Eifeler Kreistag: Junge Hüpfer unter alten Hasen

Kommunalpolitik : Eifeler Kreistag: Junge Hüpfer unter alten Hasen

Kommunalpolitik wird vor allem von älteren Männern gemacht. Im Kreistag Bitburg-Prüm etwa liegt der Altersschnitt bei über 55 Jahren, der Frauenanteil bei unter 30 Prozent. Doch es gibt auch Gegenbeispiele.

Carolin Hostert ist gerade volljährig, als sie 2014 für die CDU in den Kreistag gewählt wird. Seitdem liegt eine schwere Last auf den Schultern der Arzfelderin – zumindest statistisch gesehen: Sie muss fast 30 000 Eifeler repräsentieren und damit rund 30 Prozent der Bürger des Landkreises Bitburg-Prüm. So hoch ist der Anteil der unter 30-Jährigen in der Kommune. Im Kreistag liegt er bei 2,2 Prozent. Anders ausgedrückt: Die heute 23-Jährige ist die einzige im Gremium, die die 30 noch nicht hinter sich gelassen hat. Wenn es nach ihr geht, soll das aber nicht so bleiben. „Es wird Zeit, dass die Älteren die Jüngeren ranlassen“, fordert die Theologiestudentin. Es gebe einige, die Politik in der Eifel mitgestalten wollen. Aber viele Parteien würden ihnen keine Chancen geben.

Schlägt sich das auch in den Zahlen nieder? Im Schnitt sind die Mitglieder des Kreistags 57 Jahre alt. Zum Vergleich: Im Bundestag und im Landtag Rheinland-Pfalz sind es sieben Jahre weniger. Die Mehrheit im Eifeler Gremium ist zwischen 50 und 65 Jahren. Wenige Jüngere wie Nico Steinbach (SPD, 34), Marco Burbach (35, Die Linke) und Andreas Kruppert (CDU, 39) senken den Schnitt. Andere Kommunalpolitiker zählen allerdings mehr als doppelt so viele Lenze.

Zwei Eifeler haben sich in der laufenden Legislaturperiode aus Altersgründen aus dem Kreistag zurückgezogen: der Sozialdemokrat Erdal Dogan und die Liberale Marie-Luise Niewodniczanska. Für Hostert war ihr Abschied „ein mutiger und kluger Schritt“. Die beiden hätten damit „ein Zeichen gesetzt“. Gesehen haben das aber offenbar nicht alle im Kreistag. Die Freie Wählergemeinschaft (FWG) ist die älteste Fraktion im Kreistag mit einem Schnitt von 64,5 Jahren. Der Fraktionsvorsitzende Dirk Kleis erklärt das auf TV-Anfrage so: Das Durchschnittsalter sei gestiegen, weil nach der Wahl von Rudolf Rinnen und Paul Lentes zu Kreisbeigeordneten mit Monika Rolef (78) und Erich Reichertz (74)  ältere Kandidaten nachgerückt waren. Darüber hinaus gibt der Prümer aber zu: „Auch für die FWG ist es schwierig, junge Menschen für die ehrenamtliche Arbeit zu begeistern.“ Er sehe das Problem in einem „gesellschaftlichen Trend“. Eine spezielle Schwierigkeit  für die Freien Wähler sei aber, dass sie keine Jugendorganisation haben. Und weil alle Mitglieder ehrenamtlich aktiv sind, gebe es auch „kein Karriereversprechen“.

Bei der SPD kann man hingegen Karriere machen. Das beweist der Landtagsabgeordnete Nico Steinbach. Mit 34 Jahren ist der Berufspolitiker aus Oberweiler das zweitjüngste Mitglied im Kreistag und der junge Hüpfer in einer Fraktion vergleichsweise alter Hasen. Das Durchschnittsalter der Sozialdemokraten liegt bei 61 Jahren und ist das zweithöchste im Gremium. „Kein Problem“ sieht darin der Vorsitzende Bernd Spindler: „Auch Menschen über 60 stehen mitten im Leben.“ Trotzdem bemühe sich der Kreisverband um „Ausgewogenheit“. Aktuell spiegelt sich diese zwar kaum in der Fraktion wider. Kreisverbandschef Steinbach rechnet aber damit, dass 2024, nach der nächsten Legislaturperiode, ein Generationswechsel einsetzen wird: „Dann werden die internen Bemühungen um den Nachwuchs hoffentlich sichtbar.“ Aber auch auf der Liste für den Mai reiche die Bandbreite der Kandidaten „von 18 bis 60 Plus“. Er gibt aber zu: „Unsere Aufgabe ist es, in Zukunft noch stärker auf Interessierte zuzugehen.“

Dass es für Jüngere schwer ist, in die Riegen der Kommunalpoltik aufzusteigen, glaubt Steinbach übrigens nicht: „Die Hürden sind für junge Menschen nur vordergründig. Die eigentliche Voraussetzung ist eine hohe Motivation. Dann stehen innerhalb der Partei alle Türen offen.“ Warum trotzdem so wenige Eifeler Genossen seinem Beispiel gefolgt sind, mit Mitte 20 in die Kommunalpolitik einzusteigen, kann er nicht sagen. Womöglich liege es daran, dass Politik ein „komplexer Bereich“ sei und einen „zeitintensiven Einsatz“ verlange. Laut Parteifreund Spindler komme hinzu, dass junge Menschen sich nicht mehr gerne an Parteien binden, sondern lieber „projektbezogen“ mitarbeiten wollen. Dies sei ein Problem aller politischem Vereinigungen.

Das kann CDU-Fraktionschef Michael Billen nicht bestätigen: „Wenn eine Partei auf junge Menschen aktiv zugeht und ihnen Chancen gibt – und das tut der Kreisvorstand der CDU –, dann gewinnt man auch Nachwuchs.“ Neben Carolin Hostert sitzen zwar auch bei den Christdemokraten keine weiteren unter 30-Jährigen. Die Fraktion ist allerdings mit einem Durchschnittsalter von 50 die jüngste im Kreistag. Das erklärt Billen so: „Wir versuchen bei jeder Listenaufstellung, dem Generationenwechsel gerecht zu werden.“

Carolin Hostert weiß das zu würdigen. Vor der vergangenen Kommunalwahl 2014 hatten die Christdemokraten der damals 18-Jährigen Listenplatz 4 von 48 überlassen. Und auch vor der Wahl im Mai steht Hostert auf diesem Rang. „Da war viel Wohlwollen dabei“, sagt die Arzfelderin. Auch die anderen jüngeren Bewerber seien mit den Platzierungen zufrieden, die die Partei ihnen angeboten habe. Und verweist auf denden Geichlinger Studenten Christian Mörsdorf (Listenplatz 10). Sie fügt aber hinzu: „Luft nach oben gibt es immer.“

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