Ehrenamtliche Notfallnachsorge des Roten Kreuzes informiert über Arbeit

Ehrenamt : Erste Hilfe für die Seele

Die ehrenamtliche Notfallnachsorge des Roten Kreuzes ist im Jahr rund 50 Mal im Einsatz, wenn nach Unfällen Todesnachrichten zu überbringen sind. An einem Infoabend kann man mehr über ihre Arbeit erfahren.

Eltern die Nachricht ihres tödlich verunglückten Sohns überbringen, der Ehefrau sagen, dass der Mann verstorben ist, oder die Kinder über den Tod der Eltern informieren – es ist eine wichtige und schwierige Aufgabe, die die Polizei mit Unterstützung der Notfallnachsorge hat. Seit 2002 gibt es sie im Kreis Bitburg-Prüm.

Wenn ein Unfall passiert ist, bei dem es einen Todesfall gegeben hat, werden die Ehrenamtlichen von der Leitstelle der Feuerwehr Trier informiert, bei sechs Personen geht ein Melder an, sie stimmen sich untereinander ab, und zwei Personen fahren zur Unfallstelle. Dort informieren sie sich genau darüber, was passiert ist. Harald Igelmund, Leiter der Notfallnachsorge, erklärt: „Die Angehörigen wollen sehr viele Einzelheiten wissen, um das Ganze besser begreifen zu können. Wenn wir beispielsweise Eltern über den Tod ihres Kindes informieren, fragen die als Erstes, was das Kind, das umgekommen ist, anhatte. Dann realisieren sie, dass es tatsächlich ihr Kind ist.“

Mit der Polizei fahren sie von der Unfallstelle zu den Angehörigen. Die Polizei überbringt die Nachricht, und ein Team der Notfallnachsorge ist dabei, um die Angehörigen aufzufangen. Sie helfen, dass die Todesnachricht in einem geschützten Umfeld überbracht wird. Sie stellen sich vor, fragen, ob sie reinkommen dürfen, setzen sich. Hans-Josef Jakoby, Leitungsteam der Notfallnachsorge, erklärt: „Wir kochen dann Kaffee oder geben ein Glas Wasser, stellen uns den Fragen, haben immer Taschentücher griffbereit und versuchen, ein Netz herzustellen aus Freunden oder Nachbarn, die sich dann weiterkümmern können.“ Oliver Pick sagt: „Kein Einsatz gleicht dem anderen. Die Reaktion der Angehörigen ist immer verschieden, einige wirken gefasster, andere fangen an zu weinen oder zu schreien, wieder andere wollen es nicht wahrhaben.“ Harald Igelmund ergänzt: „Ich stehe vor der Tür und weiß, wenn ich jetzt klingele, verändere ich in den nächsten Minuten den Lebenslauf der Person, die mir öffnet.“

In der Zeit, die sie mit den Angehörigen verbringen, erfahren sie viel über die Familie. „Die Leute sind oft froh, reden zu können. Wir hören zu, schweigen aber auch zusammen“, erklärt Harald Igelmund. Bei ihren Einsätzen bleiben sie immer bei der Wahrheit. Ein wenig schwindeln oder Dinge schönreden, das machen sie nicht. Katja Kneip-Dischi sagt: „Das kommt immer raus, dann ist es noch schlimmer und wir machen uns unglaubwürdig.“ Für die Angehörigen ist es zudem wichtig, sich zu verabschieden. „Für die Trauerarbeit ist das ein wesentlicher Schritt. Wir versuchen das in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Bestatter, zu ermöglichen, und gehen, wenn gewünscht, auch mit“, sagt Oliver Pick und ergänzt: „Wir achten dabei darauf, dass man bei den Verstorbenen große Wunden verdeckt und sie nicht blutverschmiert sind.“

Dafür haben sie beispielsweise Verbandsmaterial in ihrem Notfallrucksack. In ihm sind auch Kuscheltiere, denn wenn Kinder betroffen sind, ist es besonders hart. „Einmal sind wir in ein Haus gekommen, um beim Überbringen der Todesnachricht zu unterstützen, und ein Kind, das auf der Treppe stand, hatte den gleichen Schlafanzug an wie der Sohn des Kollegen, der bei mir war, ihn ebenfalls hat. Das war für ihn zu viel. Er hat sich herausgenommen und ich habe den Einsatz allein weitergemacht. Das kommt auch mal vor, deshalb sind wir zu zweit.“

Katja Kneip-Disch vom Leitungsteam betont, dass man als Ehrenamtlicher nicht verpflichtet ist, mit herauszufahren. „Wenn es einem selbst an diesem Tag nicht gutgeht oder man glaubt, diese Situation belaste einen zu sehr, kann man sich auch rausnehmen. Das ist völlig in Ordnung.“

Den Angehörigen bieten sie zudem an, einen Seelsorger zu kontaktieren, aber 70 bis 80 Prozent möchten das nicht. Zusätzliche Informationen zu weiterer Hilfe in Form von Flyern oder Kontaktdaten lassen sie ebenfalls da. Anschließend müssen die Notfallnachsorger selbst mit dem Erlebten zurechtkommen. Dafür hat jeder seine eigene Methode. Strategien dazu haben sie in ihrer Ausbildung gelernt.

Ein Informationsabend über die Mitarbeit in der Notfallnachsorge findet am Dienstag, 17. September, um 19.30 Uhr im Kreisverband des DRK, Rot-Kreuz-Straße 1 in Bitburg, statt. Hier erfahren Interessenten alles Wichtige über die Mitarbeit in der Notfallnachsorge.

Weitere Infos im Internet unter: www.drk-bitburg-pruem.de

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