Eifeler Bauern und der Umweltschutz: Das geht durchaus zusammen.

Landwirtschaft und Umweltschutz in der Eifel : Streifen um Streifen

Die Bauern, die Natur und die Nachhaltigkeit: Dass man etwas für Artenvielfalt tun kann, zeigt sich beim Ortstermin mit dem TV in Weinsheim.

Sie nennen es „Greening“, also sinngemäß: Grünmachen – und eigentlich: Ökologisierung. Dabei müsste das, was man am Rand des Silomais-Felds von Landwirt Gerd Sohns in Weinsheim sieht, eher „Buntmachen“ heißen. Er hat dort einen sogenannten Blühstreifen angelegt, in dem neben Grün derzeit Blau und Gelb vorrangig vertreten sind.

Aber egal, Hauptsache, ein griffiger Name: Er steht für die EU-weite Förderung umweltschützender Schritte in der Landwirtschaft. „Wir machen Greening“, heißt also auch die Kampagne von Bauernverband, Imkerbund und weiteren Einrichtungen. Dahinter steckt der Umstand, dass die Landwirtschaft sich mehr und stärker um nachhaltigen Schutz von Böden, Gewässern, Pflanzen- und Tiervielfalt kümmern muss. Das soll eben auch erreicht werden über das Anlegen dieser Rand- oder Pufferstreifen, mit denen man auch dem monokulturellen Wildwuchs etwas entgegenhalten will.

Foto: Fritz-Peter Linden

Schwieriges Thema, insgesamt. Die Bauern sehen sich ohnehin schon immer in der Kritik. Gerade in den vergangenen Tagen machte wieder eine Studie im Auftrag des Bundestags die Runde, zuerst berichtete die Süddeutsche Zeitung über die Ergebnisse der Forscher. Kernkritikpunkte: Zu viel – und weiter steigender – Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, weniger Artenvielfalt, hochintensive Nutztierhaltung und weitere Probleme wie Gülle, Nitrat, der ganze, naja, Mist eben.

Und doch: Die ersten tun etwas. Wie eben Gerd Sohns. Von den fünf Hektar Ackerfläche hat er knapp ein Zehntel für den Blühstreifen bereitgestellt, gut zu erkennen von der nahen Bundesstraße 410. Zwar erhält er weiter die EU-Förderung für die Gesamt-Ackerfläche, verzichtet aber eben auf den Ertrag, den ihm der halbe Hektar einbringen würde, wenn er auch den mit Mais bepflanzt hätte. Zusätzlich hat er außenherum noch eine Grünfläche unbeackert gelassen, die an die vorbeifließende Nims grenzt. Aber die Fläche, sagt er, „haben wir schon 1993 angelegt“.

Im Weinsheimer Blühstreifen (von links): die Landwirte Gerd Sohns und Gereon Ney, Imker Jonas Grün, Andreas Lenz vom Bauernverband und Andreas Hommertgen vom Dienstleistungszentrum ländlicher Raum in Bitburg. Foto: Fritz-Peter Linden

Typisches Förderdschungel-Kuriosum übrigens: Hätte Sohns diesen Nims-Schutzstreifen nicht schon so früh eingerichtet und würde ihn erst jetzt stillegen, bekäme er dafür auch die EU-Prämie. So aber müsste er erst wieder einen Acker daraus machen, den dann rückumwandeln und könnte dann dafür Förderung beantragen.

Ortstermin in Weinsheim: Neben Bauer Sohns dabei sind unter anderem sein Kollege aus Brühlborn, Gereon Ney, der Reuther Imker Jonas Grün, Andreas Hommertgen vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum und für den Bauernverband Rheinland-Nassau Präsident Michael Horper und Andreas Lenz vom Bitburger Büro des Kreisverbands.

Horper, ganz Lobbyist für seine Leute, weist darauf hin, dass ein solcher Blühstreifen nur die sichtbare Variante dessen ist, was etlliche Bauern bereits tun: Auch Kleeflächen zählen dazu, sind aber nicht so deutlich erkennbar. Oder das Einsäen von Gras in die bestehenden Maisäcker, um Stickstoff zu binden und der Bodenerosion entgegenzuwirken. Wie wichtig gerade Letzteres ist, haben die Unwetter des vorigen Jahrs gezeigt, als ganze Maisfelder in Eifeler Häuser gespült wurden.

„Wenn ich hier jetzt Bienen hinstellen würde“, sagt Imker Grün mit blick auf den Blühstreifen, „dann würden die da reingehen.“ Die Fläche reiche für etwa zwei Völker. Und sei ein guter Schritt, nicht zuletzt für die wichtige Pollenversorgung der Insekten. Außerdem, ergänzt Andreas Hommertgen, seien die Streifen von der Mischung her (unter anderem Lupinen, Sonnenblumen, zwei Kleesorten, Senf, Kornblume und Klatschmohn) so angelegt, „dass es einen kontinuierlichen Wechsel im Blütenverlauf gibt.“ Das heißt: Die gesäten Sorten blühen nacheinander, in unterschiedlichen Farben.

Ist das also gut fürs Auge? Oder auch für Insekten und die Natur insgesamt? „Eigentlich für alles“, antwortet der Pflanzenbau-Fachmann.

Imker Grün und Bauer Ney, der ebenfalls schon länger Blühstreifen an seinen Feldern hat, kooperieren seit drei Jahren: „Er baut Raps an“, sagt Grün, „und ich stell zur Blüte meine Bienen rein.“ Denn sein Raps brauche die Bienen zur Bestäubung, die durch ihre Arbeit den Kornertrag steigern.

Und wenn jetzt alle Bauern, überall, solche Pufferstreifen anlegen würden? „Dann wäre die Welt gerettet“, sagt Gerd Sohns und lacht. Nein, natürlich nicht. Und auch wenn damit ein vielversprechender Anfang gemacht sei, sagt Michael Horper – es dürften ruhig noch mehr Landwirte sich der Sache anschließen. Aber jeder Wandel müsse so gestaltet sein, „dass er auch für die immer weniger Landwirte zu bewerkstelligen ist“.

Auch in Bitburg-Mötsch läuft ein solches Projekt: Landwirte, die Kita und ein Imker sind dabei. 20 000 Quadratmeter Fläche von drei Jungbauern und Privatleuten sollen aufblühen – und zwar mit bienenfreundlichen Wildblumen.

„Wir haben noch mehr Hausaufgaben zu machen“, sagt Michael Horper. „Aber man muss manchmal auch den Fuß vom Gas nehmen. Sonst schaffen die Landwirte das nicht.“ Zumal sie ohnehin schon an so viele Regeln gebunden seien. Allerdings sieht er auch eine andere Entwicklung vorher, der sich sein Berufsstand nicht verschließen dürfe: „Die konventionelle Landwirtschaft wird grüner. Und der Ökolandbau wird professioneller.“

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