Drogen und Schule: Müssen wir jetzt Angst haben?

„Auf ein Wort“ : Bei Drogenverdacht: „Die Bremse reinhauen, bevor es zu spät ist“

Wenn Drogen im Spiel sind, wird es gefährlich – auch für die Polizei Bitburg. In den vergangenen Monaten hatten die Beamten dreimal mit Menschen zu tun, die im LSD-Wahn gewalttätig wurden.

Der Vorfall in Neuerburg ist keine Ausnahme. Es sei auch nicht das erste Mal, dass Schüler – überwiegend mit Cannabis - aufgefallen seien, sagt Dienststellenleiter Christian Hamm.

Müssen Eltern Angst haben, wenn sie ihre Kinder in die Schule bringen?

Hamm: Nein, absolut nicht. Es ist zwar anzunehmen, dass es an nahezu jeder weiterführenden Schule Jugendliche gibt, die Drogen nehmen. Das  ist aber kein schulisches Problem, es liegt an der Altersgruppe erwachsen werdender Menschen – und die gehen nun einmal zur Schule. Und längst nicht jeder Schüler in der Eifel kommt mit Betäubungsmitteln in Kontakt.

Trotzdem sollten Eltern, Lehrer und Schulleiter wachsam sein. Anzeichen für einen Konsum gibt es bei Konsumenten immer.

Wie merke ich, dass mein Kind Drogen nimmt?

Hamm: Jugendliche, die regelmäßig etwa Marihuana rauchen, werden teilnahmsloser. Man stellt Veränderungen in ihrer Persönlichkeit, aber auch in ihren Verhaltensweisen fest. Manche vernachlässigen die Schule, andere ihre sozialen Kontakte, wieder andere auch ihre Hygiene. Wer solche Auffälligkeiten feststellt, sollte sich Hilfe holen. Das muss nicht, kann aber die Polizei sein. Betroffene, Angehörige und Freunde können auch Sozialarbeiter und andere Beratungsstellen zu Rate ziehen.

Hat sich die Lage verschlimmert? Gibt es heute mehr Schüler, die Drogen nehmen, als früher?

Hamm: Das kann man so nicht sagen. Wir stellen aber fest, dass Drogenkonsum in der Gesellschaft anders wahrgenommen und bewertet wird. Wegen der Diskussionen über eine Legalisierung von Cannabis haben viele Jugendliche kaum noch ein Unrechtsbewusstsein, wenn sie Gras rauchen oder andere Betäubungsmittel, wie Amphetamine, nehmen. Das ist heute in manchen Kreisen so verbreitet wie das Trinken von Alkohol. Und wer in diesen Kreisen verkehrt, kommt auch leichter an Drogen.

Welche Drogen sind unter Schülern verbreitet?

Hamm: Die Nummer eins ist seit vielen Jahren unverändert Cannabis, überwiegend in Form von Marihuana oder auch als Haschisch. Dann kommen Amphetamine.

Wir haben aber auch bei jungen Menschen immer wieder mit LSD zu tun. Unter dem Einfluss dieser Droge geraten manche in einen gefährlichen Rausch – gefährlich nicht nur für sie selbst, sondern auch für unsere Beamten. Das ist eine Entwicklung, die uns besorgt.

Wie reagieren die Schulen auf das Problem?

Hamm: Wir haben einen sehr guten und nachhaltigen Kontakt zu allen Schulleitern. Diese gehen sehr offen mit der Thematik um. Früher war das für eine Schule eher ein Makel, wenn ein Streifenwagen vor der Schule stand, besonders weil dort jemand mit Drogen auffiel. Etwaige Vorfälle wurden eher unter der Decke gehalten.

Heute ist klar: Drogenkonsum gibt es nahezu überall. Die Schulen wissen, dass Wegschauen die schlechteste Lösung ist. Seit Jahren machen wir gemeinsame präventive Aktionen. Unsere Jugendsachbearbeiter und Präventionsexperten besuchen die Schulen mehrmals im Jahr, um auf die Gefahren von illegalen Drogen, aber auch von Alkohol aufmerksam zu machen.

Lassen sich die Schüler davon beeindrucken?

Hamm: Wir versuchen gemeinsam, die Schüler zu stärken und dazu zu ermutigen, nein zu sagen. Wer bereits lange konsumiert, vielleicht süchtig ist, lässt sich womöglich nur durch Sanktionen erreichen. Da braucht es dann auch entsprechende Konsequenzen.

Was würden Sie sich von Eltern und Lehrern wünschen?

Hamm: Sensibilität und offene Augen für das Thema und dass sie bei ihren Schützlingen die Bremse reinhauen, bevor es zu spät ist. Wer einen Verdacht hat, sollte ihm nachgehen. Hinschauen und einmischen statt wegsehen.

Es gibt eine Vielzahl von Hilfesystemen, niemand muss sich persönlich überfordern. Und auch hier gilt wie so oft: „Wer nichts tut, macht mit!“

Wie stehen Sie zu einer Legalisierung von Cannabis?

Hamm: Ich persönlich stehe dem kritisch gegenüber. Cannabis ist eine klassische Einstiegsdroge. Hinzu kommt: Wir leben auf dem Land. Viele brauchen ein Auto. Und Drogen und Autofahren – das passt nicht zusammen.
Vielen ist nicht klar, dass sie die folgende Woche nicht fahrtüchtig sind, wenn sie samstags „Joints“ rauchen. Und junge Menschen sollten ohnehin aus medizinischen Gründen schon Abstand vom Drogenkonsum nehmen. Die Folgen können fatal sein. Mediziner weisen darauf hin, dass sich das Gehirn in dieser Lebensphase noch in der Entwicklung befindet und diese nachhaltig negativ sowie in Teilen irreparabel beeinflusst werden kann.

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