Echtes Zusammenleben

Die Luxemburger kommen! Nein, sie sind schon da. Der Anlass für die Menschen aus dem Nachbarland, sich im Eifelkreis Bitburg-Prüm niederzulassen ist rein ökonomischer Natur: Der Preisunterschied zwischen Dörfern jenseits und diesseits von Sauer und Our liegt für ein 1000-Quadratmeter-Baugrundstück beträgt bis zu 200 000 Euro.

Die Zuwanderung bleibt natürlicher Weise nicht ohne Folgen: Leer stehende Altimmobilien und völlig verödete Ortskerne sind zwischen Bitburg und der Grenze selten und mittelfristig ist - anders als an vielen anderen Stellen der Eifel - ein Aussterben selbst kleiner Dörfern nicht zu befürchten. Die Chancen, die die meist gut ausgebildeten und gut verdienenden Zuzügler für die Geschäftswelt der Region bringen, liegen auf der Hand. Wer sie nicht nutzt, ist selber schuld. Gleichwohl bringt die friedliche Invasion auch Herausforderungen. Denn anders als andere Zuwanderergruppen ist Deutschland für viele Luxemburger noch zu sehr nur ein Schlafraum und noch nicht hinreichend ein echter Lebensraum. Am deutlichsten wird dies beim Blick auf die Kinder der neuen Mitbürger, die meist mit den Eltern die Woche über täglich nach Luxemburg pendeln, um dort Kindertagesstätten oder Schulen zu besuchen. Allein das birgt mittelfristig die Gefahr, dass die Zuzügler eher Mitbewohner als Mitbürger werden, da die nachwachsende Generation den allergrößten Teil ihrer Sozialisation nicht am Wohnort, sondern am Arbeitsort der Eltern erlebt. So positiv also die Primäreffekte dieser Zuwanderung sind, so sehr muss es das Ziel der Gemeinden im Südkreis sein, nicht nur als Baugebiet, sondern auch und gerade im Bereich von Betreuung und Bildung für Luxemburger attraktiv zu werden. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn die grundlegende Qualität der Schulen in Deutschland ist - auch das hat die Pisastudie gezeigt - nicht schlechter, sondern besser als im Ländchen. Die Angebote müssen jedoch erweitert werden: Das gilt sowohl für die zeitliche Dauer von Betreuung und Unterricht als auch für die konsequente Mehrsprachigkeit der Ausbildung. Deutsch und Französisch durchgängig vom Kindergarten an in allen Schulformen sind das Minimum. Diese Forderung ist jedoch nicht nur und nicht einmal in erster Linie mit Blick auf die Integration der neuen Mitbürger wichtig, sondern sie kommt auch den deutschen Kindern zugute, die damit ihre Startchancen am Arbeitsmarkt dies- und jenseits der Grenze erhöhen. Es ist gut, dass es bereits erste Schritte in dieser Richtung gibt, wenngleich diese noch zu bruchstückhaft sind. Daher müssen weitere gegangen werden, nur so werden langfristig die Chancen genutzt, die der europäische Integrationsprozess gerade in unserer Region so greifbar bietet. Lars Oliver Ross