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Die Wallfahrtszeit in Weidingen beginnt

Archiv : Spendenmarathon für Maria: Wallfahrtszeit in Weidingen beginnt

Die Wallfahrtszeit in Weidingen beginnt am Wochenende. Derweil läuft die Instandsetzung der Kirche weiter. Mit einigen Überraschungen.

Die Sonne strahlt über Weidingen,  Matthias Moos legt die Hand schräg an die Stirn, blinzelt und  reckt den Kopf hoch zum Turm der Pfarrkirche, an dem der Putz und die Farbe bröckeln. „Am 1. April wird das Gerüst aufgestellt, dann fangen wir an, die Fassade zu renovieren und anzustreichen“, sagt der Ortschef. Und klingt ein wenig erleichtert. Schließlich ist damit ein weiterer Punkt der unendlich langen Liste mit Renovierungsarbeiten  am Wahrzeichen des 180-Seelen-Ortes  abgehakt.

Eine Liste, die Matthias Moos seit vielen Jahren beschäftigt. Als Ortschef, aber vor allem als Mitglied des Verwaltungsrats der Pfarrei. Seit 2005 läuft die Instandsetzung des Gotteshauses, das unter Denkmalschutz steht. Es hat eine lange Geschichte. Schon um 1200 soll eine erste Wallfahrtskirche erbaut worden sein, von der ein Teil noch heute steht. Tatsächlich wurde in einem Teil der heutigen Kirche bei der Sanierung  ein Sandstein mit der Jahreszahl 1141 gefunden.

Seitdem kommen Pilger das ganze Jahr über nach Weidingen (VG Südeifel), um zu beten, Hilfe von der Schutzpatronin Maria zu erbitten und sich Geschichten von erfüllten Wünschen, Rettungen aus der Not und wundersamen Heilungen zu erzählen. „Pilger kommen jeden Tag. Die Kirche steht immer offen“, sagt Moos. Besonders viele davon erwartet man in der vierwöchigen Wallfahrtszeit, die am Samstag beginnt. Dann ist alle Hände voll zu tun für den Pfarrgemeinderat, in dem sich auch Karin Fandel engagiert. Nicht nur wegen des Glaubens. Sondern auch, weil, wie sie sagt, „die Gemeinschaft im Dorf wichtig ist, sonst stirbt es aus“.

Sicher. Inzwischen kommen weniger Menschen zur Hauptpilgersaison  in den hoch über dem Prümtal gelegenen Ort als früher. Aber 150 bis 180 jeden Wallfahrtssamstag  seien es doch, sagt Moos. Schließlich sind die Samstage Höhepunkte in dieser Zeit.  Zum einen gibt es Messen mit verschiedenen Pastoren, zum anderen den berühmten Pilgerkaffee im Gemeindehaus (siehe Extra). Und wer jedes Jahr hierher kommt, wird feststellen, dass sich in den vergangenen Jahren nach und nach allerhand getan hat.  Denn für knapp 700 000 Euro wurde seit 2005 allerhand renoviert: Decke, Fußboden, Hauptaltar, Orgel, die fünf Beichtstühle und der Vorplatz der Kirche wurden saniert.

Zwar übernahmen das  Bistum und das Landesdenkmalamt bei allen Projekten 50 Prozent der Kosten. Dennoch wäre es ohne die Hilfe von Spendern nicht möglich gewesen, das Denkmal zu erhalten. So gab es vielfach Unterstützung von der Kreissparkassenstiftung und von den Weidinger Bürgern, die einiges in Eigenleistung gestemmt haben.  Zum Beispiel bei der Arbeit am Holzfußboden und an den Kirchenbänken, die in stundenlanger Kleinarbeit abgebeizt wurden.

Zudem habe es immer wieder Geld von Privatleuten gegeben. Vom Spendenmarathon zeugt eine Liste, die an einer der Säulen in der Kirche aufgehängt ist. Manchmal kommen solche Gaben auch überraschend, wie Moos berichtet. „Im September 2018 habe ich gleich zwei Zusagen über jeweils 20 000 Euro für die Sanierung der Fassade bekommen.“ Nun hofft er, dass diese Ende des Jahres fertig ist.

Wallfahrtskirche Weidingen Foto: TV/Ulrike Löhnertz
Wallfahrtskirche Weidingen Foto: TV/Ulrike Löhnertz
Wallfahrtskirche Weidingen Foto: TV/Ulrike Löhnertz
Wallfahrtskirche Weidingen Foto: TV/Ulrike Löhnertz
Wallfahrtskirche Weidingen Foto: TV/Ulrike Löhnertz
Wallfahrtskirche Weidingen Foto: TV/Ulrike Löhnertz
Wallfahrtskirche Weidingen Foto: TV/Ulrike Löhnertz
Die Wallfahrtskirche in Weidingen birgt jede Menge kunsthistorischer Besonderheiten.  Foto: TV/Ulrike Löhnertz

Zwei wichtige Vorhaben warten aber noch im Innenraum auf Verwirklichung: die Sanierung der Empore und des Marienaltars, der seit Generationen Haupt-Anlaufstelle der Pilger ist, die mit Wünschen, Bitten, Hoffnungen zu Maria kommen. Und es wird ihr gedankt. Davon zeugen die vielen Täfelchen mit Aufschriften wie „Maria sei Dank“ oder „Maria hat geholfen“. Wie alt genau der Altar ist, weiß keiner. Aber er könnte aus dem Mittelalter stammen, vermutet  Moos. Genaueres sollen aber die Experten klären, die ihn vermutlich im Herbst untersuchen werden, um ein Gutachten zu erstellen. Genehmigt das Bistum den Sanierungsplan und übernimmt wieder 50 Prozent der Kosten, heißt es wieder Spenden sammeln. Moos hofft, dass der Arbeiten am Altar und damit das komplette Projekt Pfarrkirche spätestens in fünf Jahren beendet sind.  Bis dahin wird insgesamt, so schätzt Moos, eine Million Euro in die Sanierung geflossen sein. Und bis dahin wird er auch kein Ortsbürgermeister mehr sein, denn er tritt nach 35 Jahren Amtszeit nicht mehr bei der Kommunalwahl an. Aber als Vertreter des Verwaltungsrats wird er sich weiter um die Instandsetzung der Kirche kümmern. Egal, wie lange es noch  dauert. „Man muss eben Geduld haben“, sagt Moos, während die dicke Holztür leise knarrend  hinter ihm ins Schloss fällt. Die Sonne strahlt immer noch über Weidingen. Morgen kommen die Pilger.