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Eifel: Geschäfte richten während Lockdown wieder Liefeservice ein

Damit die Lichter an bleiben : Eifeler Geschäfte richten während Lockdown wieder Lieferservice ein

Von heute an müssen zahlreiche Geschäfte bis mindestens in die erste Januarwoche hinein schließen: Deutschland macht dicht. Viele Eifeler Gewerbetreibenden setzen aber auf ein im Frühling erprobtes Gegenmittel.

Das Land fährt runter, von heute an sind die meisten Geschäfte geschlossen. Aber die Händler wollen ihrer Kundschaft trotzdem den Einkauf ermöglichen – etwa der Gewerbeverein Prüm. Der macht es wie im April und ruft seine Mitglieder wieder zur Teilnahme am Lieferdienst auf. Die Organisation übernimmt der Verein. „Wir werden das schaffen“, gibt sich die Vorsitzende Daniele Haas trotz des Lockdowns kämpferisch.

Motto: „Einkaufen in Prüm ist auch weiterhin möglich“ – und das passende Geschenk werde „pünktlich zum Fest an den Kunden geliefert“. Damit das auch klappt, rufen die Kunden im betreffenden Betrieb an und geben ihre Bestellung durch.

Der Versand ist von 30 Euro Einkaufswert an und bis zu einem Gewicht von 20 Kilogramm kostenlos. Darüber hinaus werden Lieferkosten zwischen den Kunden und den Betrieben vereinbart und geregelt. Der ausliefernde Fahrer ist ausgestattet mit Einweghandschuhen, Desinfektionsmittel und Alltagsmaske.

„Keiner muss auf sein Geschäft vor Ort verzichten“, sagt Daniele Haas. „Wir sind für unsere Kunden da. Wenn sie uns fordern, liefern wir auch.“

Der Gewerbe- und Verkehrsverein (GVV) Daun wird keinen Lieferdienst in eigener Regie starten. „2020 hat uns allen Grenzen aufgezeigt, die so niemand vorher ahnen konnte. Wir alle haben Situationen erfahren, die immer wieder neue Ideen und ein komplettes Umdenken gefordert haben“, sagt die Vorsitzende Stefanie Mayer-Augarde. Auch wenn es kein zentral koordiniertes Angebot gebe, „gibt es bis Weihnachten bei allen Händlern unzählige Möglichkeiten Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Ein jeder ist über verschiedene Kanäle erreichbar. Sei es telefonisch, per Mail, über diverse Shops, per Whatsapp. Sie bieten Abholung, Versand oder gar Lieferung an.“ Ihr Appell: „Unterstützen Sie die regionalen Angebote, den stationären Handel. Lassen Sie, gemeinsam mit uns, dafür sorgen, dass wir 2021 bunt, vielfältig und attraktiv bleiben.“

GVV-Geschäftsführer Wolfgang von Wendt verweist auf das „Einkaufserlebnis Vulkaneifel“, eine Online-Plattform, die das Gesundland Vulkaneifel seit dem Frühjahr für das regionale Gewerbe anbietet. Das Gesundland ist ein kreisübergreifendes Bündnis (Vulkaneifel, Cochem-Zell, Bernkastel-Wittlich) und bündelt seit 2009 in den Verbandsgemeinden Daun, Ulmen und dem Gebiet der früheren Verbandsgemeinde Manderscheid (aufgegangen in der VG Wittlich-Land) die touristischen Aufgaben.

Der Startschuss für die Plattform fiel parallel zum ersten Lockdown. „Wir haben damals innerhalb von einer Woche in absoluter Fleißarbeit alle Betriebe, über die wir Informationen hatten, und deren Service aufgelistet. Dazu gehörten auch Lieferdienste“, erklärt Geschäftsführerin Vera Merten. Sie versteht die Plattform als zentrale digitale Anlaufstelle (www.einkaufen-vulkaneifel.de) und Ergänzung zu dem, was die Betriebe selbst anbieten. „Interessant ist die Plattform auch beispielsweise für Unternehmen, die keinen eigenen Internetauftritt haben und sich mit einem Premiumeintrag zentral präsentieren möchten. Wir bewerben die Angebote auf allen Kanälen“, sagt die Geschäftsführerin. Und ergänzt: „Jetzt ist es wichtiger denn je, sichtbar zu sein.“

