Die Urfttalsperre war die größte Talsperre Europas

Die Urfttalsperre war die größte Talsperre Europas

Eine Reise in die Vergangenheit können die Besucher der Archäologietour Nordeifel unternehmen, die die Kölnische Rundschau und der Landschaftsverband Rheinland am 2. Oktober präsentieren.

Gemünd. Im Vergleich etwa zu den römischen Wasserleitungen, die im Rahmen der Archäologietour präsentiert werden, ist die Urfttalsperre ein "junger Hüpfer". Doch als faszinierendes Denkmal der Technik und Ingenieurskunst hat auch sie ihren Platz in den Stationen der diesjährigen Tour.
Noch vor knapp 100 Jahren galt sie als Meilenstein des modernen Talsperrenbaus. Denn mit 58 Metern Höhe und 226 Metern Länge an der Mauerkrone war die Urfttalsperre die größte Talsperre im damaligen Europa. Diesen Rekord hält die Talsperre aber längst nicht mehr.
Mittelgroße Talsperre


Zwar gilt sie mit ihren 45 Millionen Kubikmetern Fassungsvermögen noch als mittelgroße Talsperre. Allerdings gibt es laut Norbert Hoppe vom Wasserverband Eifel-Rur (WVER) wesentlich größere Anlagen. "Zum Vergleich haben wir in der Region die zweitgrößte Talsperre Deutschlands, das ist die Rurtalsperre. Die komplette Rurtalsperre hat ein Fassungsvermögen von 200 Millionen Kubikmetern", so Hoppe: "Das ist schon mal ein Größenunterschied einer der größten zu einer mittleren Talsperre. Wenn wir dann noch die Oleftalsperre als Vergleich hinzuziehen - die hat ein Fassungsvermögen von nur 20 Millionen Kubikmetern."
Erbaut wurde die Urfttalsperre zwischen 1900 und 1905 nach den Plänen des Aachener Professors Otto Intze. Es wurden Grauwacke- und Tonschiefersteine verbaut. Diese wurden mit einem Mörtel aus Sand, Kalk und kleingemahlenem Bimssteintuff verbunden. Die Talsperre verfügt über eine wasserseitige Erdvorschüttung, die etwa bis zur halben Mauerhöhe reicht und auch als Intze-Keil bezeichnet wird. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurden die Talsperre und ihr 33-stufiger Kaskadenhang stark beschädigt. Sie wurde aber nicht völlig zerstört und konnte nach dem Krieg wieder instand gesetzt werden.
Um die Talsperre heutigen Sicherheitsvorschriften anzupassen, wurden zwischen 1994 bis 1999 - bei vollem Betrieb - zwei Kontrollgänge in die Staumauer eingebaut. "Das Besondere daran ist, dass man das nicht alles von Hand machen konnte, sondern während des Betriebs auch mit Sprengungen arbeiten musste", berichtet Hoppe.
Ein solcher Kontrollgang kann am Tag der Archäologietour besichtigt werden. Eine tolle Sache für alle Interessierten - doch es gibt zwei "Haken". Hoppe erklärt: "Das ist eine anstrengende Sache. 600 Stufen sind da zu bewältigen." Daher sollten die Besucher gut zu Fuß sein, nicht unter Platzangst leiden und vor allem festes Schuhwerk tragen. Auch ist die Besucherzahl stark begrenzt. Die Führungen finden um 11, 13 und 15 Uhr statt und dauern etwa eine Stunde. An jeder Führung können nur 35 Personen teilnehmen - wer zuerst kommt, ist im Innern der Talsperre dabei.
Die Gründe, die damals zum Bau der Talsperre führten, sind laut Dr. Wiebke Hoppe vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland vielfältig. "Man wollte sich vor schwankenden Wasserpegeln schützen, also einmal vor extremem Niedrigwasser oder eben Hochwasser."
Denn die Mühlenbetreiber in der Umgebung und Industriebetriebe wie Papierfabriken im Dürener Raum seien auf einen gleichmäßigen Wasserpegel angewiesen gewesen, damit es nicht zu Betriebsausfällen kam. Und der könne durch die Talsperre sichergestellt werden. "Auch jetzt, wo der Sommer so trocken war, reicht es noch aus, den Wasserstand zu regulieren", berichtet Hoppe.
"Ein weiterer Grund war, dass man Strom gewinnen wollte. Und zwar gibt es einen Stollen, der vom Urftstausee über 2,7 Kilometer durch den Kermeter läuft. Der kommt beim Kraftwerk Heimbach wieder raus. Da wird seitdem Strom aus Wasserkraft gewonnen - auch heute noch."
Um darüber zu informieren, was passiert, wenn Staudämme gebaut werden, veranstaltet das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege bei der Archäologietour Führungen oberhalb der Staumauer (der Außenbereich ist barrierefrei gestaltet). "Wenn ein Damm gebaut wird, wird ja der Pegel aufgestaut", so Hoppe. "Alles, was dahinter liegt, verschwindet sozusagen unter Wasser. Ich werde erzählen, was vor allem im Urftsee versunken ist. Zudem, wie man heute mit der Archäologie umgeht. Und auch, welche Rettungsmaßnahmen es gibt, wenn neue Talsperren gebaut werden." Als die Urfttalsperre gebaut wurde, verschwanden auch einige archäologische Fundstellen und Höfe - unter anderem Krummenauel.