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Dudeldorfer Gefängnis wird zum Bistro

Baukultur : Dudeldorfer Gefängnis wird zum Bistro

Verliebt in alte Steine: In Dudeldorf ist im Ortskern ein liebevoll restauriertes Bistro mit einer spannenden Geschichte. In früheren Zeiten war es das Spritzenhaus der Feuerwehr und ein Gefängnis. Niels Becker hat es renoviert.

Eigentlich wollte Niels Becker das Spritzenhaus in Dudeldorf als Lager nutzen, um dort Dinge unterzustellen. Doch dann wurde der bauliche Zustand immer schlechter und die Gemeinde, der das Haus gehörte, wusste nicht recht, was sie damit machen sollte. Die Fundamente sackten ab, und faustgroße Risse in den Wänden verhießen nichts Gutes.

 Der Eingangsbereich des Bistros, der früher einmal der Feuerwehr gedient hat.
Der Eingangsbereich des Bistros, der früher einmal der Feuerwehr gedient hat. Foto: Christina Bents

Als Niels Becker Kaufinteresse bekundete, war der Gemeinderat erleichtert. Er berichtet: „Die Gemeinde hat mit offenen Karten gespielt und nichts schöngeredet. Das fand ich sehr fair.“

Entschlossen hat er sich zum Kauf, weil es ihm ein wenig leidgetan hätte, wenn es zusammengefallen oder abgerissen worden wäre. Er sagt: „Es hat schließlich eine besondere Geschichte.

 Die Gitterstäbe sollen in abstrakter Form an die Gefängnisgeschichte des Hauses erinnern. Alte Fotos und ein großes Tor geben dem Gebäude einen eigenen Charakter.
Die Gitterstäbe sollen in abstrakter Form an die Gefängnisgeschichte des Hauses erinnern. Alte Fotos und ein großes Tor geben dem Gebäude einen eigenen Charakter. Foto: Christina Bents

Es war eher eine emotionale Entscheidung, als eine rein rechnerische.“ Dennoch denkt Becker an die Finanzen: „Es war für mich schnell klar, dass es anschließend auch Geld einbringen muss, denn hier ein reines Museum einzurichten, kann ich mir nicht leisten.“ So entstand die Idee, ein gastronomisches Angebot zu bieten.

 Die Steine, die hier unverputzt sind, stammen wahrscheinlich vom ersten Schloss in Dudeldorf.
Die Steine, die hier unverputzt sind, stammen wahrscheinlich vom ersten Schloss in Dudeldorf. Foto: Christina Bents
 Auf einem Foto ist die Geschichte des Hauses als Spritzenhaus noch lebendig.
Auf einem Foto ist die Geschichte des Hauses als Spritzenhaus noch lebendig. Foto: Christina Bents

Die Geschichte des Hauses kann man dem Gebäude noch ansehen. Bis in die 50er Jahre hinein hatte die Polizei das Recht, Landstreicher aufzugreifen. Deshalb gab es in Dudeldorf im hinteren Teil des Spritzenhäuschens, in dem die Feuerwehr ihre Gerätschaften untergestellt hatte, zwei Gefängniszellen. In Anlehnung an diese hat Niels Becker im Treppenaufgangsbereich dezente, schmale Gitterstäbe angebracht. Großformatige Bilder aus vergangenen Zeiten schmücken die Wände des Gastraums. Ein altes Türgewände hat hier ebenfalls wieder einen Platz gefunden.

Mit einer Glastür markiert Becker den Startpunkt zu einem unterirdischen Gang, bei dem man bis heute nicht weiß, wohin er geführt hat. „Die ursprüngliche Tür muss schon einiges mitgemacht haben, denn es ist am Gewände ein Dreibolzenschloss zu erkennen, das darauf schließen lässt, dass man sich schützen wollte  – vor wem auch immer.“ Eine Wand zum Nachbarhaus hin ist zum Teil unverputzt und man kann die Steine sehr gut erkennen. Sie sind etwas ganz Besonderes. Mitarbeiter des Denkmalschutzes vermuten, dass es sich dabei um Steine des ersten Dudeldorfer Schlosses handelt. Außen gibt es ebenfalls bauliche Zeitzeugnisse.

Ein kleines Türmchen auf dem Gebäude weist auf die Feuerwehrgeschichte hin, denn darin wurden früher die Schläuche getrocknet. In Sandstein ist über dem Eingangstor das Symbol der Feuerwehr angebracht, mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs. „Im Haus habe ich noch drei alte Feuerwehrhelme und ein Foto, das zeigt, wie das Gebäude früher genutzt wurde, angebracht. Ansonsten war mir wichtig, dass das Haus trotz seines Alters – es stammt aus 1905 – modern, hell und einladend wirkt und nicht wie ein Museum“, so Niels Becker.

Bevor es so weit war, musste das Haus erst einmal stabilisiert werden. Eine Spezialfirma aus dem Ruhrgebiet, die sich mit Bergschäden auskennt, kam und hat eine festigende Masse in die Wände gespritzt. „Das war fantastisch. Man hat dabei zusehen können, wie die Wände, die nach unten abgesackt waren, sich wiederaufrichteten und die Risse sich schlossen“, berichtet Becker begeistert.

Ein Glücksfall war für ihn, dass er eine Pächterin gefunden hat, die viele Jahre Gastronomieerfahrung hat, und etwas Neues gesucht hat. „Ihre Ideen sind hier mit eingeflossen. Das Bistro mit sechs Tischen, könnte sich aber auf Dauer nicht alleine rechnen, deshalb haben wir einen Außerhausverkauf und im Sommer können wir den Vorplatz der Burg als Biergarten nutzen“, berichtet der Mann, der neben dem alten Spritzenhäuschen noch drei weitere Altbauten im Ort gekauft und renoviert hat.

Dabei ist er sich auch nicht zu schade, selbst Hand anzulegen. „Für mich ist das ein Ausgleich, dabei kann ich abschalten“, sagt Becker, der einen Teil des Jahres in Spanien in einem Neubau lebt.