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Eifeler Busunternehmer darf weiterfahren

Linienbündel geht erstmals an regionale Bewerber : Andrés Busse rollen weiter

Das Prümer Busunternehmen Gebrüder André hat den Zuschlag für das Linienbündel Schneifel erhalten, das im Dezember starten soll. Er ist der einzige regionale Bewerber, die sich hier durchsetzen konnten.

Es ist ruhiger als sonst auf dem Betriebshof der Firma „Gebrüder André“ in Niederprüm. So still wie auf vielen Fuhrparks der Region. Es ist eine Zwangspause, ausgelöst durch den Ausbruch von Covid-19. Der Öffentliche Nahverkehr rollt zwar noch. Aber ein großer Teil des Geschäfts ist in den letzten Wochen weggebrochen: der Schulbusverkehr. Denn zum geschlossenen Gymnasium muss man derzeit ja niemanden kutschieren. Deshalb gilt der Ferienfahrplan.

„Unser Unternehmen bekommt die Krise daher schon zu spüren“, sagt Firmenchef Werner André: „Bei den Reisetouristikern sieht es aber noch übler aus. Die können einem wirklich leid tun.“

Zumindest aber hat André eine gute Perspektive für die Zeit nach Corona. Denn der Verkehrsverbund in der Region Trier (kurz: VRT) hat der Firma den Zuschlag für das Linienbündel Schneifel erteilt. Und damit auch eine Existenzgrundlage gegeben. „Die Verkehre in den Bündeln werden für zehn Jahre vergeben. Wer dabei nicht zum Zug kommt, kann dichtmachen“, hatte André noch im Dezember unserer Zeitung gesagt. Umso mehr freut sich der Busunternehmer nun, dass er weitermachen kann.

Dass der Auftrag an die Prümer Firma ging, erscheint auf den ersten Blick naheliegend. Schließlich sind Andrés Busse seit Jahrzehnten auf den Straßen rund um Prüm, Gerolstein und dem belgischen Sankt Vith unterwegs. In der Vergangenheit aber hatten im Eifelkreis und auch in anderen Teilen der Region Trier meist überregionale Unternehmen das Rennen gemacht. Und heimische Bewerber hatten den Kürzeren gezogen. Nun hat es aber doch für einen regionalen Anbieter geklappt, das Paket zu gewinnen.

Am 13. Dezember dieses Jahres geht das Linienbündel offiziell an den Start. 25 neue Linien sollen dann nach aktuellem Planungsstand im Nordwesten der Region befahren werden. Das Angebot soll dabei erheblich verbessert werden, schreibt ein VRT-Sprecher: „Wo früher häufig Busse nur morgens und mittags gefahren sind, gibt es ab Dezember vielerorts ein verdichtetes Busangebot.“ Das heißt konkret: Mindestens alle zwei Stunden werden Verbindungen auf den Hauptachsen geschaffen.

Diese „Hauptachsen“ bilden die beiden Linien 460 und 465. Erste verläuft von Gerolstein über Lissingen, Büdesheim, Wallersheim, Prüm, Pronsfeld, Arzfeld, Daleiden, Dasburg bis nach Clervaux, wo unter anderem das Industriegebiet Marnach angebunden wird und ein Bahnanschluss weiter ins Großherzogtum zur Verfügung steht.

Und die Linie 465 startet ebenfalls in Gerolstein und fährt parallel zur Linie 460 bis nach Prüm. Von dort geht es weiter über Sellerich, Bleialf, Winterspelt bis Sankt Vith.

„Mit den neuen Verbindungen nach Luxemburg und Belgien wächst Europa auch im öffentlichen Bus- und Bahnverkehr Stück für Stück weiter zusammen“, schreibt ein Sprecher des VRT.

Die ländlichen Gebiete in der Schneifel werden zudem mit einem Rufbus angebunden. Das heißt: Der Bus kommt nur, wenn sich ein Fahrgast vorher anmeldet.

Ein solches Angebot soll vorerst auch für das Arla-Werk in Pronsfeld genügen, bis dieses 2022 im Linienbündel Waldeifel angebunden wird. Was im Vorfeld der Vergabe des Paketes bereits für Unmut sorgte (der TV berichtete).

Das Problem: Derzeit können wegen der Ansteckungsgefahr durch Corona auch keine Ausschusssitzungen stattfinden. Das heißt: Mögliche Lösungen können nicht beraten werden. Busunternehmer André ist aber zuversichtlich: „Wir werden da schnell eine vernünftige Lösung hinbekommen. Als Firma aus der Region sind wir sehr daran interessiert, dass die rund 1000 Mitarbeiter eine gute Anbindung bekommen.“

Vorher gilt es für André und seine Branchenkollegen nun aber die Corona-Krise zu bewältigen. Und dafür auch verschiedene mögliche Fördertöpfe anzubohren. „Ich kann nur an die Politik appellieren, uns zu unterstützen“, sagt André: „Damit nach dem Virus noch Busunternehmer und auch genügend Personal vorhanden ist, damit der Verkehr weiter rollen kann.“