Eifel-Genossen zeigen sich betroffen

Die Nachricht vom Rücktritt Kurt Becks als SPD-Parteichef hat bei den Genossen in der Eifel zum Teil tiefe Betroffenheit ausgelöst. Die meisten waren von der dramatischen Entwicklung am Sonntag vollkommen überrascht. Der TV fing am Montag die regionalen Stimmen ein.

TV-Foto: Archiv/Klaus Kimmling

Bitburg-Prüm/Daun. "Ich habe Respekt vor der persönlichen Entscheidung von Kurt Beck. Er war mit teils unfairer öffentlicher Kritik konfrontiert, trotz seiner guten Arbeit als SPD-Vorsitzender." Jens Jenssen aus Daun, einer der MdB-Kandidaten-Anwärter der SPD im Wahlkreis Bitburg, bedauert den Rücktritt von Kurt Beck. Beck habe die "erfolgreiche Diskussion um das neue SPD-Grundsatzprogramm" geleitet. Mit dem Hamburger Programm sei die SPD programmatisch auf der Höhe der Zeit. Jenssen: "Kurt Beck hat eine gute Entscheidung getroffen, Frank-Walter Steinmeier als SPD-Kanzlerkandidaten vorzuschlagen. Mit dem Duo Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering ist die SPD gut aufgestellt."

"Es gibt Situationen, da ist vorher viel passiert." Elke Leonhard, die sich ebenfalls um eine MdB-Kandidatur bemüht,spricht von "Ehre, Würde und vielen anderen Faktoren", die beim Rücktritt Kurt Becks eine Rolle gespielt haben müssten. Nach Willy Brandt habe die Partei neun Parteichefs gehabt, deren Wahl immer "wie eine große Messe gefeiert" worden sei, aber nicht lange Bestand gehabt habe. Der Fehler liege darin, dass die Partei nicht diskutiere und nicht zugebe, dass sie ein Links-Rechts-Problem habe. Leonhard: "Die SPD befindet sich in einer Identitätskrise."

"Ich habe die Entscheidung von Kurt Beck mit Betroffenheit aufgenommen, kann den Schritt jedoch gut nachvollziehen", sagte am Montag Nico Steinbach, ebenfalls SPD-Bundestagskandidaten-Anwärter im Wahlkreis 203. Becks Handeln nennt er konsequent. Steinbach: "Kurt Beck wird nun wieder mit ganzer Kraft unser Land voranbringen, davon werden wir hier vor Ort profitieren." Mit Frank-Walter Steinmeier habe man eine geschätzte Persönlichkeit nominiert.

Monika Fink, Landtagsabgeordnete und SPD-Kreisvorsitzende Bitburg-Prüm, kann den Schritt Becks menschlich verstehen. "Ich ließe auch nicht so auf mir rumtrampeln", sagt sie und resümiert: "Irgendwann ist das Maß voll." Natürlich gebe die SPD zurzeit nicht das beste Bild ab. Frank-Walter Steinmeier halte sie gleichwohl für einen "besonnenen und verlässlichen Menschen". Fink: "Zu Franz Müntefering habe ich ein distanziertes Verhältnis."

"Ich bin immer noch betroffen." Astrid Schmitt, Landtagsabgeordnete und SPD-Chefin im Vulkaneifelkreis, hob am Montag besonders auf die Leistungen Becks als Parteichef ab. Unter ihm sei das neue Grundsatzprogramm entstanden, zudem habe er die Führung der Partei in sehr schwieriger Zeit übernommen. Gleichzeitig kritisierte die Politikerin heftig die fehlende Solidarität gegenüber Kurt Beck. Astrid Schmitt: "Das ist eine Krise, so etwas kann man nicht schönreden."

Bernd Spindler, Fraktionschef der SPD im Kreistag Bitburg-Prüm, hatte am Sonntag den Eindruck, als sei von der SPD eine riesige Last abgefallen. "Das Gezerre hat endlich ein Ende", sagte er. Ihm sei seit längerem klar, dass die Reise auf Frank-Walter Steinmeier zulaufe. Bei Kurt Beck müsse der Frust sehr groß gewesen sei, schätzt Spindler, der davon ausgeht, dass die Turbulenzen keine Auswirkungen auf den Kommunalwahlkampf haben werden.

Stephan Garçon, Fraktionschef der SPD im Stadtrat Bitburg hat "vollstes Verständnis für die Entscheidung von Kurt Beck. Er hat zutiefst menschlich gehandelt." Er sei heilfroh, dass Beck sich nun wieder mit ganzer Kraft seiner Aufgabe als Landesvater widmen könne, betonte Garçon.

Markus Fischbach, SPD-Fraktionschef im Rat der Stadt Prüm, hält den Schritt Kurt Becks für bedauerlich. Doch "nach all den Knüppeln, die man ihm zwischen die Beine geworfen" habe, müsse man für den Rückzieher Verständnis haben. Fischbach sieht durchaus Folgen für den Kommunalwahlkampf, weil man immer wieder mit einer solchen Sache konfrontiert würde. "Du kriegst die Sachen vor Ort um die Ohren gehauen."

"Sehr überrascht von den Turbulenzen" zeigte sich am Montag Wolfgang Jenssen, Fraktionschef der SPD im Kreistag Vulkaneifel. Dass Frank-Walter Steinmeier Kanzlerkandidat würde, habe derweil in der Luft gelegen. Jenssen: "Ich bedauere die Umstände, die zu Becks Rücktritt geführt haben."