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Die unglaubliche Geschichte des jungen Marokkaners Noureddine Edoummi

Mitmenschlichkeit : Entführt, geflohen, gerettet: Jetzt hat er auch seinen Pass

Es ist amtlich – nach vielen verzweifelten Jahren: Noureddine Edoummi hat seinen Ausweis erhalten, dank der Betreuung durch den Verein „Eifel hilft“.

Der Verein „Eifel hilft“ setzt sich seit seiner Gründung 2016 in Prüm für Menschen in Not ein. Initiatoren waren der Prümer Musiker Tobias Schmitz und Hubert vom Venn, der Kabarettist aus Roetgen (der TV berichtete).

Vor zwei Jahren erzählten die beiden uns im TV eine nahezu unglaubliche Geschichte: die des jungen Marokkaners Noureddine Edoummi. Im Alter von 16 Monaten wurde er aus einem Ort bei Casablanca entführt, seiner Familie entrissen, jahrelang von seinen „neuen“ Eltern geschlagen und gedemütigt. Sie ließen ihn hungern und nicht zur Schule. Als etwa 14-Jähriger lief er davon und begab sich auf die Flucht nach Europa, ohne Ausweis oder andere Dokumente. Sie dauerte mehrere Jahre. Er landete irgendwann in Monschau, wo ihm niemand seine Geschichte glauben wollte.

Ein Mensch nahm sich seiner an: Hermann Mertens, Vorsitzender von „Eifel hilft“ und damals Vertreter der Monschauer Bürgermeisterin im Rathaus. In Marokko fand Mertens einen Rechtsanwalt, der tatsächlich die wahren Eltern ermittelte. So erhielt Edoummi nicht nur seine Familie, mitsamt vier Geschwistern, zurück, sondern auch seinen wahren Namen. Und seine Geburtsurkunde. Jetzt meldet „Eifel hilft“: Edoummi hat auf dem Konsulat seines Heimatlands in Düsseldorf seinen marokkanischen Pass erhalten – „aus aktuellen Gründen durch das Eingangstor gereicht“, teilt Hubert vom Venn mit.

Es war dennoch ein weiter, langer Weg bis dorthin: Denn erst musste ein DNA-Test vorgenommen werden, der den 26-Jährigen eindeutig als Sohn seiner Eltern ausweist.

Der Verein war bei jedem der bisherigen Schritte helfend dabei. Und bleibt es auch: Sobald es die Situation erlaube, werde Edoummi seine Eltern nach einem Vierteljahrhundert zum ersten Mal besuchen und vielleicht nach Marokko zurückkehren können – sofern die Pandemie-Lage das erlaubt. „Wie es sich auch entwickelt: Von Eifel hilft gibt es dazu für den Noch-Kalterherberger eine Starthilfe“, teilt der Verein mit. Denn es sei Edoummis fester Vorsatz, in sein Heimatland zurückzukehren.

Es gibt aktuell aber noch eine zweite erfreuliche Geschichte vor ebenfalls traurigem Hintergrund: Sie betrifft eine Eifelerin, die infolge der Coronakrise ihren Arbeitsplatz verloren hat. Die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern aus dem Islek geriet dadurch ebenfalls in große Not. Der Verein beglich einige ihrer Rechnungen. „Was blieb, war der leere Öltank“, sagt Hubert vom Venn.

Pass gebunkert, endlich: Hermann Mertens (links) und Schützling Noureddine Edammoui vor dem marokkanischen Konsulat in Düsseldorf. Foto: privat

Daraufhin gründeten Markus Bong und seine Frau Biggy von der Firma Coplaning aus dem luxemburgischen Junglinster eine Hilfsgruppe und riefen per Internet zu Spenden auf. Noch am gleichen Abend hieß es von den beiden: „Leute, es ist vollbracht, ihr seid der Knaller. Es sind schon etliche Spenden eingegangen, den verbleibenden Rest übernimmt die Firma Coplaning.“ Was dazu führte, dass inzwischen Ewald Wolter aus Sinspelt den Öltank wieder gefüllt und die Familie wieder warmes Wasser und eine funktionierende Heizung hat.