Ehrliche Eifeler Kinder

BITBURG. Dass Kinder in der Regel doch gut erzogen sind und wissen, dass ehrlich am längsten währt, zeigte sich einmal mehr am Dienstag. Vorbildlich lieferten sechs Grundschüler 4500 Euro, die sie gefunden hatten, bei der Polizei ab. Eine Frau hatte das Geld verloren.

"Ich glaub, mich trifft ein Stein", sagt der neunjährige Christian. "Kannst Du das noch einmal wiederholen, fragt der Mann vom Radio und hält ihm ein Mikrofon vors Gesicht. "Ich hab gedacht: Ich glaub, mich trifft ein Stein", sagt er noch einmal. Der Mann vom Radio nimmt es auf, der vom TV notiert es. Kein Schlag , sondern ein Stein. Warum auch nicht. Wer 500 Euro findet, weiß wohl am besten, was seine erste Reaktion war. "Ich habe noch nie so viel Geld gesehen", sagt er, und seine Augen leuchten - ein Leuchten, dass am Tag zuvor noch heller war. Gemeinsam mit fünf weiteren Schülern ist er an diesem Dienstagmittag nach der Schule auf dem Heimweg. Als die vier Jungs und zwei Mädchen beim Krankenhaus am Café Heidger vorbei gehen, trauen sie ihren Augen nicht. Auf dem Boden liegen verstreut lauter 500-Euro-Scheine. Völlig sprachlos heben die Kinder die Scheine auf und gehen nach Hause. Auch der neunjährige Benedikt kommt zu Hause reicher an, als er es noch wenige Minuten zuvor war. Als er seiner Mutter von dem Fund erzählt, sind sich beide schnell einig: Das Geld muss zur Polizei.Das Geld ist da, doch wer vermisst es?

Nach Rücksprache mit einer Frau aus der Nachbarschaft, deren Sohn Tim ebenfalls zu den - vorübergehend - glücklichen Findern zählt, gehen Benedikt und seine Mutter zur Polizei und geben dort insgesamt 2000 Euro ab. Eine Polizeistreife, die darauf hin zum Fundort fährt, entdeckt dort einen Umschlag, in dem sich ein weiterer 500-Euro Schein befindet. Im Laufe des Nachmittags erscheinen drei weitere Kinder bei der Polizei - ebenfalls mit 2000 Euro, die sie auf dem Heimweg gefunden haben. Der letzte Mann, der an diesem Tag die Bitburger Polizeiinspektion besucht, um dort Geld abzugeben, ist der Großvater einer jungen Finderin, der zunächst den 500-Euro-Schein auf einer Bank hat überprüfen lassen, weil er dachte, es sei vielleicht Falschgeld. Nachdem der Polizei insgesamt 5000 Euro vorliegen, fehlt nur noch die Person, die sie vermisst. Die meldet sich wenig später - eine 76-jährige Frau, die auf dem Weg zur Bank war, um das Geld dort einzuzahlen. Sie hatte den Umschlag mit den zehn 500-Euro-Scheinen vor dem Café verloren. "Wir hatten schon gedacht, ein Flieger der Sparda-Bank, der zur gleichen Zeit mit einem Werbebanner über Bitburg geflogen ist, hätte das Geld abgeworfen", sagt Polizeihauptkommissar Klaus Schnarrbach lachend. Und, gab es schon Finderlohn? "Ne, bis jetzt noch nicht", sagt Benedikt, der - wie die anderen ehrlichen Finder - für das gefundene Geld auch eine Alternativ-Lösung gehabt hätte: "Ich würde mir einen Computer kaufen."