Durchs Netz gefallen: Wie digital ist der Eifelkreis?

Kostenpflichtiger Inhalt: Breitband, Mobilfunk, Modellprojekte – Wo’s läuft und wo’s hakt : Durchs Netz gefallen: Wie digital ist der Eifelkreis?

Anders als beim Breitband geht es beim Mobilfunk im Eifelkreis nicht voran. Modellprojekte zu Smart Cities und 5G-Verbindungen wurde ebenfalls nicht realisiert. Wird die Gegend bei der Digitalisierung abgehängt?

Die Eifel gilt als digitales Niemandsland. Und bis vor wenigen Jahren war dieses Bild gar nicht so falsch. 2012 war der Eifelkreis noch einer der  drei am schlechtesten versorgten Landkreise in Westdeutschland. Seitdem hat sich aber viel getan. Der Kreis hat vor einigen Jahren eine Breitbandinitiative gestartet. Und auch Bund und Land vergruben Fördergeld in neuen Kabeltrassen. Rund 50 Millionen wurden in den Netzausbau investiert. „Ich kenne keinen Kreis in Rheinland-Pfalz, der so viel Energie in die Digitalisierung gesteckt hat, wie wir“, sagt Helmut Berscheid, Leiter der Abteilung Kreisentwicklung. Dennoch ist das Mobilfunknetz nach wie vor löchrig wie ein Schweizer Käse, Bewerbungen für Modellprojekte liefen ins Leere. Wird der Kreis digital abgehängt?

Breitband: Bagger graben sich in den Boden, türmen Erdhügel auf. Die Baumaschinen schaffen Platz für Glasfasertrassen. Bis Mitte 2020 soll jeder Haushalt im Kreis ans Breitbandnetz angeschlossen sein. „Und wir liegen im Zeitplan“, sagt Berscheid. Bis Herbst werden laut Verwaltung etwas mehr als die Hälfte aller Ortschaften ohne lange Ladezeiten Filme schauen und surfen können. Der dritte von sechs Bauabschnitten soll im September in Betrieb gehen. Die Bürger rund um Mettendorf, Neuerburg (VG Südeifel), Pronsfeld (VG Prüm) und Leidenborn (VG Arzfeld) sind dann angeschlossen. Danach sind die Dörfer nahe Bickendorf, Burbach und Badem (Bitburger Land) sowie die Gegend rund um Bleialf (VG Prüm) an der Reihe.

Am längsten müssen sich die Gemeinden an der luxemburgischen Grenze und die Arzfelder gedulden. Beide Teilbereiche liegen im sechsten und letzten Bauabschnitt, der Mitte 2020 vermarktet werden soll.

Insgesamt fasst Berscheid zusammen: „Wir sind auf einem guten Weg gleichwertige Verhältnisse zur Stadt zu schaffen.“ Das sei  immens wichtig für die Entwicklung des Kreises: „Wo kein Breitband ist, ist bald gar nichts mehr.“ Außerdem werden auch für den Mobilfunkausbau Glasfaserkabel gebraucht.

Mobilfunk: Das Telekommunikationsnetz ist im Eifelkreis derzeit die größere Baustelle. Denn das ist „äußerst lückenhaft“, wie Berscheid zugibt. Wer versucht, auf der B51, der A60 oder der B257 zu telefonieren, kann davon ein Lied singen – auch wenn die Chance nicht überall hoch ist, dass das Lied am anderen Ende der Leitung gehört wird. Denn zwischen Wäldern und Feldern ist oft kein Empfang.

Wie viele Funklöcher es im Eifelkreis gibt und wo sie liegen, ist laut Berscheid nicht bekannt. Und daher auch nicht, wie der Landstrich rund um Bitburg und Prüm im Vergleich zu anderen Regionen abschneidet. „Mit dem Mobilfunk“, ist sich Berscheid sicher: „Gibt es in allen ländlichen Gegenden von Rheinland-Pfalz Probleme.“

Der Bund plant daher, Abhilfe zu schaffen: Die drei in Deutschland tätigen Telekommunikationsunternehmen Telekom, Vodafone und O2 sollen bewegt werden, Auskunft über ihre Netze zu geben. So soll bis zum nächsten Jahr ein Atlas der Funklöcher entstehen. „Dann haben wir einen Überblick, wo es Handlungsbedarf gibt“, sagt Berscheid.

