Eifeler Einzelhändler sind skeptisch

Eifeler Einzelhändler sind skeptisch

BITBURG/DAUN. Der traditionelle Schlussverkauf gehört der Vergangenheit an. Eine Gesetzesänderung ermöglicht statt des jeweils zweiwöchigen Tiefpreisspektakels frei terminierbare Sonderverkäufe. Eine TV -Umfrage klärt: Was bringt das den Kunden und Einzelhändlern in der Eifel?

Zum letzten Mal gibt es für saisonale Waren in Deutschland das wohl organisierte Schlussverkaufsfieber, das exakt zwei Wochen lang die Einkaufstaschen begeisterter Schnäppchenjäger mit heruntergesetzter Kleidung füllt. Derlei Billigpreisgestaltung soll nun in jedem Geschäft das ganze Jahr über in Eigenregie möglich sein. Damit erfüllt sich eine Forderung der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels (HDE), und die Zustimmung der einschlägigen Läden auch in der Eifel sollte also gewiss sein. Weit gefehlt, wie eine Umfrage des TV bei betroffenen Modehäusern ergibt. "Der HDE vertritt nur die ganz Großen", ist Karl-Heinz Schildgen aus Gerolstein enttäuscht. "Verbrauchern wird Sand in die Augen gestreut"

Er befürchtet, dass sich das Minus in den Kassen für die Klein- und Mittelzentren noch vergrößern wird. "Dabei wird letztlich den Verbrauchern Sand in die Augen gestreut, denn dauernde Billigaktionen rechnen sich nur kurzfristig für die großen Häuser, die sich das vorübergehend mit Mischkalkulationen leisten können. Am Ende sind die Kleinen weg, dann haben die Großen ein Monopol und die Kunden das Nachsehen." In dieser Kritik sei er sich mit der Fachpresse wie "Textil-Wirtschaft" einig, die negative Folgen von der Neuregelung erwarte. Auch Gisela Esselen aus Hillesheim kann in der Gesetzesänderung nichts Positives sehen. Vor allem beklagt sie, dass die Glaubwürdigkeit den Kunden gegenüber bei ganzjährig immer wieder reduzierten Preisen schwindet. Zudem fehlten nun bei Saisonende die besonderen Absatzmöglichkeiten. Doch es bleibe nichts anderes übrig, als mit der großen Masse mitzuschwimmen, zieht sie ein resignierendes Fazit. Wenig begeistert äußert sich auch Jürgen Lehnen aus Kelberg, aber er erwartet von der Neuregelung keine großen Änderungen, da die Schlussverkäufe in den vergangenen Jahren ohnehin schon rückläufig gewesen seien. Optimistischer zeigt sich das Modehaus Nickel mit Filialen in Bitburg und Prüm: "Wir hier fürchten keine Konkurrenz etwa in Trier, bei uns zählt die gute Bedienung." Mit gelassener Beharrlichkeit ist klar: Die Schlussverkäufe bleiben so, wie es die Kunden bisher gewohnt sind: "Die freuen sich doch richtig drauf." Glaubwürdigkeit ist dort ebenfalls ein wichtiges Argument, um bei dem bislang Bewährten zu bleiben. Ralph Mayer von Raphael Herrenmoden in Bitburg zieht die üblichen Schlussverkäufe ebenfalls vor und zählt auf qualitätsbewusste Stammklientel. Bei Ingo Pott lautet das knappe Fazit, es sei "in Ordnung, wenn jeder es so halten kann, wie er will". Nicht groß beunruhigt ist Udo Stritzke, Schuhhändler, Vorsitzender des Dauner Gewerbe- und Verkehrsvereins und Vorsitzender des Handelssausschusses bei der IHK Trier: "Grundsätzlich sind die traditionellen Termine immer noch wichtig und im Bewusstsein auch der Kunden verankert, sie wurden nicht einhellig abgeschafft, sondern viele Händler wollen sie erhalten." Doch die Fristen seien schon in den Vorjahren nicht mehr fest eingehalten worden, und nun gelte es vor allem für die kleineren Geschäfte, die Entwicklung abzuwarten und miteinander Erfahrungen auszutauschen.