Die Wohlfühloase

Gärtnern kann Malen mit Farben und Komponieren mit Düften sein. Das beweist Anita Giehls Werk aus blütenreichen Stauden und duftenden Rosen. Doch während Gemälde und Parfümrezeptur nach ihrer Vollendung Bestand haben, ändert sich ein Garten mit jeder Saison. In diesem Fall seit 25 Jahren.

Altrich. Wird man bereits am Eingang von einer kletternden Majestät der Blumen empfangen, kann man sicher sein: Hier wohnt eine Rosenfreundin. Die rahmweißen Blüten der fast stachellosen Rankrose "Mme Alfred Carrière" sind ein Vorgeschmack auf die duftende Gesellschaft überwiegend historischer Rosen, die sich im Garten hinter dem Haus versammelt hat.
"Albas, Gallica, Centifolien", beginnt Anita Giehl ihre Lieblinge aufzuzählen und weckt damit die Sehnsucht nach dichtbauschigen Blütenköpfen, deren Seele man erschnuppern muss. Man könnte seine Nase auch in Irisblüten mit Vanille- und Schokoladenduft oder fruchtiger Note stecken.
In Form und Farbe einem Regenbogen gleich, spannen sie sich von einem Gartenende zum anderen. "Die Idee, Stauden in Bändern zu pflanzen, habe ich von einer Gartenschau mitgebracht, und auf die Iris übertragen", sagt die Altricherin. Der impressionistische Eindruck erinnert fast schon an die Farbbeete des Malers Claude Monet.
"Ich freue mich an jedem schönen Bild, das sich im Garten auftut", wird Franz-Josef Giehl am Ende des Rundgangs sagen - und dabei nicht verhehlen, dass der vor über 25 Jahren entstandene Garten immer wieder umgestaltet wurde.
Erst sei alles viereckig angelegt und ein reiner Selbstversorger-Nutzgarten gewesen. Heute präsentieren sich Gemüsebeete, Obstbäume, Stauden und Rosen als Wohlfühlgarten mit Schwung. Erfüllt ist er von geschäftigem Gesumm. Drei Bienenvölker beheimatet das naturnah bewirtschaftete Terrain, in dem nicht mal die Rosen gespritzt werden. "Ich brauche dieses Summen um mich herum", sagt die Imkerin.

Die Grundstücksgrenze schirmen Gehölze, Wild- und Strauchrosen ab. Mit jedem Windhauch, der durch den Garten streift, wird ihr Parfüm ins Innere getragen. "Lange Zeit spielte der Duft keine Rolle in der Rosenzüchtung", berichtet das aktive Mitglied im Verein der Trierer Rosenfreunde.
Für eine Renaissance sorgten erst die Englischen Rosen des Züchters David Austin. Sie verbinden den Charme alter Rosen mit den Vorzügen moderner Rosen. Mit dem intensivsten Duft ruft sich ein Rosenbusch am Scheitelpunkt zwischen Nutzgarten, Irisbändern und Rasenfreifläche ins Gedächtnis. "Ich nenne sie Großmutter-Rose, weil sie noch von meiner Oma stammt und bisher nicht namentlich bestimmt werden konnte", sagt Giehl. Ihr Parfüm konserviert sie in hausgemachtem Rosengelee und Sirup. Eine Rosenfreundin will schließlich auch nach der Saison in Rosen schwelgen.Offene Gärten Anita Giehl ist nicht nur Mitglied bei den Trierer Rosenfreunden, sondern auch im Gartenbauverein Wittlich. Einige Mitglieder öffnen ihre Gärten in der Saison für Gartenliebhaber. Dieses Wochenende gewähren einen Einblick: Samstag, 28. Mai: Familie Ambrosius in Lüxem, Grünewaldstraße 34, 14 bis 18 Uhr; Frau Zens, Ortsstraße 18, Musweiler, 10 bis 17 Uhr. Sonntag, 29. Mai: Familie Böttcher, Schlossstraße 46, Wittlich; Familie Monzel in Altrich, Andreasstraße 51, jeweils 10 bis 17 Uhr. kf Rezept von Anita Giehl: 400 Gramm Blätter der Lieblings-Duftrose sammeln, natürlich ungespritzt. Blütenblätter zupfen und weißen (bitteren) Ansatz am Blütenblattboden mit Nagelschere entfernen, die Hälfte der Blätter mit Wasser bedecken, ganz langsam zum Sieden bringen. Nach kurzem Aufkochen: 20 Minuten ziehen lassen, Blätter ausdrücken, abseihen und restliche 200 Gramm Duftrosenblätter im gleichen Wasser wieder aufkochen, auch diese Blätter ausdrücken und herausnehmen. Den Sud mit einem Liter Dornfelder Rotwein aufgießen, mit Gelierzucker 1:1 nach Anweisung verrühren und mit dem Saft einer Zitrone zu einem Gelee kochen. kf