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Die Zeichen der Zeit lesen

Geschichte : Die Zeichen der Zeit lesen

Spuren der Römer: In der Eifel gibt es noch etwa 140 Inschriften in Latein. Darüber, was sie bedeuten, haben Wissenschaftler ein Buch geschrieben. Es wird am Freitag in Bitburg vorgestellt.

INHDDNVMAVGGFARATOR. Nein, hier ist niemand auf der Tastatur ausgerutscht. Die Buchstaben sind die erste Zeile einer Inschrift, die an einem Bitburger Restaurant prangt. Etwa dort wurde vor Jahren auch das Orginal der römischen Steinplatte gefunden. Für Touristen wurde ein Abguss aufgehängt. Die meisten Besucher der Bierstadt werden aber wohl kaum verstehen können, was dort steht. Denn mit Schullatein kommt man hier nicht weiter.

„Manche von den Buchstaben sind Abkürzungen“, sagt Lothar Monshausen: „Manche aber auch ganze Wörter.“ Das mache die Entzifferung der antiken Texte nicht leichter. Das Vorstandsmitglied des Geschichtlichen Arbeitskreises Bitburger Land (GAK) hat es selbst einmal probiert. Einige Wörter konnte Monshausen übersetzen, aber nicht alles. „Das würde wohl nur ein Wissenschaftler hinbekommen“, denkt sich Monshausen, als er er vor rund drei Jahren ein Projekt „anleiert“. Es geht um Inschriften in lateinischer Sprache aus der Römerzeit.

Bei Patrick Reinard aus Mettendorf rannte er damit offene Türen ein. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Trier ist Experte für „Alte Geschichte“ und die Römerzeit. Zusammen mit seinem Kollegen Sascha Weiler hat sich Reinard also die rätselhafte Inschrift von der Tafel an einem Bitburger Restaurant mal angesehen (siehe Info). Und nicht nur diese: Rund 140 römische Texte aus Bitburg und 50 weiteren Orten in der Südeifel haben die beiden übersetzt, kommentiert und historisch eingeordnet.

Entstanden ist aus dieser Arbeit nun das Buch „Inschriften aus Bitburg und der südlichen Eifel aus der Römerzeit“, das am 22. Februar vom Geschichtlichen Arbeitskreis herausgegeben wird. Das 400 Seiten schwere Werk bietet laut Monshausen „erstmals einen umfassenden Einblick in die Mikrogeschichte des Bitburger Landes und der südlichen Eifel in der römischen Kaiserzeit.“

So lasse sich aus der Aufschrift auf einem Grab ableiten, was für einer Person sie gewidmet war. Ein Denkmal für einen Gott gibt Hinweise auf Riten und Religion. Aber auch die Verwaltung des Gebietes, die Sozialgeschichte, die Wirtschaft und die Infrastruktur der Eifel zu dieser Zeit wurden von den Wissenschaftlern untersucht.

Dabei wird auch die Frage geklärt, was sich eigentlich hinter der Inschrift in der Bitburger Fußgängerzone verbirgt (Siehe Info). Wer die erste Zeile aufmerksam liest, findet dort auch das Wort „Farator“. Das bedeutet womöglich so viel wie Wachturm. Ein solcher ist offenbar 245 vor Christus von einem Jungmännerkollegium gebaut und später in die Kastellmauer des antiken Beda integriert worden.

Wer wissen will, was die Forscher sonst noch herausgefunden haben, kann am Freitag, 22. Februar, im Kreismuseum einen Vortrag besuchen. Sprechen werden Reinart und Weiler, eingeladen hat der Geschichtliche Arbeitskreis. Beginn ist 19 Uhr und der Eintritt ist frei.