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Eifeler Landwirte freuen sich über das Hochwasser

Landwirtschaft : Ernte gut, alles gut?

Einige Eifeler Flüsse sind in den vergangenen Tagen über die Ufer getreten. Dabei wurden auch Felder überschwemmt. Dem Wintergetreide tut das in der Regel nicht gut. Manch ein Landwirt freut sich trotzdem über das Wasser.

Grasbüschel bilden Inseln im Wasser. Meterhohe Pflöcke ragen aus der braunen Suppe hervor. Sind das etwa die Überreste steinzeitlicher Pfahlbauten? Weit gefehlt: Es handelt sich um die Hopfenstangen des Holsthumer Landwirtes Andreas Dick. Die Prüm ist in dem Südeifelort über die Ufer getreten und hat dabei einen Teil seines Feldes überschwemmt.

Schuld daran ist das Tief „Burglind“ und der Dauerregen. Der Sturm habe Dick – so sagt er – das größte Hochwasser seit mehr als fünf Jahren beschert. Gearbeitet werden könne auf dem Acker derzeit nicht. Wird das Bitburger Pils 2018 also ohne den Eifeler Siegelhopfen auskommen müssen? Dick gibt Entwarnung: „Auf die Ernte wird das Hochwasser keine Auswirkung haben“. Der Hopfen sei ja im Herbst eingefahren worden. Die Ranken müssen erst wieder wachsen. Noch hangeln sich keine Pflanzen hoch. Trotzdem blüht auch im Winter das Leben auf Dicks Feld – oder sagen wir: Es grünt. Denn Dick arbeitet mit einer sogenannten Zwischenfrucht. Die wächst zwischen den Anbauzyklen des Hopfens. Senf, Winterkorn und wilder Rasen bedecken sein Feld und schützen es so auch vor Hochwasser. Denn die Wurzeln halten die Erde fest. Fruchtbarer Boden wird daher nicht weggespült. Das Bitburger Pils ist also gerettet. Eigentlich, sagt Dick, könne er sich über die Überschwemmung sogar freuen. So gelange endlich wieder genügend Wasser in die Erde. Die vergangenen Jahre seien sehr trocken gewesen. Am liebsten hätte es Dick, wenn es jetzt noch richtig kalt werden würde. Denn wenn die ganze Flüssigkeit, die nach dem Sturm im Boden liegt, gefriert, dehnt sie sich aus. Die Folge: Der Boden springt auf, wird gelockert. Das Wetter kann so zum natürlichen Pflug werden.

Auch Michael Horper würde ein bisschen Winterfrost begrüßen. Und das nicht nur, weil die Kälte das Ungeziefer töte. „Die Natur muss einfach mal zur Ruhe kommen“, sagt der Vorsitzende des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau. Dezember und Januar seien viel zu warm gewesen. Pflanzen treiben daher früher aus. Später Frost kann viel größere Schäden anrichten. Sie stimmt also doch, die alte Bauernregel: „Ist der Winter warm, wird der Bauer arm.“ „Burglind“ werde die Bauern aber nicht arm machen. Da ist sich Horper sicher. Bei Nässe faule das Wintergetreide zwar schnell. Wenn es aber ein paar Tage trocken bleibe, würden sich die Bestände erholen. Inzwischen sei das Wasser größtenteils abgeflossen. Eigentlich, sagt auch Horper, können die Landwirte froh sein, dass wieder mehr Wasser im Boden ist.