Eifeler Bauern setzen auf digitale Strategien

Landwirtschaft : Eifeler Bauern setzen auf digitale Strategien: Roboter, übernehmen Sie!

In der Eifel gibt es immer weniger Landwirte. Statt des Nachwuchses, der sich rar macht, setzen Bauern daher immer häufiger auf Maschinen. Anders sei dem Fachkräftemangel nicht beizukommen, sagt ihr Präsident Michael Horper.

Gemächlich trabt die Kuh durch die Drehtür. Angelockt wird sie vom Futter. Doch in der Kammer ist sie freilich nicht zum Fressen. Ein paar Minuten später wird das der Kuh dann auch klar. Ein Greifarm fährt aus und besprüht die Euter mit Desinfektionsmittel. Laser tasten die Zitzen ab – wie einen Strichcode an der Supermarktkasse.  Dann kommen die Schläuche. Sie stülpen sich über die Euter und melken.

Während die Milch abgepumpt wird, kontrolliert ein Landwirt auf einem Bildschirm nebenan alle wichtigen Daten. Wie viel Milch gibt die Kuh hinten rechts im Durchschnitt, wann hat die Kuh vorne links das letzte Mal gekalbt?  Steuern kann der Bauer den Melkroboter per Touchscreen.

Was klingt wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film, ist in der Landwirtschaft längst Alltag. Die Bilder stammen aus einem Video über einen jungen Bauern aus dem Emsland. Aber auch im Eifelkreis greifen Landwirte auf moderne Technologie zurück. Welche Chancen die Digitalisierung für sie bietet, war das bestimmende Thema bei der Jahreshauptversammlung des Kreisbauernverbandes Bitburg-Prüm.

„Die Zukunft der Landwirtschaft ist digital!“, sagt Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau bei der Veranstaltung in Meckel. Doch auch die Landwirtschaft der Gegenwart ist bereits hochtechnisiert: Selbstfahrende Traktoren brettern durch Eifeler Felder. Drohnen fliegen über Äcker und zeichnen Karten. Sensoren messen und geben Auskunft über Wetter, Böden, die Entwicklung von Vieh und Pflanzen.

Nötig sei all diese Technik nicht nur, um die Produktion zu steigern. Es gehe vor allem darum, Bauern zu entlasten. „Wir werden immer weniger auf den Höfen“, erklärt Horper. Die Statistik gibt ihm Recht. Aktuell gibt es hierzulande zwar noch mehr als 2000 Betriebe. In den vergangenen 25 Jahren ist ihre Zahl aber um rund 40 Prozent zurückgegangen. Dass so viele aufgeben, liegt auch am Fachkräftemangel, der so manche Branche auf dem Land betrifft. Junge Menschen ziehen in die Städte, weg von Dörfern und Höfen. Der anstrengende und komplexe Beruf eines Landwirtes schreckt zudem viele ab. Den fehlenden Nachwuchs müssten die Bauern mit Maschinen kompensieren, sagt Horper. Für die Stellen, die durch Roboter womöglich wegfielen, gebe es ohnehin keine Bewerber.

Dass in der Landwirtschaft heute digital gearbeitet wird, ist aber nicht nur der Not geschuldet. Moderne Arbeitsweisen bringen einige Vorteile mit sich. Scanner sehen mehr als Augen. So können Sensoren bestimmen, wie viele Nährstoffe eine Pflanze braucht. Gedüngt werden  kann so sparsamer und umweltverträglicher. Insgesamt werden Lebensmittel in Zukunft günstiger, schneller, kurzum effektiver produziert, ist sich Horper sicher. Doch obwohl kaum ein Tag ohne Innovation vergehe, werden wohl noch Jahre vergehen, bis sich die Technik in der Eifel flächendeckend durchsetzt. Allzu viel Zeit sollten sich die Eifeler Landwirte aber nicht lassen, findet der Präsident des Bauernverbandes, „um die Potentiale des gesellschaftlichen Megatrends nicht zu verpassen.“

Dass dabei möglichst keiner auf der Strecke bleibt, ist das Anliegen der frischgekürten Milchkönigin Katharina Weber aus Pickließem. „Insbesondere ältere Menschen, die nur wenig mit neuen Technologien vertraut sind, dürfen nicht abgehängt werden“, fordert sie bei ihrer Rede in Meckel. Auch Horper spricht vom „lebenslangen Lernen“ eines jeden Bauern.

Da sei vor allem das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum gefragt.  Ältere Semester sollen durch Schulungen auf den neusten Stand der Technik gebracht werden. Aber auch der Nachwuchs müsse früh in neue Strukturen hineinwachsen. Dafür sollte sich die Ausbildung ändern, findet Horper, stärker an der Praxis orientieren.

Aber auch politisch müsse etwas passieren. Damit Landwirte in der Moderne ankommen, brauchen sie schnelles Internet. Die flächendeckende Breitbandversorgung ist da laut Horper aber nur eine Weiche, die gestellt werden muss. Insgesamt müssten Entscheidungsträger dafür sorgen, dass der ländliche Raum wieder attraktiver werde. Horper: „Wir Landwirte müssen hier leben und arbeiten. Wir wollen nicht irgendwann die einzigen sein.“

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