Gefallene Soldaten bekommen endlich Ruhestätte auf Kolmeshöh : Die vergessenen 32

Die Stadt will die gestohlenen Grabplatten auf dem Friedhof Kolmeshöh nun doch ersetzen. Darauf werden 32 Namen mehr stehen als zuvor.

Der Krieg ist verloren im Winter 1944. Die Deutschen wissen es nur noch nicht. Im Westen treiben die Alliierten die Wehrmacht zurück an den Westwall. Nachschub bekommen die US-Truppen vom Hafen Antwerpen.

Also will Hitler die belgische Stadt einnehmen. Die sogenannte Ardennenoffensive ist ein letzter Versuch, das Blatt zu wenden. Beim letztlich erfolglosen Versuch, die Oberhand an der Westfront zu gewinnen, sterben auf beiden Seiten mehr als 155 000 Menschen.

Manche von ihnen sind in Bitburg auf dem Friedhof Kolmeshöh begraben. Bis 2017 erinnerten zwei Bronzeplatten an 29 deutsche Soldaten, die während der letzten Kriegsmonate gefallen sind. Doch Diebe haben die Tafeln gestohlen (der TV berichtete).

Zwei Jahre später hat die Polizei das Verfahren eingestellt. Weder Täter noch Beute werden wohl jemals gefunden werden. Für Stadtratsmitglied Stephan Garçon (SPD) ist das Thema damit aber nicht beendet. Er wünscht sich, dass die Stadt eine neue Gedenkstätte auf dem Friedhof anlegt. Dort sollen dann aber 32 Namen mehr stehen als auf den alten Tafeln. Denn bei seinen Recherchen im Internet hat Garçon eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht. In dem Kameradengrab nahe dem Grabturm liegen wohl 61 und nicht 29 tote Soldaten.

Warum sie nicht auf den gestohlenen Platten zu finden waren, erklärt der Sozialdemokrat sich so: „Während des Krieges wurden viele Soldaten verschüttet und erst Jahre später gefunden.“ Vielleicht habe man auch diese 32  nachträglich gefunden und es später versäumt, ihnen einen Grabstein zu geben.

Nun sollen sie, nach Jahren des Vergessens, einen bekommen. Dafür haben sich alle Beteiligten in der vergangenen Sitzung des Arbeitskreises Gedenken ausgesprochen. Und nun, da das Schicksal der Soldaten geklärt ist, will die Stadt Bitburg dafür aufkommen. Laut Rathaussprecher Werner Krämer werde derzeit „geprüft, ob Platten genommen werden oder eine andere Form, zum Beispiel ein Gedenkstein, aufgestellt wird.“ Auch das Material steht zur Diskussion: Soll es teure Bronze werden oder Sandstein? Und dann bleibt noch die Frage zu klären, ob die Stadt die Kosten für das Denkmal alleine stemmen muss oder ob es Fördergeld gibt.  Bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion steht offenbar ein Budget für die Kriegsgräber zur Verfügung.

Garçon ist froh, dass die Sache nun ins Rollen kommt. Nachdem die Stadt es zwei Jahre lang versäumt habe, die Platten zu ersetzen, bekämen nun noch mehr Soldaten eine ordentliche Ruhestätte. Der Diebstahl habe also letztlich etwas Gutes nach sich gezogen: „Wenn die Tafeln nicht gestohlen worden wären“, sagt er, „wäre es uns nie aufgefallen, dass 32 Soldaten keinen Grabstein haben.“

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