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Die Wandelhalle steht auf Stelzen

Die Wandelhalle steht auf Stelzen

Gut ein Jahr ist seit dem Spatenstich in Vogelsang vergangen. Die schlechte Bausubstanz hat zusätzliche Arbeiten erforderlich gemacht. Am Eröffnungstermin im Herbst 2014 halten die Verantwortlichen dennoch fest.

Vogelsang. Bauen im Denkmal birgt so seine Überraschungen. Davon kann Lothar Winkler ein Liedchen singen. Er ist als Projektleiter für die derzeitigen Umbaumaßnahmen in Vogelsang verantwortlich - und trotz der vielen Überraschungen immer noch erstaunlich gelassen. Dabei ist bereits Halbzeit am Bau, für den im Mai 2012 Spatenstich war. Im Herbst 2014 soll eröffnet werden und ein Laie kann sich kaum vorstellen, dass das klappen wird.
Viele Überraschungen


"Es ist sportlich", sagt Winkler mit einem Lächeln. Aber es werde schon klappen, verbreitet er Zuversicht. Nichtsdestotrotz haben die Überraschungen viel Zeit verschlungen. Und sie erfordern teils ungewöhnliche Maßnahmen. Vor allem die recht schlechte Qualität des Betons bereitete den Verantwortlichen Kopfzerbrechen. "Im Vorfeld haben wir natürlich Kernbohrungen, Druckproben und chemische Untersuchungen gemacht", sagt Winkler. Aber offenbar habe man ausschließlich Stellen mit guter Substanz erwischt. Jetzt, wo das ganze Ausmaß sichtbar geworden sei, habe sich doch ein anderes Bild gezeigt.
Nicht geplant war daher eine sehr umfassende Sanierung der Decke unterhalb des zukünftigen Gastronomiebereichs. Dessen Fußboden besteht aus Muschelkalk. Im Rahmen des Denkmalschutzes soll der erhalten werden. "Von oben haben wir den Boden daher abgedeckt, damit nichts passiert", erklärt Winkler. Jetzt werde von unten in einem sehr aufwendigen Verfahren eine neue Decke unter den Fußboden gebaut. 16 Zentimeter dick wird die Konstruktion aus zwei Lagen Stahlmatten und Spritzbeton einmal sein. Auch für den Bau des Herzstücks der Anlage mussten sich die Verantwortlichen etwas einfallen lassen. Um die Wandelhalle ordentlich zu unterkellern, musste sie zunächst auf stählerne Stützen gesetzt werden. Jetzt wird das Fundament für die Halle Stück für Stück neu aufgebaut. In dem Raum, der dann entsteht, wird das neue Besucherzentrum mit dem Schaufenster Eifel entstehen. Dafür klafft derzeit ein riesiges Loch dort, wo einmal der Adlerhof war.
Über einen gläsernen Bau werden die Besucher per Treppe oder Aufzug in das Untergeschoss gelangen. Dort entsteht eine Sichtachse, die diagonal unter der Wandelhalle verläuft, um die Freitreppe neben dem Adlerrelief zu durchbrechen. Durch ein Inlay mit Panoramafenster werden die Gäste einen wunderbaren Eifelblick haben. Diese asymmetrische Durchbrechung der historischen Bausubstanz ist bewusst gewählt. "Die Planer hatten hier durchaus Respekt vor der alten Bausubstanz. Sie zerstören sie auch nicht, sondern kommentieren sie", erklärt Pressereferentin Christin Wannagat die Intention der Berliner Planer "Mola + Winkelmüller Architekten GmbH".
Terrasse auf dem Dach


Haben die Vogelsang-Besucher das Eifel-Panorama ausreichend genossen, können sie nach links zur NS-Dokumentation und rechter Hand zum Nationalparkzentrum gelangen. Derzeit lassen sich bereits die Dimensionen erahnen, auch wenn alles noch sehr nach Baustelle aussieht. Gleiches gilt für das zukünftige Seminar- und Tagungszentrum für kulturelle und politische Bildung im Westflügel des Komplexes. Hier lässt sich bereits der Grundriss des bis zu 237 Plätze fassenden Seminaranbaus erahnen, dessen Dach als Terrasse und Außengastronomie genutzt werden soll. rol
Auf einer Baustelle gibt es immer etwas zu sehen. So können sich Besucher jederzeit von Aussichtspunkten den Baufortschritt anschauen. Spezielle Baustellenführungen sind für Sonntag, 10. November, geplant. Infos unter
www.vogelsang-ip.de