Doppelgewinn: 3,5 Millionen Euro für neue OP-Säle im Prümer Krankenhaus

Doppelgewinn: 3,5 Millionen Euro für neue OP-Säle im Prümer Krankenhaus

Das Land gibt dem Prümer Krankenhaus 3,5 Millionen Euro für neue OP-Säle. Auch die Zusammenarbeit mit St. Vith kriegt Schwung.

Prüm/St. Vith Das sind doch gesunde Zahlen: 3,5 Millionen Euro Förderung lässt die Landesregierung in Mainz für das Prümer St.-Joseph-Krankenhaus springen. "Für die gesundheitliche Versorgung in unserer Region ist dies eine sehr gute Nachricht", sagt der Eifeler Landtagsabgeordnete Nico Steinbach. Der Sozialdemokrat war vorvergangene Woche im Prümer Krankenhaus zu Besuch - zusammen mit dem Parlamentspräsidenten der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) Belgiens, Alexander Miesen. Denn die beiden setzen sich ein für eine noch stärkere Kooperation der Hospitäler in der Abteistadt und in St. Vith.

Zuerst aber zum Geld aus Mainz - und was damit geschehen soll: Denn im Haus auf dem Prümer Kalvarienberg sind die drei Operationssäle in die Jahre gekommen. "Was nicht heißen soll, dass wir heute in schlechten OPs arbeiten", sagt der kaufmännische Direktor Uwe Szymanski. Vor allem das medizinische Gerät sei auf dem aktuellen Stand der Technik. Aber das Drumherum müsse erneuert werden. Szymanski zählt auf: "Die ganze Technik-Infrastruktur, Lüftung, Wasserleitungen und die Elektroinstallation, diese ganzen Faktoren spielen da mit rein."
Es gehe vorrangig um die bauliche Situation, außerdem sollten mit der Erneuerung die Abläufe vor, bei und nach den Operationen verbessert werden.

Die Umsetzung - der Termin für den Beginn steht noch nicht fest - werde Schritt für Schritt erfolgen: Es werde immer ein OP stillgelegt, umgebaut, "und dann kommt der nächste dran", sagt Szymanski.
Die St.-Joseph-Krankenhaus GmbH ist mit fünf bis zehn Prozent Eigenleistung am Vorhaben beteiligt - wird also zwischen 175 000 und 350 000 Euro investieren. Voraussichtliche Bauzeit: eineinhalb bis zwei Jahre.
Aber es tut sich eben noch mehr rund um das Prümer "Sankt Juppes", wie die Eifeler das Haus gern nennen: Vorigen Oktober berichtete der TV darüber, dass die Prümer ihre Geburtenstation schließen mussten - dass man sein Kind aber genauso gut im belgischen Partnerkrankenhaus St. Vith zur Welt bringen könne. In diesem Zusammenhang sagten die Verantwortlichen in beiden Häusern, dass sie eine noch stärkere Kooperation als bisher planen.

Stichwort: "ZOAST" - das Kürzel steht für "Zones Organisées d'Accès aux Soins Transfrontaliers" - auf Deutsch: "Zone mit grenzüberschreitendem Zugang zu Gesundheitsleistungen." Sie soll die Versorgung der Patienten auf deutscher und belgischer Seite verbessern - und dabei bürokratische Hürden zwischen den beiden Gesundheitssystemen verkleinern (siehe Info). Dazu haben Alexander Miesen und Nico Steinbach in der vorvergangenen Woche beide Häuser besucht, um sich einen näheren Eindruck von den Fachabteilungen zu verschaffen und die Planung für die erweiterte Zusammenarbeit auf die Beine zu stellen.
Steinbach: "Geplant ist das schon bestehende Abkommen für die Teleradiologie nun auf die anderen Abteilungen auszuweiten, um beispielsweise die fehlende Geburtshilfestation in Prüm durch das Krankenhaus in St. Vith auszugleichen."

Zwei Häuser, volles Programm - das ist ungefähr das Motto. Kinder kriegen bei den Belgiern und im Alter die entsprechenden geriatrischen Angebote der Eifeler nutzen - das sind zwei der Eckpunkte.
Steinbach und Szymanski verweisen auch darauf, dass das Prümer Krankenhaus durchaus gern (sofern man in diesem Zusammenhang von "gern" sprechen kann) von Menschen aus Ostbelgien aufgesucht werde. Warum? Weil nicht alle DG-Angehörigen Französisch sprächen. Da biete das Haus in Prüm ihnen durchaus das Gefühl, dort eher daheim zu sein.

Aber kommt die grenzüberschreitende Gesundheitszone denn nun bald? Noch ist deswegen viel abzustimmen, vor allem mit den Kostenträgern, also den Krankenversicherungen. Die Landesregierung hat sich als Moderator eingeschaltet - der jüngste Termin zum Thema war am Donnerstag.
Ergebnis: "Es war ein sehr konstruktives Gespräch", sagt Uwe Szymanski. Man arbeite weiter am gemeinsamen Ziel, allerdings müssten noch einige Aufgaben gelöst und Fragen beantwortet werden. Zum Beispiel zu den Abrechnungsmodalitäten - diese "müssen noch beidseits der Grenze abgestimmt werden". Aber es sei jetzt wirklich Bewegung drin: Aus dem Gespräch, sagt Uwe Szymanski, "bin ich sehr positiv rausgegangen." Auch schon wieder ein halbes Jahr her, dass wir über die Pläne für eine verstärkte Kooperation zwischen Prüm und St. Vith geschrieben haben. Vor allem die Versicherungen erwiesen sich als Bremser. Dabei dürfte der kleine medizinische Grenzverkehr vieles erleichtern - und Geld sparen. Also: nur zu! Das Land spendiert derweil den Prümern satte 3,5 Millionen Euro. Diagnose: Doppelter Gewinn für die Patienten.
f.linden@volksfreund.deKommentarExtra: DIE NÄCHSTEN SCHRITTE


Um die "ZOAST" in die Gänge zu bekommen, wollen Politiker und Mediziner, so die Absicht, im Herbst mit den Gesundheitsministern der beiden Länder auch öffentliche Veranstaltungen ausrichten, bei denen die Bürger ausführlich über die Möglichkeiten einer Behandlung jenseits der Grenze informiert werden sollen. Der Interregionale Parlamentarier-Rat (IPR) der Großregion engagiert sich ebenfalls im Thema. Denn trotz eines schon bestehenden rechtlichen Rahmens auf europäischer Ebene, sagt Nico Steinbach, "scheitert die Kooperation oftmals an innerstaatlichen Vorschriften, an komplizierten Verwaltungsprozessen oder am Mangel an Sensibilität für die Situation der Grenzregion. Dies soll sich nun ändern."

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