Die Werbegemeinschaft Hillesheim wird keinen Lieferdienst einrichten. „Wir haben das im Frühjahr gemacht, aber diesmal ist es Sache des jeweiligen Geschäfts“, sagt die Vorsitzende Jessica Klein. „Es gibt ja Kontaktmöglichkeiten, die die Betriebe nutzen können, um Kundenwünsche so weit wie möglich zu erfüllen.“ In Gerolstein sind vom Gewerbeverein Gero Team an die Betriebe Plakate verteilt worden. „Wer Lieferservice anbietet, kann auf dem Plakat die entsprechenden Informationen anbringen und es ins Schaufenster hängen“, berichtet der Vorsitzende Hans-Hermann Grewe. „Einen zentralen, von uns koordinierten Lieferservice gibt es noch nicht, aber wir denken gerade darüber nach.“

Bringen lassen oder vor der Tür abholen: Das soll es auch in Speicher geben, wo die Geschäfte bis Dienstag oft lange Öffnungszeiten anboten, damit die Kunden noch Nötiges einkaufen konnten. Der Gewerbevereinsvorsitzende Andreas Gerlach will, wie er am Dienstag sagt, „heute noch einen Rundruf starten, um herauszufinden, wie es die Mitglieder halten werden. Und dann morgen (Mittwoch, Anm.) spätestens auf unserer Facebook-Seite sagen, wie wir es machen.“

Im Grundsatz aber sei es in Speicher wie anderswo: Wer könne, biete einen Liefer- oder Abholdienst an. Darüber hinaus verfügten einige Speicherer Geschäfte auch über einen online-Shop. Und der Rewemarkt sei ja als Lebensmittelgeschäft von der Schließung ausgeschlossen.

Ansonsten gelte Flexibilität: „Wenn jemand mich anruft und sagt: Ich brauche noch einen Lichterbogen fürs Fenster, dann machen wir das halt mit Abholung – unter Beachtung der Corona-Regeln. Oder wir liefern‘s.“ Tatsächlich bieten er und seine Frau Iris, die beide aus dem Erzgebirge stammen, in ihrem „Lädche“ unter anderem auch Weihnachtsartikel und Dekoration aus ihrer Heimatregion an.

„Es versucht sich jeder in irgendeiner Form über Wasser zu halten“, sagt Gerlach. Die Hoffnung sei gewesen, zumindest bis zum vierten Advent offen bleiben zu dürfen. „Aber das hat nicht sollen sein.“

Die Türen mögen geschlossen sein, aber die Gewerbetreibenden und ihr Angebot bleiben auch jetzt erhalten: Das gilt auch in Bitburg. Dort, sagt der Gewerbevereinsvorsitzende Lars Messerich, „werden viele Geschäfte wieder Services anbieten“. Und das werde der Verein auch auf seinen diversen Kanälen von der Website bis zu den sozialen Medien bewerben und darstellen, unter anderem auch über die Plattform „BitburgSindWir“. So könne  jeder Kunde sehen, wer was anbiete „und wie er sein Geschäft erreichen kann, wenn im Lockdown Bedarf besteht. Tatsächlich ist es ja bei jedem Geschäft anders.“

Was die Bitburger zunächst nicht anbieten, ist ein Lieferdienst. „Wir wissen noch aus dem ersten Lockdown, dass das nicht so genutzt wurde und viele stattdessen Abholung gemacht haben“, sagt Messerich. Darüber hinaus aber sei die Botschaft: Die Händler sind bereit. Jeder hat seine Präsenz und ist erreichbar.“ Das sei gerade jetzt wichtig. Denn die Erfahrung aus dem ersten Lockdown lehre auch: „Je länger geschlossen ist, desto mehr entwöhnt sich der Kunde auch.“