Justiz: Drei Jahre und drei Monate für sexuellen Missbrauch

Justiz : Drei Jahre und drei Monate für sexuellen Missbrauch

Das Gericht  verurteilt einen 43-jährigen Eifeler zu einer Freiheitsstrafe von 39 Monaten und rät dem Verurteilten zu einer Sexualtherapie.

Das Geständnis des 43-jährigen Angeklagten hat dem Opfer die persönliche Aussage vor Gericht erspart, das Verfahren verkürzt und das Strafmaß maßgeblich beeinflusst. Die Zweite Große Strafkammer des Landgerichts Trier hat eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verhängt. Dem 43-Jährigen war vorgeworfen worden, den 13-jährigen Sohn seiner damaligen Lebensgefährtin von Mitte 2014 bis Mitte 2016 sexuell missbraucht zu haben (der TV berichtete).

Am zweiten Verhandlungstag wird nun die Mutter des Jungen als Zeugin gehört. „Wie geht es Ihrem Sohn?“, fragt der Vorsitzende Richter, Günther Köhler, die 47-Jährige .„Er wirkt befreit, er redet aber nicht gern darüber, man weiß es nicht“, sagt sie. Ob er eine psychologische Behandlung wolle, fragt der Richter. Auch das sei nicht klar. Ganz sicher hingegen ist sich die Mutter, dass ihr Sohn die persönliche Entschuldigung des Angeklagten nicht annehmen will. Der Angeklagte hatte beim Prozessauftakt gesagt, dass er sich persönlich entschuldigen wolle. „Das will mein Sohn nicht. Er möchte damit abschließen und ihm nicht gegenüberstehen“, betont die Mutter. Staatsanwalt Stephane Parent erklärt, der  Angeklagte habe sich des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen (Paragraph 174 des Strafgesetzbuches, StGB) und des sexuellen Missbrauchs von Kinder unter 14 Jahren (Paragraph 176 StGB) strafbar gemacht. Er habe für den Jungen die Vaterrolle übernommen, und der Junge habe den Missbrauch in der Videovernehmung sachlich und plausibel geschildert, daran gebe es keine Zweifel.

Dem 43-Jährigen käme zugute, dass er gestanden habe und nicht vorbestraft sei. Deshalb plädiert der Staatsanwalt für eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Das Strafmaß akzeptiert auch die Vertreterin der Nebenklage, Ruth Streit-Stifano. Sie gibt aber zu bedenken, dass der Junge zwar bei der Vernehmung einen gefestigten Eindruck gemacht habe, man aber nicht wisse, wie lange er an der „Sache“ arbeiten müsse. „Sexueller Missbrauch ist schwer zu verteidigen; er rührt an das Intimste, ist von besonderer Brisanz und beeinflusst die Entwicklung eines jungen Menschen“, räumt Verteidiger Andreas Ammer ein. Der Junge habe bei der Videovernehmung ein gesundes Selbstbewusstsein gezeigt; er könne damit leben, glaubt der Verteidiger. Dennoch hätte sein Mandant sich als Stiefvater um das gesunde Aufwachsen des Jungen kümmern müssen. Ihm komme aber zugute, dass er von seinem Opfer abgelassen habe, als dieses sich getraut habe, sich zu wehren. Sein Mandant sei nicht vorbestraft, und der Besitz von Kinderpornographie spiele in dem Fall keine Rolle. Ammer sieht das Strafmaß an der unteren Grenze als gerechtfertigt an. Sein Mandant schließt sich – auf Nachfrage des Richters – der Auffassung seines Verteidigers an und sagt – quasi als vorgezogenes Schlusswort: „War verkehrt“.

Richter Köhler fasst vor der Urteilsverkündung zusammen, was für und was gegen den Angeklagten spricht. Als strafmildernd gilt die relativ kurze Dauer des Missbrauchs und dass es nicht zum Eindringen in den Körper des Opfers gekommen sei. Der Richter sieht zudem „keine feststellbaren Opferfolgen“, wie er es formuliert. Der 43-Jährige sei bisher unbestraft. Und er werde es in der Haft sehr schwer haben, da Sexualstraftäter in der Hierarchie unter Gefangenen auf unterster Stufe stünden. Als strafverschärfend gelten die Vielzahl der Taten, die immense Zeitspanne und dass er die Rolle als Stiefvater ausgenutzt und auch das Vertrauen der Lebensgefährtin missbraucht habe.

Somit sei die Strafe von drei Jahren und drei Monaten angemessen. Der Richter legt dem 43-Jähirgen nahe, in der Haft eine Sozialtherapie zu machen. Dafür, dass er sich zu Frauen und Männer hingezogen fühle, brauche er sich nicht zu schämen. Er müsse klären, wie es zu den Straftaten gegenüber dem  Jugendlichen kommen konnte. „Sie haben es selbst in der Hand, wie sie sich in der Haft führen“, sagt der Richter. Die Untersuchungshaft werde angerechnet. Wenn er innerhalb einer Woche keine Rechtsmittel einlegt, ist das Urteil rechtskräftig. Verteidiger Ammer schätzt, dass sein Mandant im März 2021 wieder entlassen wird.

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