Eefeler Verzellcher : Die alte Klöntür

In der Serie „Eefeler Verzellcher“ berichtet Joachim Schröder von alten Eifeler Bräuchen.

(js) An der Stallseite des Bauernhofes  gab es früher die zweigeteilte „Schladertür“, auch „Klöntür“ genannt. Oberteil und „Gatter“ konnten getrennt voneinander geöffnet werden. „Diese Tür galt als praktisch, sie ließ das Federvieh draußen und die Kleinkinder drinnen“, erinnern sich manche Eifeler noch. Außerdem zogen Luft und Licht in die Räume. Diese Tür hatte im Innenbereich einen zweifachen Verschluss: Im unterem Teil war es zumeist eine feste Verriegelung, im oberen ein Haken mit Öse.

Der Begriff „Klöntür“ hat mit dem Reden untereinander zu tun, in der Westeifel auch „Kallen“ genannt. Während der Bauer von drinnen seine Kommunikation führte, war der Besucher, stand der Nachbar außen. Diese Schladertür hatte aber auch den Charakter einer „Sicherheitstür“.

Nicht selten kamen Unbekannte des Weges daher, trugen ihr Anliegen vor oder bettelten um eine Gabe. Wandernde Handwerker wie Scherenschleifer, Kesselflicker oder Krautschaber durften die Schwelle des Stalles nie überschreiten, ohne zuvor den Hausherrn konsultiert zu haben.

 Bei weiteren Bräuchen ist die Haustür Grenze und Abschluss: Der Nikolaus tritt bei seinem Besuch bis an die Schwelle und wirft seine Gaben hinein, die Klapperjungen fordern ihre Ostereier an der Tür, ohne einzutreten, Heischezüge an Fastnacht oder Burgsonntag enden hier. Der Lärm-Umzug „Chariwari“ und das „Spessen“ am Hochzeitsabend  respektieren die Haustürlinie.

Der Hausfrieden endete, wenn jemand den innerhalb des Gatters Stehenden bat, „vor“ die Tür zu kommen, was meist eine Schlägerei nach sich zog.

Eine Geste der Ablehnung war es auch, wenn man ihm einen alten Koffer mit Stock auf die Schwelle der Haustür legte.

Der Text stammt aus dem Buch „Volkskundliche Plaudereien am Kamin - Eefeler Verzellcher“ von Joachim Schröder, dritte Auflage 2020 (Eigenverlag), 320 Seiten, Preis: 15 Euro. Weitere Infos:
www.joachim-schroeder.com