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Drei Kilogramm Neuerburger Stadtgeschichte

Geschichte : Drei Kilogramm Neuerburger Stadtgeschichte

Martin Brunker hat auf über 600 Seiten die Historie des Ortes zusammengefasst. Auch düstere Kapitel wie die Hexenprozesse sind Teil des Werks.

Martin Brunker ist in Neuerburg kein Unbekannter. Mit seinem Fotoapparat ist er bei vielen Ereignissen des Stadtlebens dabei und hält sie fest. Die Ergebnisse stellt er dann auf die Internetseite der Stadt, deren ehrenamtlicher Webmaster er ist. Der 62-jährige sagt: „Die Bilder machen die Menschen neugierig, dann schauen sie sich die Homepage an.“

Brunker ist fest mit seiner Heimatstadt verbunden. Damit das Wissen, das die geschichtskundigen Neuerburger haben, nicht verloren geht, hat er es sich zum Ziel gesetzt, die Historie aufzuschreiben, und außerdem die bereits vorhandenen Beiträge zusammenzufassen. „Eigentlich wollte ich ein Buch für mich, eins für die Stadt und eins für meine Geschwister drucken lassen, doch dann bin ich mit einigen Menschen über das Buch ins Gespräch gekommen und es wurde ein Selbstläufer.“

Die erste Auflage, die 138 Bücher umfasste, ist bereits ausverkauft, die zweite noch verfügbar. Zwei Jahre lang hat der Autor an seinem Werk gearbeitet. Dabei will er keine Lorbeeren ernten, die ihm nicht zustehen. Er sagt: „Zwei bis vier Kapitel sind von mir. Die anderen sind Veröffentlichungen anderer Autoren, die größtenteils nicht mehr verfügbar sind.“

Dechant Josef Zimmer, der 1902 in Ruhestand gegangen ist, hat sich beispielsweise intensiv mit der Geschichte von Neuerburg befasst. Dabei hat er das Stadt-, das Pfarr- und das Schlossarchiv ausgewertet. Seine Veröffentlichungen hat der Großvater eines Bekannten Martin Brunker zur Verfügung gestellt. Weitere Beiträge stammen aus Festschriften, dem Heimatkalender und anderen Druckmedien. Zum Aufspüren dieser Veröffentlichungen hat Brunker auf das Wissen einiger älterer Neuerburger zurückgegriffen. „Alles Wesentliche ist drin. Ich habe alle Quellen, an die ich kommen konnte, ausgewertet.“

Besonders interessant waren für ihn die Protokolle der Hexenprozesse: „Der Ablauf, die unglaublichen Beschuldigungen, die da zu einer Verurteilung geführt haben, das war schon absurd.“ Über die Burg zu schreiben, hat ihm am meisten Spaß gemacht, denn die sei ihm als Neuerburger wichtig.

Im Buch geht es auch um Herrschaftsdynastien, Ritter, Adlige und angesehene Familien der Stadt. Die Baudenkmäler, Zünfte, Märkte und Bruderschaften haben ebenfalls ihren Platz in dem Werk gefunden. Weil es bereits zu den Sagen von Neuerburg ein Buch gibt, sind in der Neuerburger Chronik nur einige davon vertreten, beispielsweise die Erzählung vom Schwarzbildchen, bei der sich ein Ritter vor Verfolgern in einer Eiche versteckt und sich so rettet. „Peter Ambros hat die im Buch enthaltenen Geschichten in den 50er Jahren in einem köstlichen Stil aufgeschrieben“, sagt Brunken. Sie seien im Heimatkalender und der Landeszeitung veröffentlicht worden. „Da bekommt man noch heute Tränen in die Augen vor Lachen.“ Ein Beispiel gibt der Neuerburger gerne zum Besten: „In einem Text erzählt Ambros, wie aus einem Anzug eines Verwandten ein Kommunionanzug für ein Kind genäht wurde. Damit er auch lange tragbar ist, wurde er sehr großzügig gehalten und der Junge war sehr unglücklich damit. Doch seine Patentante war entzückt und rief nur: „Peter wat baß dou gebotzt!“

Martin Brunker, dessen zweite Leidenschaft das Flipperspielen ist, hat auch schon das nächste Projekt im Auge: Bei der Utscheider Chronik will er einem Freund helfen. Außerdem möchte der Historikbegeisterte die Webseite von Neuerburg weiterhin betreuen.