Eifeler Grünen-Landtagsmitglied meldet für seinen Bauernhof Insolvenz an

Eifeler Grünen-Landtagsmitglied meldet für seinen Bauernhof Insolvenz an

Der Eifeler Landwirt Dietmar Johnen hat es bei den Wahlen im März unerwartet vom Listenplatz 16 bei den Grünen in den rheinland-pfälzischen Landtag geschafft. Dem Sprung ins Parlament folgt nun ein deutlich schwererer Schritt: Er meldete für seinen Hof in Großkampenberg Insolvenz an - und geht offen damit um.

Großkampenberg. "Der Schritt dahin ist wirklich schwer", sagt Dietmar Johnen beim Gespräch in der Prümer TV-Redaktion. Aber er ist ihn gegangen: Im Dezember meldete er Insolvenz an. Und er nahm sich vor, die Angelegenheit publik zu machen: "Wie ein Christian Wulff gehe ich nicht mit der Sache um. Wenn man etwas ändern will, dann darf man sich nicht verkriechen."
Denn er sei kein Einzelfall, und darauf will er hinweisen: "Von 1999 bis 2010 nahm die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe in Rheinland-Pfalz laut Statistischem Landesamt um 15000 Höfe ab", erklärt er. Und weist darauf hin, dass sich dahinter viele Insolvenzfälle versteckten.
Dieses Höfe-Sterben ereigne sich meist im Stillen, sagt Johnen. "Das erfährt in der Regel keine mediale Öffentlichkeit mehr. Nun betrifft es eben mich, wie schon Tausende andere meiner Kollegen in Deutschland." Und das sei zumindest ein positiver Aspekt: "Da ich als Landtagsabgeordneter in einem gewissen öffentlichen Interesse stehe, wird vielleicht an meinem Beispiel wieder etwas publikumswirksamer deutlich, wie gefährdet die klassische bäuerliche Landwirtschaft und damit ein Teil unserer Kultur ist."
Wie rutschte Johnen in die Bredouille?
Er erklärt es mit dem dramatischen Milchpreisverfall vor drei Jahren: Damals geriet er in Verzug mit fälligen Raten und Pachtzahlungen. Johnen hatte den von ihm betriebenen Hof vor elf Jahren gekauft - er erwarb Ökonomiegebäude, Vieh und Milchquote vom Vorbesitzer, außerdem pachtete er dessen landwirtschaftliche Flächen.
Mit dem Zahlungsverzug, so die vertragliche Regelung, wurde jedoch die Restkaufsumme für die Gebäude fällig, außerdem endete automatisch der Landpachtvertrag - damit war Dietmar Johnen praktisch die wirtschaftliche Grundlage entzogen.
Johnen weist Gerüchte zurück



Johnen zahlte zwar bald die ausstehenden Raten wieder, verkaufte aber das Milchvieh und stellte auf die weniger flächen- und kostenintensive Schafzucht um. Dazu erwarb er 30 Muttertiere, die allerdings bislang noch keine Erträge brachten, da sie zuerst lammen und dafür Milch produzieren müssen. Die Forderung nach der Restkaufsumme für den Hof blieb zudem bestehen - und das abzutragen, sagt der vom Amtsgericht Bitburg bestellte Insolvenzverwalter Hans-Dieter Ehlenz, werde schwierig.
Johnen tritt auch Gerüchten entgegen, die sich um seine Landtagskandidatur drehen: So ist ihm zu Ohren gekommen, dass er sich nur aufgrund der Probleme mit seinem Hof für Bündnis 90/Die Grünen habe aufstellen lassen. "Quatsch", sagt der 46-Jährige: Auf seinem Listenplatz 16 habe er nun wirklich nicht damit gerechnet, ins Landesparlament gewählt zu werden. "Die ersten Hochrechnungen haben wir nicht glauben wollen."

Mit der Eröffnung des Verfahrens in der ersten Januarwoche hofft der gelernte Landwirt nun, den Betrieb auf lange Sicht weiterführen zu können - auch wenn er nicht weiß, ob er das in Großkampenberg tun kann oder gar will. Er betont aber, dass er als Abgeordneter ja noch gut versorgt und deshalb besser gerüstet sei als manch anderer: "Ich selbst habe noch gute Chancen auf eine ökonomische Erholung, den meisten der betroffenen Kollegen geht es noch deutlich schlechter."
Extra

Dietmar Johnen wurde 1965 in Aachen geboren. Der staatlich geprüfte Landwirt und Familienvater schaffte es bei den Landtagswahlen 2011 für Bündnis 90/Die Grünen überraschend von Listenplatz 16 in die 18-köpfige Parlamentsfraktion. Johnen ist stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten. fpl