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Drogenprozess gegen Speicherer beim Amtsgericht Bitburg: Stück für Stück wird das Puzzle gelöst

Bitburg. Bei dem Drogenprozess gegen einen Speicherer sind erste Unklarheiten beseitigt worden. David Falkner

Der Prozess gegen einen 36-jährigen Mann aus Speicher vor dem Amtsgericht Bitburg ist fortgesetzt worden. Unter anderem werden dem Mann verschiedene Drogendelikte und Beleidigung vorgeworfen. Einige Vergehen hatte der Angeklagte bereits am ersten Prozesstag vor zwei Wochen zugegeben (der TV berichtete).
Außer Frage steht, dass der Speicherer Polizisten beleidigt und im Frühjahr letzten Jahres gemeinsam mit der damals 16-jährigen Tochter von Bekannten Marihuana geraucht hat. Dies gibt der Mann offen zu. Er wehrte sich im Gerichtssaal allerdings gegen die Vorwürfe, dass er mehr als einmal mit der Minderjährigen geraucht habe. Außerdem behauptete er, dass er entgegen der Anklage keine Morphiumtabletten und -pflaster vom Großvater der jungen Frau gestohlen habe, um sie gegen andere Drogen einzutauschen. Stattdessen soll der Großvater von seinem Handel gewusst und davon finanziell profitert haben.

Nun wurden bei einem zweiten Verhandlungstermin der Großvater, seine Tochter und seine Enkelin vom vorsitzenden Richter Udo May in den Zeugenstand gerufen, um die zahlreichen offenen Fragen nach und nach aufzuklären. Allein die Befragung des Großvaters dauerte rund eineinhalb Stunden. Der Mann berichtete von verschiedensten Problemen, die er mit dem Angeklagten gehabt habe und immer noch habe, von Ärger, nicht eingehaltenen Versprechen und gebrochenem Vertrauen - teilweise so ausufernd, dass auch der vorsitzende Richter Udo May sich zu dem Kommentar hinreißen ließ, dass "das jetzt ja schon ein bisschen abenteuerlich" klinge. Dabei war nicht nur der Medikamentenbedarf des Mannes, seine Beziehung zum Angeklagten und der mögliche Diebstahl von Tabletten und Pflastern Thema. Auch die konkreten Abläufe des gemeinsamen Marihuanarauchens mit der minderjährigen Enkelin wurden anhand von Nachrichtenverläufen auf Handys und einer gespeicherten Sprachnachricht im Gerichtssaal so genau wie unter den gegebenen nebulösen Umständen möglich, rekonstruiert - nicht ganz ohne Unklarheiten und inhaltliche Widersprüche.

Die junge Frau selbst ergänzte im Zeugenstand Informationen und Erinnerungen aus ihrer Sicht und zeigte auch ein Foto, das beim zweiten gemeinsamen Rauchen aufgenommen worden sein soll. Und auch ihre Mutter, die Tochter des ersten Zeugen, wurde in den Zeugenstand gerufen, wo sie ihren Teil an Puzzlestücken zur Klärung des Gesamtbildes hinzufügte. Beim nächsten Termin sollen unter anderem der Vater der jungen Frau - der Schwiegersohn des möglicherweise bestohlenen Großvaters - und die Freundin des Angeklagten befragt werden. Diesem wird außer den genannten Taten auch noch vorgeworfen, den Weiterverkauf von Haschisch in der Drogenszene organisiert zu haben. Dieser Vorwurf soll mit der Befragung eines Zeugen bei der nächsten Sitzung thematisiert werden.

Der Berg an offenen Fragen mag kleiner geworden sein, doch immer noch gibt es zahlreiche Unklarheiten. Deshalb wird mit einem oder zwei weiteren Prozesstagen gerechnet. Fortgesetzt wird die Verhandlung am Mittwoch, 22. Februar, um 14 Uhr.