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Echternach sucht den roten Faden

Echternach sucht den roten Faden

Die luxemburgische Grenzstadt Echternach hat zwar in Sachen Kultur, Tourismus, Gewerbe und Industrie einiges zu bieten, doch irgendwie fehlt dem Ganzen die Struktur. Aus diesem Grund hat die Gemeinde nun eine Beratungsagentur aus Köln hinzugezogen. Diese soll den Echternachern dabei helfen, sich professioneller zu vermarkten.

Echternach. Als Gast sieht man es der luxemburgischen Grenzgemeinde Echternach nicht unbedingt an, dass sie derart Probleme hat. Aber offensichtlich ist genau das der Fall. Warum sonst würde das Echternacher Kultur- und Kongresszentrum Trifolion zu einer Pressekonferenz einladen. Und dazu dann noch so kurzfristig.
Doch damit nicht genug. Es muss schlimm um das kleine Städtchen stehen, wenn sogar Hilfe aus dem Ausland angefordert wird. "Wir können. wir machen. für Menschen", steht auf der Visitenkarte von Wolfgang Haensch. Was genau die Botschaft dieser Aussage, bei der wohl gezielt die Bedeutung der Interpunktion für nachfolgende Wörter ignoriert wurde, sein soll, verrät die Visitenkarte nicht.
Dafür aber gibt sie Auskunft über Haensch. Demnach ist er Projektleiter der Cima Beratung und Management GmbH in Köln. Das Unternehmen, das bundesweit über mehrere Standorte verfügt, berät Kommunen, Ministerien, Verbände und Unternehmen auf allen möglichen Gebieten. Vom Stadtmarketing über Wirtschaftsförderung bis hin zur Personalberatung. Und zu den 3500 Projekten, die das Unternehmen nach eigenen Angaben bislang betreut hat oder derzeit betreut, gehört seit kurzem auch die Stadt Echternach.
Haensch hat in diesen Tagen schon mit einigen Menschen aus Echternach zu tun gehabt. Zum Beispiel mit Vertretern der Politik, der Industrie und des Einzelhandels. Und er hat mit Verbänden gesprochen. Der Mann aus Köln hat sich einen Eindruck verschafft. Er weiß nun, dass zu den Stärken der knapp 5400 Einwohner zählenden Stadt die inhabergeführten Geschäfte, die historische Bausubstanz oder aber die Industrieunternehmen gehören.
Haensch weiß aber auch, dass zwischen den inhabergeführten Geschäften auch leere Ladenlokale sind, dass ein Teil der Bausubstanz in einem schlechten Zustand ist und dass die Industriebetriebe ziemlich weit außerhalb liegen und deshalb beispielsweise für unmotorisierte Auszubildende nur schwer zu erreichen sind. Was der Stadt fehle, sei ein Gesamtkonzept, sagt Haensch. "Es tut sich zwar einiges, doch vieles davon läuft parallel."
Genau das soll sich nun mit Hilfe der Cima GmbH ändern. 25 000 Euro hat die Stadt zur Verfügung gestellt, um ein professionelles Marketing in die Wege zu leiten. Es gehe aber nicht darum, einfach nur ein Gutachten zu erstellen, um es dann den Echternachern in die Hand zu drücken, erklärt der Cima-Mitarbeiter. "Wir können uns gute Projekte ausdenken", sagt er. "Aber irgendjemand muss sie ja auch begleiten." Ziel sei es deshalb, gemeinsam mit den Akteuren vor Ort zu handeln, erklärt er. Aus diesem Grund wird auch ein Komitee gegründet, dem unter anderem der Tourismus- und der Bauverein, die Verwaltung, die Hotellerie sowie Vertreter des Gewerbes, des Gymnasiums, des Jugendclubs und der städtischen Fraktionen angehören sollen. Auch die portugiesischstämmige Bevölkerung, die einen Großteil der Echternacher Einwohner ausmacht, soll in diesem Komitee vertreten sein. Und nicht zuletzt auch das Trifolion, über das dieses Projekt schließlich koordiniert wird.
Für Ralf Britten, der als Geschäftsführer des Trifolions mit dem Berater aus Köln eng zusammenarbeiten wird, geht es neben einer gemeinsamen Marketingstrategie auch um eine "emotionale Verbundenheit" zwischen den Akteuren. Dass es mit Geld allein nicht getan sei, dessen sei er sich durchaus bewusst, sagt Britten.
"Es ist viel Psychologie, die hier mit reinspielt." Am morgigen Mittwoch soll das Vorhaben mit einer Auftaktveranstaltung im Trifolion beginnen. Im Dezember ist dann ein weiteres Forum geplant und im kommenden März sollen dann erste Projekte vorgestellt werden.
Welche Richtung dann eingeschlagen werde, müsse sich zeigen, sagen Britten und Haensch. Doch für den Berater aus Köln hat Echternach schon jetzt den ersten Etappensieg erreicht. "Es gibt ein Bewusstsein dafür, dass einiges im Argen liegt", sagt er. "Und wenn wir es schaffen, wenigstens ein Projekt auf die Beine zu stellen, dann haben wir schon viel erreicht."