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Eifeler Bäckermeister aus Speicher erhält Diamanetenen Meisterbrief

Menschen und Auszeichnungen : Seltene Auszeichnung für 87-Jährigen aus Speicher

Wilhelm Becker hat den Diamantenen Meisterbrief erhalten. Dennoch dürften die meisten Eifeler den 87-Jährigen eher als Wirt denn als Bäckermeister kennen.

Wilhelm Becker hat  kürzlich eine Auszeichnung bekommen, die kaum jemand in der Region erhält: einen diamantenen Meisterbrief für 60 Jahre im Bäckerhandwerk. Das letzte Mal, dass diese Ehre einem Eifeler zuteil wurde, ist gut zwei Jahre her. Was sogar Anlass genug für Bernd Elsen, den Vizepräsidenten der Handwerkskammer (HWK) Trier, und den Kreishandwerksmeister Raimund Licht war, den Weg nach Speicher anzutreten.

„Das ist eine ganz seltene Auszeichnung“, sagt Irmgard Busch von der Kreishandwerkerschaft MEHR: „Da wird das Lebenswerk eines Menschen gewürdigt.“ Und ein bewegtes Berufsleben liegt wirklich hinter Wilhelm Becker.

Es beginnt im Westerwald. Im Dorf Büsch wächst der heute 87-Jährige auf, im nahen Asbach absolviert er die Bäckerlehre. 20 Jahre habe er da gelebt, erzählt der Wahleifeler, dann sei es erstmal in die Großstadt gegangen, nach Köln. Dort legt er im April 1961 die Meisterprüfung ab und arbeitet auch noch sechs Jahre hinterm Ofen. Bis er seine Frau kennenlernt und mit ihr vom Rhein in die Eifel zieht.

1968 endet dort dann auch schon das Bäckerleben des Westerwälders. Stattdessen steigt er in die Familientradition seiner Frau ein. Und tauscht den Ofen gegen den Zapfhahn. „Von 1904 an hat ihre Großmutter die Bahnhofsgaststätte in Kyllburg betrieben“, erzählt Becker. Und da steigt er dann auch mit ein.

Der Laden brummt, jahrzehntelang. Denn Kyllburg ist zu dieser Zeit noch ein echter Touristenmagnet. Die Gäste kommen mit dem Zug in die Stadt und landen dann auch häufiger am Bahnhofstresen. Auch Fremdenzimmer gibt es damals in dem Gebäude. „Heute fliegen sie ja alle“, sagt Becker, nach Mallorca statt in die Eifel.

Noch bis 2004 allerdings halten die Beckers die Stellung am Bahnhof, bevor sie die Gaststätte verkaufen und nach Speicher umziehen. Von den drei Kindern will damals auch niemand übernehmen, sie machen Karriere in der Medizin und in der Informatik, „sind alle gut versorgt“. „Ich habe aber noch sehr schöne Erinnerungen an diese Zeit in Kyllburg“, sagt Becker.

Am Tresen stehen jetzt andere. Zumindest, wenn die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind. Denn auch der Bahnhof und die Gaststätte wurden im Juli vom Kyll-Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen.

 Bis 2004 hat Becker hier am Zapfhahn gestanden: in der Bahnhofsgaststätte Kyllburg.
Bis 2004 hat Becker hier am Zapfhahn gestanden: in der Bahnhofsgaststätte Kyllburg. Foto: TV/Christian Altmayer

Die Beckers genießen nun hinegegen den Ruhestand und freuen sich über den diamantenen Meisterbrief.  „Dieser Meisterbrief ist ein Zeichen der Wertschätzung für ein langes Berufsleben“, sagt HWK-Vizepräsident Bernd Elsen.