Doch selbst wenn es eine solche Karte bereits gäbe, könnte der Kreis nicht auf eigene Faust tätig werden wie beim Breitband. Denn derzeit gibt es kein Förderprogramm für den Mobilfunkausbau. Diesen Rahmen müsse der Bund schaffen, damit Kommunen an öffentliche Gelder kommen. Ohne, das ist sicher, kommt der verschuldete Kreis nicht weiter.

 Die Regierung aber scheint das Thema nun auf der Agenda zu haben. Die hatte immerhin die Absicht erklärt, das Mobilfunknetz bis 2025 flächendeckend auszubauen. Zusagen für Fördergeld gebe es bislang aber keine, sagt Berscheid: „Wir können den Bund nur in seinen Bemühungen unterstützen. Ansonsten müssen wir abwarten, was kommt.“ Das heiße aber nicht, dass man sich beim Kreis keine Gedanken mehr über Digitalisierung machen würde.

Modellprojekte: Die Anwendungsformen moderner Technologien sind vielfältig. Ärzte könnten Patienten künftig über Bildschirme behandeln. Landwirte ihre Felder mit ferngesteuerten Drohnen abfliegen. Autos ihre Besitzer selbstständig fahren. Bund und Land investieren derzeit viel Geld in sogenannte „smarte“ Ideen, indem sie eine Reihe digitaler Modellprojekte mitfinanzieren. An einige dieser Fördertöpfe wollte auch der Eifelkreis ran. Erfolg hatte die Kommune bislang aber nicht.

So unterstützt der Bund deutschlandweit fünf Modellregionen für den Telekommunikationsstandard 5G. Geld sollte es für innovative Projekte geben, die durch die Verbindung der neuen Generation möglich gemacht werden. Doch obwohl der Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder (CDU) den Eifelkreis bei Verkehrsminister Andreas Scheuer vorgeschlagen hat, wurde daraus nichts. Den Zuschlag erhielt die Region Kaiserslautern.

Es ist nicht das einzige Mal. So wurde der Eifelkreis auch nicht zu einer der deutschlandweit 13 Smart Cities. 17 Millionen Euro hätte es vom Bund für die Umsetzung einer Digitalstrategie gegeben. Einige Ideen aus der Bewerbung des Kreises: Der Aufbau eines Technologie-Campus, die Nutzung von Telemedizin gegen den Landarztmangel und die Gestaltung eines Mobilitätsportals.

Doch es sollte nicht sein. Die einzige rheinland-pfälzische Kommune, die sich unter den 100 Bewerbern durchsetzen konnte, war erneut Kaiserslautern. Berscheid kann das verstehen: „Die Stadt ist dank der Hochschulen digital unterwegs. Es ergibt Sinn, das Thema dort zu spielen“ Trotzdem hätte sich der Kreisentwickler gewünscht, dass der ländliche Raum stärker unterstützt wird.

Deutlichere Worte findet Christian Mörsdorf, Vorsitzender der Jungen Union im Eifelkreis. Er sieht den Fehler bei der Landesregierung, die nur große Gemeinden und deren Speckgürtel unterstütze: „Die ländlichen Gebiete werden stiefmütterlich behandelt während Städte immer weiter gefördert werden.“

Berscheid stellt dennoch klar: „Umsonst war die Bewerbung nicht“. Die Verwaltung habe sich durch das Modellprojekt intensiv mit den Chancen der Digitalisierung beschäftigt. Das Problem: Ohne Fördergeld sind all die Projekte für den defizitären Kreis nicht zu stemmen.

Daher hofft Berscheid darauf, dass der Kreis nächstes Jahr Smart City wird: „Wir werden uns auf jeden Fall wieder bewerben. Das ist zwar ehrgeizig. Aber wenn wir das schaffen, wäre das der Hammer.“ Ob der Kreis sich auch als 5G-Modellregion bewerbe, weiß der Kreisentwickler derzeit nicht: „Wir müssen sehen, ob es für uns überhaupt Potentiale gibt. Derzeit wären wir schon froh, wenn es überall LTE gäbe.“

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