Eierlage in Schönecken - Ein Raffer wagt den Rollenwechsel

Oster-Tradition : Eierlage in Schönecken - Ein Raffer wagt den Rollenwechsel

Als Raffer unterlag Christian Gitzen 2015 bei der Schönecker Eierlage. Nun wagt er die zweite Teilnahme – als Läufer. Am Ostermontag tritt er gegen Julius Thiel an.

Mittlerweile gibt es den Wettkampf an vielen Orten in der Eifel, das Original bleibt aber einzigartig: Seit mindestens 255 Jahren treffen sich alljährlich am Ostermontag zwei Herren der Jungesellensodalität zum brüderlichen Wettstreit (siehe Info) – der Schönecker Eierlage. Der ewige Kampf zwischen Raffer und Läufer ist somit nicht nur einer der ältesten lückenlos überlieferten Bräuche der Eifel, sondern auch eine der ältesten Ostertraditionen Europas. Obwohl man auf eine bewegte Geschichte blickt, weiß die Eierlage immer wieder zu überraschen. Diesmal tritt zum Beispiel ein alter Hase an. Christian Gitzen versuchte sich bereits 2015 als Raffer. Er unterlag damals dem Läufer Christian Rabe. Nun tritt er in dessen Fußstapfen und will seinen brüderlichen Kontrahenten, Raffer Julius Thiel, bezwingen.

„Als Schönecker Junge ist es ja quasi Pflicht, zumindest einmal an der Eierlage teilzunehmen. Es zeichnete sich ab, dass wir nicht so viele Bewerber haben werden, ich beschloss zusammen mit Julius, es doch einfach noch einmal zu wagen“, sagt Gitzen. Ob der erfahrene Gitzen größere Chancen hat als er selber, weiß Thiel nicht zu beantworten. „Wir sind bei einer Veranstaltung am Nürburgring vor einiger Zeit zufällig mal miteinander gelaufen. Da zeigte sich, dass wir ähnlich stark sind“, sagte der 19-jährige Raffer. „Ich habe keinen blassen Schimmer, wie meine Chancen auf einen Sieg aussehen, zumal ich als Raffer ja unerfahren bin.“

Egal wie gut die beiden trainiert sind, die Eierlage ist immer eine Herausforderung. Während der Raffer 104 Eier einzeln aufheben und in einem Korb ablegen muss, rennt der Läufer knapp acht Kilometer nach Seiwerath und wieder zurück. Wer seine Aufgabe als erster bewältigt, ist Sieger.

Auch Gitzen möchte keine Prognose über den Ausgang des Kampfes geben. „Ehrlich, ich habe das Gefühl noch unvorbereiteter zu sein als beim vorigen Mal“, sagt er und lacht. Eine Taktik müsse er sich ja nicht zurechtlegen: „Mir bleibt ja nichts anderes zu tun, als einen Schritt vor den anderen zu setzen, bergauf zu laufen und wieder bergab. Das sollte doch eigentlich klappen.“

Unterschätzen sollte Gitzen seinen brüderlichen Gegner allerdings nicht. „Trainiert? Sagen wir es mal so, ich will Ende des Jahres bei der Polizei anfangen, so halte ich mich gerade eh fit. Mindestens dreimal in der Woche treibe ich Sport“, sagt Thiel. Nach dem Zuschlag bei der Eierlagenversteigerung am Palmsonntag habe er sich fest vorgenommen, die Tage vor dem Wettkampf noch mehr auf seine Ernährung zu achten und auch bis dahin auf Alkohol zu verzichten: „Ich hoffe, dass das noch einen weiteren kleinen Vorteil bringt.“

Als Raffer hat Christian Gitzen (links) schon 2015 Erfahrungen sammeln können unterlag aber seinem damaligen Konkurrenten. Er wagt nun den Seitenwechsel und tritt gegen Julius Thiel als Läufer an. Foto: Stefan Hermes. Foto: Stefan Hermes

Stefan Hermes, seit 2016 Schriftführer der Sodalität, begrüßt die Wahl des neuen Bruderpaares. „Gitzen ist diesmal als Läufer dabei und hat mit Julius einen guten Gegner gefunden“, sagt er. Drei Paare seien am Sonntag ins Rennen gegangen. „Ziemlich schnell zog sich der Vorstand nach alter Tradition zurück, beriet sich und beschloss, die beiden antreten zu lassen. Es dürfte ein spannender Kampf werden“, sagt er.

Mit Blick auf die Eierlage im vorigen Jahr hofft Hermes allerdings auf einen etwas normaleren Verlauf. 2018 konnte die Sodalität nämlich am Ende des Tages keinen Gewinner küren (der TV berichtete). Erst verlief die Eierlage wie gewohnt: Raffer Alexander Alf raffte, Läufer Holger Meyer lief, das Publikum feuerte beide an. Doch nach dem 91. Ei verließen Alf die Kräfte. Er kollabierte kurz nach 14.45 Uhr und brach den Wettkampf ab. Es war nicht das erste Mal, dass einer der Kontrahenten nicht mehr konnte, doch um 15 Uhr passierte das bisher Einmalige: Auch Meyer brach auf seinem Rückweg von Seiwerath zusammen. Keiner gewann, keiner verlor. „Das war schon ungewöhnlich. Glücklicherweise kamen beide wieder schnell auf die Beine“, sagt Hermes.

Die Schönecker Eierlage beginnt am Ostermontag, 22. April, um 14 Uhr in der Von-Hersel-Straße. Weitere Infos im Internet unter: www.eierlage.de

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