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Dreimal Housing zum Preis einer Studie

Stadtentwicklung : Dreimal Housing zum Preis einer Studie

Mehr als ein Jahr ist vergangen, seit die US-Luftwaffe die Housing an den Bund zurückgegeben hat. Jetzt haben Experten drei Szenarien für eine Zukunft des Geländes geliefert.

Für viele Eifeler mag Bitburg „der Nabel der Welt“ sein. Für Detlef Lilier ist die Stadt davon weit entfernt, sagt er. Viel Gewerbe werde sich nicht mehr ansiedeln, glaubt der Planer des Fachbüros Firu. Mit großen Zuzügen rechnet er bis 2030 auch nicht: „Großstädte wie Trier, Luxemburg und Köln ziehen junge Leute wie ein Staubsauger aus der Region.“ Die Bevölkerung, die zurückbleibe, überaltere zunehmend.

Es sind also keine rosigen Zukunftsaussichten, die er da präsentiert und auch mit Zahlen belegt. Sie ließen sich allerdings beinahe auf jeden ländlichen Raum in Deutschland übertragen.

Nun hat Bitburg aber etwas, was viele andere Kleinstädte nicht haben: ein Konversionsgelände, das sieben mal so groß ist wie die Innenstadt. Und in dem, glaubt man Lilier, ein gewaltiges Potential schlummert.

Im November des vergangenen Jahres haben die US-Streitkräfte die Housing an den Bund zurückgegeben. Hätte die Stadt ein Nutzungskonzept für das mehr als 60 Hektar messende Areal, könnte sie es von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) kaufen und vermarkten. Solange aber nicht klar ist, wofür die ehemalige Siedlung genutzt werden könnte, ist auch nicht klar, was sie kostet. Und da kommt Lilier ins Spiel. Sein Team erhielt im April den Auftrag, eine Machbarkeitsstudie zu erarbeiten. Dafür haben Bund, Land und Stadt zusammen rund 115 000 Euro ausgegeben.

Nun liegt das Ergebnis vor. Mitgewirkt haben daran nicht nur die Planer von Firu und zwei weiteren Büros, sondern auch Unternehmer, Politiker und Verwaltungsmitarbeiter aus Bitburg und dem Umland.  Die Studie enthält drei Szenarien für die Zukunft der Housing. Sie reichen von einem konservativen Konzept bis zu einer „Vision“, wie es Lilier ausdrückt:

Das hippe Wohnviertel: Ein bisschen Wohnen, ein bisschen Gewerbe, ein bisschen Freizeit – so ließe sich die Version der Housing zusammenfassen, die der Firu-Ingenieur zuerst präsentiert. Wer in die Housing zieht, soll „ein großstädtisches Flair im Grünen“ erleben. Und das wahlweise in einer WG, im betreuten Wohnen, in einem Ein- oder Mehrfamilienhaus. Auch günstiger Wohnraum solle geschaffen werden, denn der fehle in der Stadt, sagt Lilier. Attraktiv sollen die Housing die vorhanden Sport- und Freizeitanlagen machen. Aber auch die ein oder andere Firma könnte sich ansiedeln, gerne auch aus der Unterhaltungsbranche: Die Planer denken da etwa an Minigolf im Dunkeln. Das aufregendste an diesem Konzept wäre ein Kleinbusservice für die Bewohner, der diese bequem nach Trier oder Luxemburg bringen würde.

Der Gesundheitscampus: Ambitionierter kommt der zweite Entwurf daher. In dieser Variante wären auf dem Gelände laut Firu 550 Wohneinheiten möglich. Einziehen könnten dort auch Azubis aus der Pflegebranche, die von einem Ausbildungs- und Berufsinformationszentrum auf dem Arreal angezogen werden sollen.  Ältere Menschen sollen hier ein Dienstleistungszentrum vorfinden. Ärzte und Therapeuten könnten sich hier niederlassen. Die Chance: Dem Pflegenotstand und dem demografischen Wandel entgegentreten.

Der Ökopark:  Und jetzt wären wir bei der Vision. Am liebsten hätte es das Fachbüro aber auch die Verwaltung nämlich, wenn auf dem Gelände ein „Green-Tech-Cluster“ entstehen könnte. Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich die Idee, auf dem Housing-Arreal Firmen anzusiedeln, die Öko-Technologien entwickeln und nutzen. Egal ob es dabei um Produzenten von Bio-Lebensmitteln oder Entwickler von Elektroautos, um Windradprojektierer oder Roboterprogrammierer geht. Alles kann, nichts muss: Hauptsache grün. In diesem Ökopark der Eifel soll man aber nicht nur arbeiten, sondern auch wohnen und seine Freizeit verbringen können.  „Das wäre ein Projekt mit Strahlkraft über die Region hinaus“, meint Lilier: „Eine Möglichkeit, nicht nur auf Trends zu reagieren, sondern die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.“

Ob der Stadtrat das genauso sieht, wird am Freitag in der Zeitung zu lesen sein. Am Donnerstagabend muss sich das Gremium für eines der drei Szenarien entscheiden.