Dörfer richten den Blick nach innen

Herforst/Badem · Als Schwerpunktgemeinden können Herforst und Badem bei der Umsetzung von Infrastrukturprojekten mit einer besonderen Unterstützung seitens des Landes rechnen. Beide Dörfer sind in den vergangenen Jahrzehnten durch die Ausweisung neuer Baugebiete gewachsen und sehen sich nun in ihren Ortskernen mit den Folgen dieser Entwicklung konfrontiert.

Herforst/Badem. Als Schwerpunktgemeinde anerkannt zu werden, ist für die betreffenden Dörfer erfreulich - der Grund, weshalb sich diese Orte um die Anerkennung bemüht haben, dagegen weniger: Denn in der Regel bekommen vor allem diejenigen Gemeinden diesen Status verliehen, bei denen das Land Rheinland-Pfalz dringenden Unterstützungsbedarf sieht (siehe Extra).
Badem in der Verbandsgemeinde (VG) Kyllburg ist solch ein Ort. Ein Ort, der seit den 1980er Jahren rasant gewachsen ist. Lebten 1987 noch 830 Menschen im Dorf, so sind es mittlerweile mehr als 1050.
In Herforst (VG Speicher), das genau wie Badem zu den landesweit 21 Dörfern gehört, die in diesem Jahr als Schwerpunktgemeinde eingestuft wurden, war der Zuwachs sogar noch stärker. Dort stieg die Einwohnerzahl im gleichen Zeitraum von 790 auf inzwischen 1180 Einwohner, weshalb sich dort die Schattenseiten dieser Entwicklung auch noch deutlicher abzeichnen als in Badem. Ihr Wachstum verdanken beide Gemeinden nämlich der Ausweisung von Neubaugebieten. Und in dem Maße, in dem sich die Dörfer nach außen erweitert haben, hat im Inneren das Ausbluten eingesetzt: Alte Gebäude verfallen, ehemalige Wirtschaftsgebäude sind ungenutzt, und potenzielle Bauflächen liegen brach.
Vier Geschäfte geschlossen


Begleitet wird das in Herforst zudem von einem spürbaren Verlust an Infrastruktur. "Wir hatten früher vier Geschäfte in Herforst", sagt Ortsbürgermeister Werner Pick, doch mittlerweile seien all diese Läden zu, weil es in keinem der vier Fälle eine Nachfolgeregelung gegeben habe. "Wir haben jetzt kein richtiges Geschäft mehr und auch keine Arztpraxis", erklärt Pick, der froh ist, dass sein Dorf als Schwerpunktgemeinde eingestuft wurde.
Das gilt auch für Badem, wenngleich dort die Infrastruktur mit Supermarkt, Ärzten, einer Apotheke sowie weiteren Betrieben deutlich besser ist als in Herforst - ein Umstand, den Badem nicht zuletzt der Tatsache verdankt, dass durch den Ort eine Bundesstraße führt. Doch wer auf dieser Straße unterwegs ist, stößt auch in Badem auf Anzeichen für innerörtlichen Entwicklungsbedarf.
"Es gibt bereits jetzt mehrere Baulücken", sagt Badems Ortsbürgermeister Reinhard Meyer, und auch einige alte Häuser, die bereits leer stünden, beziehungsweise bei denen in absehbarer Zeit mit einem Leerstand zu rechnen sei. "Wir wollten die Innenentwicklung möglichst früh in Angriff nehmen, damit wir ein Konzept haben, wenn der Tag X kommt", sagt Meyer. Handlungsbedarf sieht in beiden Fällen auch Edgar Kiewel von der Eifelkreisverwaltung. Als Dorferneuerungsbeauftragter des Kreises betreuen Kiewel und seine Mitarbeiter Gemeinden, aber auch Privatpersonen bei Projekten zur Dorfentwicklung wie beispielsweise bei der Sanierung alter Gebäude. Dass etwas getan werden muss, hätten die beiden Ortsgemeinden gut erkannt, sagt er. "Denn wenn der Ortskern zerfällt, verlieren auch die Neubaugebiete an Wert."
Extra

Sowohl in Badem als auch in Herforst gab es in der vergangene Woche Auftaktveranstaltungen zur Moderation, an denen in beiden Orten viele interessierte Bürger teilgenommen haben und bei denen auch erste Arbeitgruppen gegründet wurden, die sich nun mit verschiedenen Schwerpunkten wie Dorfkernentwicklung, Gewerbe oder aber soziales und kulturelles Leben befassen. Als erstes großes Projekt, das bereits seit längerem geplant ist, steht in Badem darüber hinaus der Umbau der Gemeindehalle an. In Herforst ist es das Umfeld der Kirche, das dringend saniert werden muss. uheExtra

Orte, die als Schwerpunktgemeinden eingestuft werden, weisen aus Sicht des Landes größere strukturelle Mängel auf und können deshalb im Rahmen des landesweiten Dorferneuerungsprogramms mit einer bevorzugten Unterstützung von öffentlichen, aber auch privaten Projekten rechnen. Eines der obersten Ziele ist dabei eine möglichst hohe Bürgerbeteiligung. So wird im Rahmen einer sogenannten Dorfmoderation zunächst der jeweilige Ist-Zustand analysiert, um daraus dann ein Konzept für die Zukunft zu entwickeln. Die Kosten dieser Dorfmoderation, die von einem professionellen Team begeleitet wird, werden genau wie die individuelle Beratung mit bis zu 90 Prozent vom Land getragen. Der Status als Schwerpunktgemeinde gilt für sechs Jahre. Inklusive der 21 in diesem Jahr ernannten Orte gibt es derzeit landesweit insgesamt 137 solcher Gemeinden. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm wurden in den vergangenen Jahren des Weiteren die Orte Dudeldorf (2011), Weinsheim (2010), Gransdorf (2009) Idesheim und Idenheim (2008) sowie Sinspelt (2007) als Schwerpunktgemeinden eingestuft. uhe