufgeklärt habe. "Weder aus dem Lage- noch aus dem Geschäftsbericht geht daraus etwas hervor", sagt Schäfer. "Wir haben alle Risiken ordnungsgemäß in unseren Bilanzen bewertet", und der Lagebericht vermittle "insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage der Genossenschaft und stellt die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend dar", erklärt dazu der Raiba-Vorstand und ergänzt: "Dies wurde uns durch einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk des Rheinisch Westfälischen Genossenschaftsverbandes testiert." Dass es diesen "uneingeschränkten Bestätigungsvermerk" trotz fehlendem Hinweis auf das Prozessrisiko gibt, daran zweifelt auch Schäfer nicht: "Ich gehe davon aus, dass die entsprechenden Wirtschaftsprüfer auch davon keine Kenntnis hatten."