Die Wiedervereinigung der Eifel

KÖRPERICH. Die Zukunft kommt natürlich: Neben den bisher bestehenden beiden Naturparken der Eifel und dem Nationalpark soll es den Naturpark Vulkaneifel geben. Die fernere Perspektive ist, die gesamte Eifelregion flächendeckend als einheitliche Wirtschaftsregion und als Naturpark zu deklarieren.

Naturparks sind - besonders nach der anstehenden Novellierung des Landesgesetzes und des Bundesnaturschutzgesetzes - nicht nur Schutzzonen für Tiere und Pflanzen, sondern sie erhalten ausdrücklich eine Aufgabe, die wirtschaftliche Aspekte für die Menschen in den Mittelpunkt stellt. 24 Prozent der Fläche Deutschlands sind betroffen. Die nachhaltige Entwicklung der ländlichen Räume unter der Voraussetzung des schonenden Umgangs mit den Ressourcen ist nun gefordert. In der gesamten Eifel sind derzeit die mit Belgien und Luxemburg kooperierenden Naturparks Süd- und Nordeifel sowie der Nationalpark Einrichtungen, die sanften Tourismus, erneuerbare Energien, Landschaftspflege, Bildung und Schaffung von Arbeitsplätzen etwa im handwerklichen Bereich zum Ziel haben. Ein Naturpark Vulkaneifel wird hinzu kommen.Unterstützung regionaler Wirtschaftskreisläufe

"Es geht bei den Naturparks heute nicht mehr um die Vorbildfunktion dieser Räume", erläuterte Werner Theis, Abteilungsleiter für nachhaltige Entwicklung, Naturschutz und länderübergreifende Entwicklung beim rheinland-pfälzischen Landesministerium für Umwelt und Forsten, die aktuelle Ausrichtung der Naturparks. Sondern im Kern stehe die "kluge Unterstützung regionaler Wirtschaftskreisläufe". Bei dem Schwinden von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft könnten "neue Landschaftsbilder entstehen, die zumindest auch unter Gesichtspunkten der Erholungsvorsorge ihren Reiz haben". Die Qualität der Arbeit der rheinland-pfälzischen Naturparks sei in Deutschland einzigartig hoch, weil in Rheinland-Pfalz die Trägerorganisationen mit hauptamtlichem und fachlich entsprechend ausgebildetem Personal arbeiten. Dieses Modell erfahre eine rechtliche Absicherung, hinzu sollen vor allem im Bildungsbereich ehrenamtlich Tätige kommen. Das Land stelle den Trägern die Rechtsform frei, Verein, GmbH oder Zweckverband seien möglich. "Wichtig ist vor allem eines: Die Bevölkerung muss intensiv eingebunden werden. Naturparks können nicht nur über Institutionen belebt werden." Die Eifel sei die erste deutsche Landschaft, die einheitlich und über ihre Kreis- und Ländergrenzen hinaus vermarktet wird, hob Dieter Popp vom Regionalberatungsbüro Futour hervor, das mit der Entwicklung des Modells "Regionen aktiv" beauftragt ist. "Wir brauchen nicht mehrere, sondern zukünftig einen einzigen großen Naturpark Eifel", lautete seine Vision. Dass solche Einheit stark mache, bewiesen die Produkte der Dachmarke Eifel, die mittlerweile erhebliches Medieninteresse für die wirtschaftliche, ökologische und handwerkliche Kompetenz der Region weckten.Angebote der Parks sollen unterschiedlich sein

Hinzu kommen die touristischen Dienstleister, die sich verpflichten, zu bestimmten Anteilen die Produkte der Marke Eifel einzusetzen. Die herkömmliche "Geiz-ist-geil"-Haltung sei damit allerdings nicht vereinbar, Hochwertigkeit müsse sich auch in der Preisgestaltung und Wertschöpfung widerspiegeln. "Im Rahmen der nun kommenden UN-Dekade der Nachhaltigkeit sollte es unser Ziel sein, gemeinsam auch mit den Industrie-, Handels- und Handwerkskammern, uns grenzüberschreitend bis hinein nach Belgien und Luxemburg als eine einheitliche Wirtschaftsregion zu etablieren", schlug Popp vor. Ulrich Köster vom Verband Deutscher Naturparks zeigte das gesamte Potenzial von Naturparks im Rahmen der EU-Agenda 2007 auf. Besonderes Augenmerk sei darauf zu legen, dass sich die einzelnen Einrichtungen unverwechselbar machten und etwa im Bildungsangebot nicht mit Dopplungen lebten. Was thematisch bald in der Vulkaneifel geboten werde, solle nicht schon im Nationalpark oder in den Naturparken Süd- und Nordeifel vorhanden sein. Die "weichen" Faktoren wie die Identifikation der Bevölkerung mit ihrer Kulturlandschaft hielt auch Ulrich Köster für maßgeblich. Sie werden, so die bisherigen Erfahrungen mit Naturparks in Deutschland, wesentlich gestärkt und das wirtschaftliche Know-how in der Region könne dadurch beträchtlich wachsen.

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