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Die wechselvolle Geschichte der Villa Limbourg

Gastbeitrag: Bitburger Häusergeschichten – Teil 3 : Die wechselvolle Geschichte der Villa Limbourg

Das große Anwesen in der Bitburger Denkmalstraße 6 war im Laufe der Zeit bereits vieles: Wohnhaus, Museum und Bürogebäude.

Als ich Kind war, erzählte meine Oma oft amüsiert von einer „Frau Baronin“, bei der sie als junge Frau in der Küche arbeitete. Ich konnte mir nie einen Reim auf ihre Anekdoten machen; erst viel später wurde klar: Sie erzählte von Josephina Freifrau Hiller von Gaertringen, geborene Limbourg. Ihre damalige Arbeitsstätte war die Villa Limbourg in der Denkmalstraße 6 in Bitburg. Dort, wo 1963 das Kreismuseum einzog und sich heute die Büros der Stadtwerke und das Studio des Offenen Kanals befinden.

Erbaut wurde das Haus ab 1903 von Franz Joseph Limbourg, jüngster Sohn des großen Johann Peter Limbourg. Um das Gebäude herum befanden sich mit Limbourgs Garten weitläufige Grünflächen. Limbourgs Hof war ein Gutshaus, das die Familie später am Rautenberg errichtete. 1912 heirateten Tochter Josephina und Otto Freiherr Hiller von Gaertringen. Doch nur 2 Jahre später fiel ihr Mann im 1. Weltkrieg und die junge Witwe zog ins Bitburger Elternhaus. Als ihr Vater 5 Jahre später aus gesundheitlichen Gründen nach Bonn zog, folgte ihm seine Tochter an den Rhein. Die beiden verbliebenen Söhne verließen 1935 Elternhaus und Heimatstadt. Josephina Freifrau Hiller von Gaertringen zog zurück nach Bitburg, bewohnte die Villa, übernahm das Gut und bewirtschaftete es mit großen Anstrengungen.

In dieser Zeit trat meine Oma in den Dienst bei „Frau Baronin“ ein und bewohnte vier Jahre lang ein Zimmer unter dem Dach. Die Zeit in dem großzügigen Haus mit vielen prunkvoll eingerichteten Zimmern müssen bei dem einfachen Bauernmädchen aus Welschbillig einen gehörigen Eindruck hinterlassen haben! Von dort aus fand sie eine neue Anstellung im luxemburgischen Ettelbrück, wohin die Familie Limbourg enge Kontakte pflegte.

Beim Bau des Westwalls 1938 wurde das Erdgeschoss der Bitburger Villa von der Oberbauleitung beschlagnahmt. Die Bomben des 2. Weltkriegs verfehlten das üppige Gebäude nur knapp. Das Erlebte hielt Josephina später in ihren schriftlichen Erinnerungen fest, die sich seither unveröffentlicht im Familienbesitz befinden: „Auf dem Gutshof waren die Dächer teilweise zerstört, ein Silo und eine Werkwohnung aber völlig zerbombt worden. Unsere Villa dagegen stand wie eine Festung da. Viele Bitburger glaubten, wir hätten einflussreiche Beziehungen ins Ausland, deshalb ist unser Haus unzerstört geblieben. Eine naive Vorstellung angesichts der verhältnismäßig geringen Treffgenauigkeit der Bomber. Das große Haus der katholischen Schulbrüder, nicht weit neben uns, war dem Erdboden gleichgemacht worden. Wer vermag all diese Geschicke zu deuten?“ Nach Kriegsende wurde das Haus von den Luxemburgern beschlagnahmt, danach von den Franzosen. 1949 nahm die Familie schließlich Abschied von Villa Limbourg und einem Areal von der Denkmalstraße talabwärts bis zum späteren Ostring. In der Autobiografie heißt es: „Unser damaliger Landrat, Herr Schubach, fragte eines Tages bei uns an, ob wir bereit seinen, einen Teil des zur Villa gehörenden Parks zu verkaufen. Er wollte dort ein Gymnasium bauen. Wir überlegten zusammen, dann entschlossen wir uns, die ganze Anlage mit Villa und Garten einschließlich der angrenzenden Weide, die sich nach Osten hin bis zur Bahnlinie erstreckte, an den Kreis und die Stadt zu veräußern.“ Das Gutsgebäude auf dem Rautenberg wurde so zur neuen Wohnstätte der Familie. Dort, wo heute das Quartier „Limbourgs Hof“, ein Einkaufszentrum mit neuer großer Wohnanlage, an die Bitburger Familie und an „Baronin“ Josephina, die letzte der Limbourgs, erinnert.

  Thomas Konder

 Die Wohnanlage „Limbourgs Hof“ erinnert an das Gutshaus der Familie, das sich an dieser Stelle befand.
Die Wohnanlage „Limbourgs Hof“ erinnert an das Gutshaus der Familie, das sich an dieser Stelle befand. Foto: Thomas Konder
 Josephina Freifrau Hiller von Gaertringen bewohnte die Villa.
Josephina Freifrau Hiller von Gaertringen bewohnte die Villa. Foto: Thomas Konder

Gastautor Thomas Konder erinnert in der Reihe „Bitburger Häusergeschichten“ an bekannte Bitburger Namen, ihre Häuser und Geschichten. Erzählungen, die den Blick auf ein vertrautes Gebäude verändern können. Welche Erinnerungen bringen Sie mit der heutigen Geschichte in Verbindung? Schreiben Sie es uns unter eifel@volksfreund.de