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Die Unwetter in der Eifel und ihre Folgen für die Campingplätze und Gastbetriebe

Tourismus : „Der Tourismus liegt brach“

Schwere Schäden, ungewisser Saisonverlauf: Das Hochwasser hat etliche Campingplätze verwüstet. Obwohl sie meist versichert sind: Den Gastbetrieben steht eine schwierige Saison bevor. Und nicht nur ihnen.

Die Pegel von Bächen, Flüssen und Seen sind wieder auf Normalhöhe. Überall in der Eifel werden die Schäden aufgenommen, beziffert und, soweit möglich, behoben. Wie schwer das Hochwasser der vergangenen Wochen die Eifel getroffen hat – und welche Konsequenzen das nicht zuletzt für den Tourismus hat, es wird mit jedem Tag deutlicher.

Zum Beispiel in Waxweiler, wo Claudia Suringh den Campingpark Eifel betreibt: „Hier will keiner Urlaub machen“, sagt sie. „Was ich auch verstehen kann. Hier geht den ganzen Tag der Presslufthammer. Ich hab noch zwei Gäste, alles andere ist abgereist.“

Nachdem das Wasser über den Platz geschossen ist, sind dort von 120 Stellplätzen nur noch 20 nutzbar, der Bungalowpark sei zum Glück nicht zu Schaden gekommen. Aber auch die Gastronomie auf dem Gelände werde wohl für die nächsten zwei Monate nicht zu betreiben sein. Geschätzter Sachschaden insgesamt: „250 000 bis 300 000 Euro“, sagt Claudia Suringh.

Die erste Flut – sie vor allem richtete an den Campingplätzen große Schäden an – kam am verlängerten Fronleichnamswochenende: An jenem Freitag, sagt Alwin Köhler, Chef vom Prümtal Camping in Oberweis, „war es verheerend. Da war alles unter Wasser. Der Platz war voll, 650 Leute, über 200 Wohnwagen und Zelte, die alle evakuiert werden mussten.“

Das sei zunächst, auch dank Feuerwehr und weiterer Helfer, gut gelaufen. Dann aber sei plötzlich die Falschinformation eingegangen, der Staudamm in Biersdorf sei gerissen und drohe zu brechen: „Das hat bei uns Panik verbreitet, so dass die Leute hektisch wurden.“

Tatsächlich hatten die Verantwortlichen am Stausee kontrolliert Wasser abgelassen – und alles richtig gemacht, sagt Köhler. Zumal so auch „der ganze Unrat“, der von den Fluten prümaufwärts angespült wurde, aufgehalten worden sei.

Zwei Plätze betreibt Franz Wenzel: in Wallendorf, am Zusammenfluss von Our und Sauer, und in Gentingen. Dort, sagt er, „lief uns das Wasser zum Teil durch die Mieteinheiten und hat eine Schlammwüste hinterlassen.“ Etliche Gäste seien von den Fluten im Schlaf überrascht worden. Und doch, man habe es irgendwie alles hinbekommen, zumal die Gäste sehr verständnisvoll reagiert hätten. „Aber dann begann mittags die Our zu steigen. Dann mussten wir den Platz in Wallendorf komplett räumen.“

„Wir machen das schon 48 Jahre“, sagt Wilma Heck vom Campinplatz Südeifel in Irrel. „Aber das war schon gewaltig.“ Sie habe schon einige Hochwasser erlebt, aber eine solche Strömung noch nicht.

Konsequenz für die Sommersaison? „Wir haben nur einige Plätze, die sauber sind.“ Auf der Anlage sei nahezu die gesamte Grasnarbe weggerissen worden. Überall Matsch, der Rasen müsse jetzt neu eingesät werden. Nicht schön: „Das kann man ja keinen hinlassen.“ Noch eine Sorge: „Man hat kein Vertrauen mehr“, sagt Wilma Heck. Sobald neue Unwetter angekündigt seien, wachse die Angst vor den verheerenden Folgen. Und sie glaubt, am Biersdorfer See hätte man das Wasser früher ablassen müssen. Alwin Köhler hingegen ist überzeugt, dass gerade der See verhindert habe, dass es die prümabwärts liegenden Campingplätze genauso schwer traf wie die beiden in Waxweiler und Heilhausen: „Was dort passiert ist, ist uns gottseidank erspart geblieben.“

Nahezu alle Betreiber – die einander gegenseitig vor den heranrollenden Fluten warnten – betonen, dass sich etwas ändern müsse: Die vielen Bäche, die sich vom Rinnsal zum Strom entwickelten, darüber sei nachzudenken. Ebenso über ein besseres Frühwarnsystem. Über den extensiven Maisanbau. Schuld? „Im Grunde genommen sind wir es insgesamt“, sagt Monika Richard vom Campingplatz Altschmiede in Bollendorf. Das jüngste Hochwasser sei auch ein Zeichen dafür, „dass wir unsere Umwelt zerstören“.

Die große Frage, sagt Claudia Suringh, sei nun: „Wie überlebt der Tourismus in der Südeifel?“ Denn, sagt Alwin Köhler in Oberweis, vielerorts sei die Infrastruktur zerstört: „Wanderwege, Radwege, Brücken – das ist ein Riesen-Imageschaden“. Seine Stellflächen seien zwar wieder benutzbar. Aber „die Zufriedenheit der Gäste ist nicht herstellbar ohne Infrastruktur“.

Sagt auch Franz Wenzel: „Wir sind in der Nähe des (luxemburgischen, Anm.) Müllertals, und das ist arg betroffen.“ Er befürchte nun, „dass viele Leute diese Ecke jetzt meiden werden, nach dem Motto: Da kann man ja nicht wandern.“

 Von der Prüm fortgerissen: ein zertrümmerter Wohnwagen am Campingplatz Heilhauser Mühle.
Von der Prüm fortgerissen: ein zertrümmerter Wohnwagen am Campingplatz Heilhauser Mühle. Foto: Fritz-Peter Linden
 Dies ist kein See, auch wenn das so aussieht: Der völlig überflutete PrümtalCampingplatz in Oberweis.
Dies ist kein See, auch wenn das so aussieht: Der völlig überflutete PrümtalCampingplatz in Oberweis. Foto: privat

Inzwischen hat Landrat Joachim Streit beim Land um Hilfe auch für gefährdete Betriebe ersucht (TV von Samstag). Denn „der Tourismus in der Südeifel“, sagt Claudia Suringh, „liegt brach. Die Angst, die sitzt uns allen im Nacken.“