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Eifeler Gemeinden kümmern sich um Senioren

Sefferner Modell macht Schule : Epidemie-Vorsorge: Eifeler Gemeinden kümmern sich um Senioren

Der Ausbruch des Corona-Virus hat im Eifelkreis eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Nach dem Dorfförderverein Seffern wollen nun auch viele andere Vereine und Gemeinden, Einkäufe für ältere und kranke Menschen übernehmen.

Manche Krise bringt das Übelste im Menschen zum Vorschein. Das beweist auch die Ankunft von Covit-19 in Deutschland. Wenn im Krankenhaus die Desinfektionsmittel geklaut werden, in Supermärkten die Kämpfe um Klopapier und Nudeln eskalieren und im Netz bewusst Falschmeldungen verbreitet werden, um Panik zu schüren.

Manchmal fördern Krisen aber auch die Mitmenschlichkeit. Das lässt sich seit Freitag auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm bestaunen, wo der Ausbruch des Corona-Virus eine Welle von Hilfsbereitschaft ausgelöst hat. In etlichen Dörfern bieten jüngere und gesunde Menschen jetzt an, für Ältere oder Kranke einkaufen zu gehen. Damit diese nicht nach draußen müssen, wo die Gefahr einer gefährlichen Infektion lauert.

Angefangen hat das alles in Seffern. Mit einer Idee von Markus Schlickat, dem Vorsitzenden des dortigen Dorffördervereins. Bei der Ansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Fernsehen habe er sich gefragt, was er vor Ort tun kann, um seine Mitmenschen zu schützen. Und dabei sei ihm der Einfall gekommen, einen Bestelldienst für Sefferner Senioren ins Leben zu rufen.

Wer Angst hat aus dem Haus zu gehen, kann sich per Telefon bei Schlickat melden (0173/2604815). Und der organisiert dann einen Helfer, der den Botengang übernimmt. Freiwillige, sagt der Vereinsvorsitzende, gibt es dafür mittlerweile genug. In einer Whatsapp-Gruppe seien inzwischen 30 Interessierte.

Der erste Auftrag: Ein Sefferner sei kürzlich aus dem Urlaub in Südtirol zurückgekommen. Und habe sich danach selbst eine Quarantäne verordnet, bis das Ergebnis des Corona-Tests feststeht. In der Zwischenzeit wird der Dorfförderverein für ihn einkaufen. Für das kommende Wochenende hätten sich zudem einige Senioren angemeldet, die auf das Angebot zurückkommen wollen. „Derzeit sind die noch alle gut versorgt“, sagt Schlickat. Läuft also.

Ein größerer Erfolg sei es aber für ihn, dass die Aktion so viele Nachahmer gefunden habe. Tatsächlich sind etliche Vereine und Ortsgemeinden quer durch den Eifelkreis inzwischen dem Beispiel der Sefferner gefolgt.

Die Dorfgemeinschaft und die Vereinsgemeinschaft Echternacherbrück kündigt etwa an, „älteren Menschen in diesen schweren Zeiten unter die Arme zu greifen.“ Konkret sieht das so aus, dass Senioren den drei Damen Angelika Schrauf, Brigitte Conter oder Gabi Malget-Baudisch ihre Einkaufszettel in den Briefkasten werfen sollen. Die Frauen liefern die Ware dann nach Hause.

Ähnlich läuft es künftig in Bickendorf und Preist. Hier übernehmen die Fördervereine die Koordination des Botendienstes. Wer etwas aus Bitburg oder Speicher benötige, - egal, ob Lebensmittel oder auch Medikamente - solle sich melden (in Preist bei Ralf Mandernach: 06562/930704 oder 0152/23164600, in Bickendorf bei Wilfried Kootz: 01709969889).

Die Dorfchefs von Daleiden (0151/17331924), Eisenach (0151/68866818) und Baustert (0170/2024595) haben ebenfalls Unterstützung zugesagt. In Pronsfeld fährt der Bürgerbus zusätzliche Runden. Im Notfal will sich Ortsbürgermeister Harald Urfels sogar selbst ans Steuer setzen (06556/900236 oder  0171/7989905).

„Helfende Hände“ gibt es auch in Speicher. Hier hat sich ein Freiwilliges Netzwerk um Jürgen Rauschenbach (0151/50964896) und Katja Zunker (0152/28791420) gegründet. Das Angebot laut Flyer: „Wir erledigen gerne Einkäufe, Besorgungen oder andere Aufgaben für Sie — natürlich kostenlos im Rahmen von Nachbarschaftshilfe.“

In Spangdahlem organisieren Barbara Krebs (06565/4040) und Nadine Berger (06565/9587099) ein Hilfsangebot für die Risikogruppe. Auch Helfer können sich gerne an die beiden Frauen wenden.

Andreas Kruppert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arzfeld, bietet den Bürgern ebenfalls einiges. Bei Facebook hat er ankündigt: Unter der Nummer 06550/9740 könnten sich alle Senioren aus der VG melden. Die Verwaltung kümmere sich dann um Besorgungen.

Die Stadt Prüm hat im Haus der Jugend eine Koordinierungsstelle für Bürger (06551/6346) eingerichtet. Das Ziel: Versorgungsfahrten für Menschen in Quarantäne zu übernehmen und für alle, die aus Vorsicht zu Hause bleiben. Die Koordinierungsstelle ist von Dienstag an erreichbar, täglich zwischen 9 und 12 Uhr. Zugleich würde man sich über freiwillige Helfer freuen, die mit dem Bus des HdJ Erledigungen tätigen.

Aus der Stadt Bitburg ist ein solches Angebot bislang nicht bekannt. Allerdings haben die Ortsteile Mötsch, Erdorf und Matzen einen Einkaufsservice geschaffen. Melden können sich Betroffene bei den Ortsvorstehern. In Erdorf wäre das Werner Becker (06561/7515) und in Mötsch Heiko Jakobs (06561 12525). In Matzen wurde unter 06561/98 001 eine Bürgerhotline eingerichtet.

Sie kennen weitere Beispiele für Nachbarschaftshilfe im Eifelkreis? Dann melden Sie sich unter eifel@volksfreund.de an unsere Redaktion. Wir berichten gerne über die Angebote.