Echternach will Mufflons vom Militär abschießen lassen

Kostenpflichtiger Inhalt: Wegen Waldschäden rund um den Stausee : Echternach will Mufflons vom Militär abschießen lassen

Mehr als 200 Mufflons leben nahe Echternach. Die Stadt möchte die Herde abschießen lassen, weil sie sich zunehmend zu einer Belastung fürs Ökosystem entwickelt. Eine fehlende Unterschrift verhindert dies aber noch.

Das Mufflon ist ein majestätisches Tier. Vor allem die schneckenförmigen Hörner machen das Wildschaf zu einer imposanten Erscheinung. Spaziergänger wird es daher freuen, dass sie im Wald rund um Echternach immer häufiger anzutreffen sind. Doch das Muffelwild hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur Freunde in der luxemburgischen Abteistadt gemacht. Im Gegenteil.

Stadt und Förster würden die Tiere am liebsten loswerden. Denn die Schafe entwickeln sich laut Bürgermeister Yves Wengler im Wald zu einer Belastung. Das Problem sind ausgerechnet die auffälligen Hörner. Denn mit denen rammen die Widder gerne mal Bäume. Dabei platzt die Rinde ab, die die Mufflons verspeisen. Ohne ihre Borke sind Buche, Fichte und Co. aber Schädlingen und Krankheiten mehr oder minder schutzlos ausgeliefert. Die Folge: Sie sterben.

Foto: picture-alliance/ dpa/Fredrik von Erichsen

Ersatz können die Förster aber auch nicht pflanzen, weil das Wild die Setzlinge wegknabbere, sagt Wengler. Dadurch sei in den vergangenen Jahren ein Schaden von mehr als 100 000 Euro entstanden.Tendenz steigend.

 Denn die Herde wächst. Inzwischen zählt sie laut dem Bürgermeister mehr als 200 Exemplare. Auch, weil es in den Luxemburger Wäldern keinen Fressfeind gibt, konnten sich die Tiere seit den 1990er-Jahren vermehren. Damals wurden einige Schafe, deren Heimat eigentlich die Berge Korsikas oder Sardiniens sind, illegal in Echternach ausgesetzt.

„Es ist eine invasive Art“, sagt Wengler: „Und die muss weg.“ Die Gemeinde hat daher beantragt, im Wald eine „systematische behördliche Jagd“ zu veranstalten. Truppen von Militär und Polizei sollen das Gebiet durchforsten und sämtliche Mufflons abschießen. Anders, sagt der Echternacher Stadtchef,  könne man der Plage nicht mehr Herr werden – auch, weil der Jagdpächter seine vorgeschriebenen Abschusszahlen nicht einhalte.

Die behördliche Jagd habe die Gemeinde bereits im Frühjahr beantragt. Nach wie vor fehle aber eine Unterschrift, sagt Wengler. Und zwar die der luxemburgischen Umweltministerin Carole Dieschbourg. Der Echternacher Bürgermeister vermutetet ein politisches Motiv: „So eine Jagd lässt sich wohl mit dem grünen Gewissen nicht vereinbaren, dabei würde sie die Umwelt vor Schäden bewahren.“ Es ist ein Seitenhieb des Konservativen gegen Dieschbourgs Partei „déi gréng“, auf Deutsch: die Grünen. Beim luxemburgischen Umweltministerium sieht man das etwas anders, wie eine TV-Anfrage ergab. Eine behördliche Jagd habe bislang „aus Tierschutzgründen“ nicht genehmigt werden können, schreibt eine Sprecherin. Das Ministerium wollte wohl verhindern, dass den Waidmännern Lämmer vor die Flinte geraten. Also musste die Jagd bis nach der Brunft- und Aufzugszeit der Jungtiere warten: Noch im Herbst, also „in den nächsten Wochen, ist ein Termin vorgesehen“. Denn auch die Behörde sieht in den Mufflons „ein ernstzunehmendes ökologisches Problem“.

Dass Mufflons einen so immensen Schaden anrichten können, ist dem Eifeler Kreisjagdmeister Gerd Grebener hingegen nicht bekannt. Aus den zwei Bewirtschaftungsbezirken im Kreis, bei Merkeshausen und Weinsheim (siehe Info), seien ihm so etwas jedenfalls nicht zugetragen worden  Grebener glaubt ferner nicht, dass eine behördliche Jagd Aussicht auf Erfolg hat: „Die Aktion wird den Steuerzahler Tausende Euro kosten und womöglich keinen Effekt haben.“ Denn Polizei und Militär seien nicht für die Jagd ausgebildet, geschweige denn für das Erlegen der intelligenten „Muffel“: „Da werden jetzt dicke Backen gemacht, aber bringen wird das nichts.“

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