Eifeler Autor lässt auf Norderney morden

Eifeler Autor lässt auf Norderney morden

Von wegen idyllische Nordseeinsel: Auf Norderney wird eine Leiche gefunden. Doch es ist nicht die Frau, die seit Tagen vermisst wird. Der neue Insel-Krimi vom gebürtigen Prümer Manfred Reuter ist nichts für schwache Nerven.

Norderney/Prüm. Viele TV-Leser, vor allem die aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm, kennen Manfred Reuter. Viele Jahre lang war er für die Ausgabe Prüm zuständig, später dann als Lokalchef für die Eifel. 2009 zog es ihn in den Norden, er wechselte zum Ostfriesischen Kurier nach Norderney. Schon zu Eifelzeiten hat es ihn nach mehr gedürstet. Nur die Zeitung zu füllen, war ihm nicht genug. Also begann er nebenbei, noch Romane zu schreiben. Jetzt ist sein neuer Krimi erschienen. Gemordet wird aber nicht mehr in der Eifel - sondern auf Norderney.Polizisten am Strand


Auf der schönen Nordseeinsel scheint zunächst alles in bester Ordnung zu sein. Regelmäßig besuchen Amke und ihre Mutter Marion Folkerts den Yogakurs am Dienstagabend und gehen anschließend mit den anderen Frauen auf ein Gläschen Prosecco ins Surfcafé. Mit ihrer Schwiegertochter versteht sich Marion blendend. Sie lebt auch nur unweit entfernt von dem Haus ihres Sohnes Theo und dem heiß geliebten Enkel Thore, der gerade zehn Jahre alt geworden ist.

Die Aufregung ist groß, als Marion nach einer stürmischen Nacht nicht wie gewohnt bei Amke und Theo zum Frühstück auftaucht. Da sie sich Sorgen machen und sie in ihrem Haus nicht antreffen, bitten sie die Inselpolizei um Hilfe. Oberkommissar Gent Visser lässt von einer Hundertschaft jeden Stein umdrehen, doch Marion Folkerts bleibt verschwunden. Dafür taucht wenige Tage später am Strand eine Leiche auf - doch es ist nicht die Gesuchte.
Als dann auch noch Thore spurlos verschwindet, dreht sein Vater Theo total durch. Wurden seine Mutter und sein Sohn entführt? Warum meldet sich der Entführer dann nicht? Die Polizei und die Familie stehen vor einem Rätsel.
"Nur sehr zögerlich erwachte der Tag auf Norderney. Der Eindruck, als würde sich die Insel vor dem Hellwerden ducken, täuschte nicht. Denn Tief Sandra zeigte sich hartnäckig und unnachgiebig, ja regelrecht aggressiv. Ein übler Charakter, auf den die Meteorologen da reingefallen waren. Sie hatten das Tief zwar kommen sehen, seine Boshaftigkeit allerdings bei Weitem unterschätzt."

Manfred Reuter kennt "seine" Insel mit all den Schönheiten, aber auch Widrigkeiten, die sie zu bieten hat. Wenn er über Wind und Wetter schreibt, hört man förmlich den Regen an die Fenster prasseln und die Taue der Schiffe an die Hafenwand schlagen. Aber er ist auch ein guter Menschenkenner und Beobachter.
Über die Vermisste schreibt er: "Es schien ihr Vergnügen zu bereiten, das wild wallende Haar immer und immer wieder mit geübten Fingergriffen hinters Ohr zu streichen oder herumwirbelnde Strähnen mit leicht vorgeschobener Unterlippe aus der Stirn zu pusten und dabei den Kopf verspielt zur Seite zu neigen."Norddeutscher Humor


Doch die heile Welt ist bald zerstört. Fast wie ein Thriller liest sich die Handlung. Das hat Manfred Reuter drauf. Menschen durch Geschriebenes zu fesseln, sie bei der Stange zu halten. Das ist das tägliche Brot des Lokaljournalisten. Denn wenn der Leser sich langweilt, klappt er das Buch zu, legt die Zeitung weg.
Doch dazu wird es nicht kommen. Zwischen den düsteren Szenen gibt es aber immer Atempausen - nämlich dann, wenn Oberkommissar Gent Visser und seine Kollegen am Zuge sind. Mit ihrem trockenen, typisch norddeutschen Humor manövrieren sie sich durch den Fall. Unaufgeregt, ohne die Nerven zu verlieren.
Wer Spannung mit einer Prise frischer Meerluft und viel Lokalkolorit in einem Buch vereint sucht, wird von Norderney-Rache nicht enttäuscht sein.Extra

Foto: (e_bit )

Ihr neuer Norderney-Krimi ist ja schon fast ein Thriller - warum ist die Geschichte so düster?

Manfred Reuter: "Ja, in der Tat. Die Geschichte ist düster. Leider möchte das Thema, diese perfide Art der Misshandlung, dass die Stimmung an einigen Stellen beängstigend und gruselig ist. Ich habe mich gründlich in den Stoff eingearbeitet. Auch während des Schreibens wühlte in mir mitunter eine gewisse Fassungslosigkeit darüber, was man Menschen antun kann, in der Magengrube. Ich hoffe aber, ich kann die Stimmung durch meine beiden zupackenden und durchaus humorvoll daherkommenden Ermittler, Gent Visser und Carlo Faust, wieder einigermaßen in die Waage bringen." Als Journalist ist Schreiben Alltagsgeschäft. Da geht es um Fakten, Fakten, Fakten. Ist das Krimischreiben für Sie eher entspannend, weil Sie Ihrer Fantasie freien Lauf lassen können?

Manfred Reuter: "Ja, diesen Unterschied musste ich erst lernen. Eine äußerst mühsame Entwicklung, muss ich gestehen. Mittlerweile kann ich Knall auf Fall umschalten von Journalismus auf Prosa. Entspannend ist die kreative Schreibphase, also das, was nach dem Erstellen der Rahmenhandlung, dem Plot, kommt. Ein Lektorat kann dann später in Arbeit ausarten, diesmal war es allerdings sehr entspannend." Sie wohnen jetzt schon ein paar Jahre nahe Aurich. Was hat der hohe Norden, was die Eifel nicht hat? Und was vermissen Sie da oben?

Manfred Reuter: "Ich wohne mit meiner Familie seit 2009 in einem kleinen Dorf in der Nähe von Aurich. Die größten Unterschiede bestehen darin, dass es hier kaum Kurven und keine Hügel und Berge gibt. Die Menschen sind hier ebenso heimatverbunden und erdverwachsen wie in der Eifel, vielleicht ein wenig direkter. Ich glaube, es waren die Faszination des Meeres und vor allem das Angebot, auf einer Insel arbeiten zu dürfen, die mich damals zum Wechsel bewogen haben. Was ich vermisse? Auch wenn das jetzt unmöglich klingt: meine Kollegen vom Volksfreund, immer noch. Und den Hubertusblick. Und noch ein paar Sachen." sn Manfred Reuter, "Norderney-Rache", Emons-Verlag 2016, 224 Seiten, 10,90 Euro.

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