1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Donnerhall am Donnerstag: Düsenflieger sorgen für Überschallknalls

Kostenpflichtiger Inhalt: Fluglärm : Düsenflieger und Überschall-Übungen sorgen für Unmut

Nächtliche Flüge, Überschallknalls, schleifendrehende Jets – während zivile Flieger am Boden bleiben, rumoren Düsenjäger weiter.

Den ersten Knall hört die Herforsterin gegen 9.40 Uhr: „Ich habe gedacht, irgendwo ist was in die Luft geflogen.“ Ein paar Minuten später: der nächste. Der Donner sei so laut gewesen, dass Fensterscheiben zittern. Es habe sich angefühlt, sagt die Frau, die lieber anonym bleiben will, „als hätte das ganze Haus gewackelt.“

Dreimal kracht es an jenem Donnerstag, 7. Mai, in Herforst. Und nicht nur dort, wie die Eifelerin berichtet. Bekannte aus der Nähe von Wittlich und aus der Moselregion berichten ähnliches. „Die Kinder einer Freundin waren allein zuhause“, erzählt sie: „Die sind in Panik ausgebrochen, weil sie dachten, es wäre irgendwo was schlimmes passiert.“

Doch woher kam es denn nun, das Geräusch? Er rührte, das ergaben unsere Recherchen, wohl von Überschallflügen her. Dazu muss man wissen, dass Jets, die schneller als der Schall unterwegs sind, diesen sozusagen in einer Stoßwelle vor sich herschieben. Er wird zusammengepresst, verdichtet sich und türmt sich auf. Wenn der Düsenjäer diese Schallmauer durchbricht, kommt es zum Knall.

Den der Pilot übrigens nicht hört, weil er mit seiner Maschine dann meist schon über alle Berge ist. Die Menschen, über deren Köpfen er dahindüst, allerdings umso lauter: Ein Überschallknall verursacht einen Krach von 120 Dezibel. Das entspricht etwa der Lautstärke eines Rockkonzertes und kann Ohrenschmerzen auslösen.

Genauso beschreibt die Eifelerin, was sie und viele andere an diesem Tag gehört haben. Aber woher kamen die Jets, die offenbar über Eifel und Mosel die Schallmauer durchbrachen?

Zunächst liegt natürlich der Verdacht nahe, dass F-16-Jets von der AIr Base Spangdahlem dafür verantwortlich waren. Liegt der US-Stützpunkt doch kaum drei Kilometer von Herforst entfernt. Und sorgt in der Gegend für eine alles andere als gemütliche Klangkulisse. Auch das Coronavirus hat den Trainingsflügen kein Ende gesetzt. Man fliege aber seltener als zuvor, heißt es von der Pressestelle der Basis.

Auch bei der Deutschen Flugsicherung geht man von einem leichten Rückgang des militärischen Luftverkehrs aus, der zivile habe sich in der Republik sogar um 85 bis 90 Prozent reduziert. Auch die Bundeswehr meldet: Man versuche zwar auch in diesen Zeiten die Einsatzbereitschaft hochzuhalten, „momentan trainieren die Luftfahrzeugführer aber etwas weniger als vor der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen.“

Dennoch beobachten Bürger aus der Region in den vergangenen Wochen vielerorts auffällige Flugmanöver. Nahe Klausen im Wittlicher Land etwa berichten Spaziergänger von zwei Jets, die mehrere Minuten lang Kreise gedreht haben sollen. An der Mosel wiederum seien militärische Maschinen in Achten geflogen. Und der Binsfelder Umweltaktivist Günther Schneider berichtet von einer Zunahme abendlicher und nächtlicher Starts und Landungen in Spangdahlem.

Doch nicht nur die F-16 aus der Eifel rumoren derzeit am ansonsten freien Himmel. Auch andere militärische Einrichtungen trainieren  über Eifel, Mosel und Hunsrück. Da wären etwa die Fliegerhorste Büchel in der Vulkaneifel und die Luftlandebrigade Saarlouis.

Und auch der Bundeswehr-Flugplatz Nörvenich in Nordrhein-Westfalen nutzt den Luftraum TRA Lauter regelmäßig. 30 bis 40 Prozent der Übungen würden hierzulande geflogen, teilt ein Pressesprecher des dort stationierten Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 „Boelcke“ mit.

So auch am 7. Mai., gegen 9.40 Uhr und 14.36 Uhr. Trainiert wurden laut dem Oberfähnrich das „Abfangen und Identifizieren von überschallschnellen Luftfahrzeugen.“ Mehrfach hätten vier Eurofighter-Piloten aus Nörvenich mit ihren Maschinen die Schallmauer mit mehr als 1500 Stundenkilometern über Rheinland-Pfalz durchbrochen. Das also war der Grund für die Knalls. Und somit wäre dieses Rätsel auch gelöst.

Was das Schleifendrehen in der Luft betrifft, ist der Erkenntnisgewinn leider gering geblieben. Auf Anfrage teilt die Deutsche Flugsicherung mit: „Es gibt unterschiedliche Szenarien von militärischen Übungs- und Trainingsflügen.“ Welches konkrete Geschehen in den letzten Tagen zu beobachten war, wisse nur das Luftfahrtbundesamt der Bundeswehr.

Ringe, Achten, Zick-Zack: Immer wieder haben Bürger in den vergangenen Wochen Flugzeuge beobachtet, die mit ihren Kondensstreifen Muster in den Himmel schreiben, wie hier zwischen Krames und Esch im Wittlicher Land. Foto: TV/Christian Altmayer

Dort erklärt eine Sprecherin: „Insbesondere durch die Wetterbedingungen der vergangenen Tage kann es sein, dass die Flugzeuge bei Ihren Übungen gut sichtbare Kondensstreifen hinterlassen haben. Da zahlreiche militärische Routineübungen mit dynamischen Flugrouten einhergehen, ist es sehr gut möglich, dass Bürger vom Boden aus die Kondensstreifen als Muster wahrgenommen haben.“