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Eifel-Literatur-Festival: Die zwei Gesichter der Monika Maron

 Monika Maron in Bitburg. TV-Foto: Vladi Nowakowski
Monika Maron in Bitburg. TV-Foto: Vladi Nowakowski
Bitburg. 300 Gäste haben am Dienstagabend im Haus Beda in Bitburg eine humorvolle, nachdenkliche und temperamentvolle Autorin Monika Maron erlebt, die ihre Lesung auch dazu nutzte, Unbequemes anzusprechen.

Bitburg. Monika Maron hat die Teilung Deutschlands aus einem sehr speziellen Blickwinkel erlebt: 1951, im Alter von zehn Jahren, zieht sie mit ihrer Mutter nach Ost-Berlin. Karl Maron, der spätere Innenminister der DDR, wird ihr Schwiegervater. Ihr Debüt "Flugasche" (1978), ein Roman, der sich mit Umweltverschmutzung und Unterdrückung in der DDR auseinandersetzt, darf nicht erscheinen. 1988, noch vor dem Fall der Mauer, verlässt Monika Maron ihre Heimat. Ein bewegtes Leben, das die Autorin als unangepasst beschreibt und das sie selbst und ihr Werk prägt. Im Haus Beda gab sie im Rahmen des zehnten Eifel-Literatur-Festivals eine Kostprobe dessen, warum sie als kritische und temperamentvolle Begleiterin des wiedervereinigten Deutschlands gilt. Den ersten Teil des Abends widmet Maron erwartungsgemäß ihrem 2007 erschienenen Roman "Ach Glück", in dem sie aus der Sicht einer älter werdenden Frau von geglückten und gescheiterten Lebensentwürfen erzählt. Die Gäste lauschten der ruhigen Stimme der Autorin gebannt und schmunzelten über die Passagen, in denen Maron einfühlsam und mit Witz die Licht- und Schattenseiten der alternden Liebe ihrer Protagonisten beschreibt.
Rolle des Islam in Deutschland


"Die Zeiten haben sich geändert", sagte Maron nach dem Applaus. Deshalb schlage sie nun eine Programmänderung vor.
Es folgten zwei aktuelle Texte, die die preisgekrönte Autorin erst im April in der Zeitung Die Welt und im Magazin Cicero veröffentlichte: "Warum der Islam nicht zu Deutschland gehört" und "Uns geht es gut!". Schlagartig ändert sich die Atmosphäre: Aus der Lesung wird ein Vortrag, in dem Maron Position bezieht.
Sie stemmt sich vehement gegen den Ausspruch des kurzzeitigen Bundespräsidenten Christian Wulff, dass der Islam zu Deutschland gehöre: "Welche Spielart des Islam ist da gemeint?", fragt sie. "Das ist ein Satz voller Unschärfe. Gehört damit auch die latente Benachteiligung der islamischen Frau zu Deutschland? Ich als Frau wünsche mir sehr, dass dieser Ausspruch nicht so stehen bleibt - mag sein, dass Männer dies anders sehen." Eine Steilvorlage für die nächste Veranstaltung des Eifel-Literatur-Festivals, findet ein Besucher. Umso mehr, als Maron an die Vernunft der Besucher appelliert, Thilo Sarrazin nicht zu diffamieren, sondern sich mit seiner Meinung auseinanderzuseten. now