Die Tangente berührt nicht

BITBURG. Seltenes Jubiläum: Der Plan einer Nordumgehung der Stadt wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Rund 500 000 Euro hat die Stadt bisher in das Projekt gesteckt. An einen Baubeginn ist bisher aber immer noch nicht zu denken.

Bitburg hat sich den Beinamen "Autostadt" nicht nur deshalb gegeben, weil viele Autohäuser in der Stadt ansässig sind. Der Transitverkehr auf der Bundesstraße 51 und der Verkehr in der Innenstadt erinnern täglich tausendfach daran, dass die Stadt in einer Blechlawine zu ersticken droht. Grund dafür ist, dass der Verkehr in Bitburg jährlich zunimmt. Eine rund 6,5 Millionen Euro teure Nordumfahrung des Stadtzentrum soll da Abhilfe schaffen. Den Plan für die Entlastungsstrecke gibt es bereits seit 50 Jahren. Zahlreiche Skizzen und bergeweise Akten zeugen von dem bisher fruchtlosen Versuch, die Straße in Bitburgs Norden wahr werden zu lassen. Doch bekanntermaßen ist Papier sehr geduldig. Und deshalb steht die Tangente bis heute nur auf dem Papier - auf sehr teurem Papier. "Bisher sind bei der Stadt Planungs- und Grundstückskosten in Höhe von rund 500 000 Euro entstanden", sagt Stadtsprecher Werner Krämer. Die neue Tangente soll von der Anschlussstelle der Nimstal-Strecke (L 5) an die B 51 nördlich von Bitburg zur B 257 und von da aus zur B 50 führen. "Der Verlauf der Strecke hat sich in den vergangenen Jahren mehrmals marginal geändert. Die Grundkonzeption entspricht aber der Skizze, die 1955 angefertigt wurde", sagt Krämer. Die Nordumfahrung hat für die Pläne der Bitburger entscheidende Bedeutung. Derzeit fahren rund 55 000 Fahrzeuge täglich durch die Innenstadt, Tendenz stark steigend. Ein von der Stadt beauftragtes Ingenieurbüro hat ermittelt, dass bis zum Jahr 2015 die Zahl der durch die Stadt fahrenden Fahrzeuge auf bis zu 68 000 steigen wird (derTV berichtete). Der Kollaps wäre damit programmiert.Fehlt die Tangente, bleibt Makulatur

Dem entgegenwirken soll der seit Jahren geplante linksdrehende Innenstadt-Ring. Im Zusammenspiel mit einem weiteren Ring um die Stadt herum würde er dafür sorgen, dass Verkehrsströme um Bitburg herumgeleitet werden. Die Verkehrsplaner haben nämlich herausgefunden, was alle wissen: Ein Teil des Verkehrs fährt durch Bitburg, ohne in der Stadt anzuhalten. Dies wird vermutlich noch mehr als ein kleines Weilchen so bleiben. Ohne Nord-Ost-Tangente fehlt nämlich ein Stück des Rings und macht alle teuren Verkehrswegepläne zu Makulatur. Problem der Bitburger in all den Jahren war nach Ansicht von Beobachtern, dass andere Projekte des Landes Rheinland-Pfalz als Bauträger der als Landesstraße konzipierten Nord-Ost-Tangente höhere Priorität genossen. Ende der 80er Jahre machte dann auch noch die deutsche Einheit den Bitburgern einen Strich durch die Rechnung. Riesige Geldsummen wurden aus der alten Bundesrepublik abgezogen, um die marode Infrastruktur im Osten Deutschlands fit zu machen. Im Jahr 1999 wurde auch einmal ausgerechnet, wie viel Entlastung die Nordumgehung bringt. Der zuständige Verkehrsplaner hatte im Rahmen einer Bürgerversammlung erklärt, dass nach dem Bau rund 4300 Kraftfahrzeuge weniger täglich die Wittlicher Straße befahren. Für die Kölner Straße wurden 3700, für die Albachstraße 2700 und für die Rittersdorfer Straße 1200 Kraftfahrzeuge täglich weniger errechnet. Angesichts des in mehr als sechs Jahren stark angestiegenen Verkehrsaufkommens kann angenommen werden, dass die Zahlen heutzutage weitaus höher liegen. Im Jahr 1999 ging ein Vertreter des damaligen Gerolsteiner Straßen- und Verkehrsamts - heute unter Landesbetrieb Straßen und Verkehr firmierend - davon aus, dass die Straße vermutlich nicht vor 2004 fertiggestellt ist. Mit dieser Prognose hat Harald Enders recht behalten. Auch 2005 ist noch kein Baubeginn der Straße in Sicht.