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Eifel-Pipeline: Der Bau beginnt

Verbundprojekt Eifel : Hoch die Trassen!

Sie legen los: Die „Eifel-Pipeline“ ist am Montag in Plütscheid mit dem Spatenstich an den Start gegangen. Bauzeit für das 100-Millionen-Vorhaben, mit dem Wasser, Energie und Kommunikation gebündelt werden: fünf Jahre.

Wasser – es ist aktuell das beherrschende Thema in der Eifel. Am katastrophalen Unwetter-Freitag, sagt Landrat Joachim Streit, „hatten wir zu viel, am nächsten Tag dann in Bitburg zu wenig“ – rohrbruchbedingt (der TV berichtete).

Jetzt aber liefert es einen Anlass, bei dem sich alle Freuden-Schleusen öffnen können: Das Verbundprojekt Eifel – pardon, die Eifel-Pipeline – geht an den Start. In Plütscheid haben am Montagmorgen so ziemlich alle, die bisher irgendwie damit zu tun hatten, per Spatenstich den Beginn der Arbeiten gefeiert. Und ein wenig auch die bisher so reibungslos verlaufene Kooperation aller Verantwortlichen, von den Kommunalen Netzen Eifel (siehe Info) bis zu den Genehmigungsbehörden.

 Und zwei Geburtstage werden auch noch gefeiert – und die Torte ebenfalls per (Miniatur-) Spatenstich angeschnitten. Von links: Ulrike Höfken, Wolfram Leibe und die Jubilare Ulrich Kleemann und Joachim Streit.
Und zwei Geburtstage werden auch noch gefeiert – und die Torte ebenfalls per (Miniatur-) Spatenstich angeschnitten. Von links: Ulrike Höfken, Wolfram Leibe und die Jubilare Ulrich Kleemann und Joachim Streit. Foto: Fritz-Peter Linden

Das Projekt, sagt der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der sich mit Streit die Moderation teilt, sei für die gesamte Region ein Beispiel vorbildlicher Zusammenarbeit. Und die begann bereits unter den Vorgängern Roger Graef und Klaus Jensen. Deshalb holen Streit und Leibe dann die beiden auch ans Rednerpult. Das Verbundsystem, sagt Jensen, sei „eine gewaltige Sache“ – aber den Verantwortlichen sei noch etwas wichtig gewesen: „Die jahrhundertealte Fehde“ zwischen Stadt und sogenannter Provinz beizulegen.

 Spatenstich in Plütscheid: Der Bau der Eifelpipeline beginnt.
Spatenstich in Plütscheid: Der Bau der Eifelpipeline beginnt. Foto: Fritz-Peter Linden

Das scheint, zumindest bei der Pipeline, bestens gelungen zu sein: Man solle ja keine Wortspiele mit Namen machen, sagt der Bitburg-Prümer Landrat. Aber dieses könne er sich dann doch nicht verkneifen: „Bei Leibe, wir hatten all die Jahre keinen Streit – da ist doch alles Roger, Klaus!“

Der große Graben also auch noch als regionales Friedensprojekt, wunderbar. Aber er kann auch sonst richtig viel: Die Haupt-Trasse wird von der Oleftalsperre in Nordrhein-Westfalen auf 80 Kilometern Länge bis runter nach Trier verlaufen und 245 000 Bürger mit sauberem und bezahlbarem Trinkwasser versorgen. Ebenfalls mit eingebaut werden Glasfaser- und Gasleitungen, ins System eingebunden sind zudem regionale Anlagen für Strom aus Biogas, Wind, Sonne und Wasser. Und die Telekommunikationsunternehmen können die angrenzenden Orte und deren knapp 30 000 Haushalte mit schnellem Internet versorgen.

Neben der Nord-Süd-Leitung hinzugekommen ist inzwischen noch die Ost-West-Trasse: Sie verläuft auf 45 Kilometern durch die Verbandsgemeinden Wittlich-Land, Speicher, Trier-Land, Bitburger Land und Südeifel. Dabei wird sie die bestehenden Biogasanlagen miteinander vernetzen. Am Flugplatz Bitburg soll das gelieferte Gas dann aufbereitet, auf Erdgas-Qualität gebracht und ins vorhandene Netz eingespeist werden. Kosten für alles: Knapp 100 Millionen Euro.

Eine geniale Idee eben – so gut, sagt der Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion, Ulrich Kleemann, dass man sich frage: „Warum ist man da nicht schon eher drauf gekommen?“ In Kleemanns Behörde jedenfalls kam man schnell auf die Idee, das Genehmigungsverfahren ruckzuck über die Bühne zu bringen. Was auch dank der perfekten Vorarbeit der Planer gelungen sei.

Beispielhaft, fand man dann auch schon früh bei der Landesregierung in Mainz und machte dafür 26 Millionen Euro Förderung locker. 26 Millionen? „Ich hab noch ein paar Förderbescheide mitgebracht“, sagt Umweltministerin Ulrike Höfken bei der Feier im Plütscheider Gasthaus Geimer. Ergebnis: Die Gesamtförderung wächst auf nun 32 Millionen.

Denn man sorge mit dem Verbundsystem nicht nur für eine zukunftsfähige Trinkwasser-Infrastruktur, sondern reagiere auch auf die Veränderung im Klima. Und die, sagt die Ministerin, „macht uns zunehmend Sorgen“.

Höchste Zeit, auf die beiden Herren einzugehen, die vor sieben Jahren das geniale Ding ausheckten: Helfried Welsch, Technik-Vorstand der KNE, und Arndt Müller, Technikvorstand bei den Stadtwerken Trier und Vorstandssprecher der KNE. Aber ausgerechnet Arndt Müller kann bei der Feier nicht dabei sein: Er kuriert im Krankenhaus eine Lungenentzündung aus. Es ist der einzige Wermutstropfen an diesem Tag. Aber ein großer.