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DRK entwickelt neue Ideen für die medizinische Versorgung auf dem Land

Gesundheit : Ärztemangel in der Eifel – eine Studie soll Weichen stellen

Der zunehmende Ärztemangel im ländlichen Raum  macht vielen Menschen Sorge. Um Lösungen zu finden, arbeitet das DRK im Eifelkreis jetzt an einer Machbarkeitsstudie.

Über die medizinische Versorgung im ländlichen Raum wird viel diskutiert. Die Anzahl der Ärzte nimmt ab, Krankenhäuser schließen, oft dauert es lange, bis auf der großen Fläche Hilfe vor Ort ist. Um das zu verbessern, hat das Rote Kreuz im Kreis Bitburg-Prüm zum 1. Oktober ein Projekt gestartet, bei dem geprüft werden soll, wie die medizinische Versorgung auch weiterhin gewährleistet sein kann.

„Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die Menschen versorgt sind“, sagt Kreisgeschäftsführer Rainer Hoffmann. Das DRK sei ja ohnehin ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitswesens mit Rettungsdienst, Sozialstationen und anderen Pflegeeinrichtungen. Mit der Machbarkeitsstudie soll herausgefunden werden, was man besser machen kann. „Dafür brauchen wir einen Kümmerer und neue Ideen“, sagt Hoffmann.

Den Kümmerer hat das DRK mit Alexander Kewes gefunden. Er kennt sich aus im Rettungsdienst und hat auch lange in der Leitstelle gearbeitet. Er weiß, welche Anliegen die Menschen haben, die dort anrufen.

Seine Aufgabe ist es, zunächst eine Bestandsaufnahme zu machen. Wie viel Ärzte gibt es, wie viele werden in den kommenden Jahren ihre Praxis aufgeben? Welche anderen Akteure gibt es im Gesundheitswesen wie Rettungsdienste oder Gemeindeschwester plus? Hilfreich sei dabei die Kreisverwaltung, die das DRK mit einigen Zahlen versorgt.

Im zweiten Schritt will Alexander Kewes schauen, welche Konzepte im Gesundheitswesen schon in Deutschland angewendet werden, um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu gewährleisten.

In einem weiteren Schritt werde dann geprüft, ob eines dieser Konzepte umsetzbar ist. „Ist es finanzierbar, wie sind die rechtlichen Rahmenbedigungen?“, erläutert Hoffmann die Fragen, die sich dann stellen. „Wir möchten, dass die Menschen möglichst lang in ihren Orten leben können“, so Hoffmann weiter.

Derzeit sei man noch bei der Bestandsaufnahme, erläutert Kewes. 71 Prozent der Fachärzte und 45 Prozent der Hausärzte würden laut gegenwärtigem Wissensstand bis zum Jahr 2023 aufhören. Deshalb gelte es jetzt zu prüfen, wie die verschiedenen Akteure des Gesundheitswesens besser vernetzt werden können. „Die Grenzen dürfen nicht so starr sein“, sagt Rainer Hoffmann. Man brauche Bausteine, die vermitteln. Die knapper werdenden Ressourcen sollten bedarfsgerechter eingesetzt werden. So sei es beispielsweise denkbar, dass eine Arzthelferin Hausbesuche macht, um Patienten zu versorgen, wenn die Anwesenheit eines Arztes nicht zwingend erforderlich ist.

Auch bei der zentralen Rettungsnummer halten Hoffmann und Kewes es für möglich, dass es nur noch eine Leitstelle gibt, die alle Anrufe entgegennimmt und dann die richtige Versorgung einleitet. Heute sei es oft so, dass viele Menschen die 112 für den Notdienst rufen, wenn sie eigentlich den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 benötigten, weil sie nicht lebensbedrohlich krank sind. So würde der Rettungsdienst oft Aufgaben übernehmen, die so nicht nötig wären.

In einem der nächsten Schritte ist ein runder Tisch geplant mit Vertretern der Kommunen, der Ärzte, Rettungsdienste und allen, die mit dem Thema medizinische Versorgung zu tun haben.

Was allerdings letztendlich das Ergebnis der Studie ist, sei völlig offen, sagt Hoffmann. Rechtliche Voraussetzungen müssten erfüllt werden und es müsse finanzierbar sein.

Gefördert wird das Projekt zu 70 Prozent mit Leader-Mitteln, die den Zweck haben, den ländlichen Raum zu stärken. Zwischen 120 000 und 130 000 Euro sollen für Personalkosten, Reisekosten und Ähnliches aufgewendet werden. Das DRK übernimmt einen Eigenanteil von rund 35 000 Euro.

Die Projektphase läuft zunächst bis März 2021.