1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Eifeler Linker spricht über Abzug aus Spangdahlem und Gerechtigkeit

Interview mit Manuel Eppers (Die Linke) : Linken-Kandidat aus der Eifel will Arbeitnehmer stärker in den Blick nehmen

Manuel Eppers ist der Direktkandidat für die Linke im Eifeler Wahlkreis 202. Im TV-Interview erzählt er, warum er kein Lifestyle-Linker ist, was auch seine eigene Partei verkehrt macht und warum er einen Abzug der Amerikaner aus Spangdahlem fordert.

Manuel Eppers ist ein Linker, wie es sie laut seiner Parteifreundin Sahra Wagenknecht nur noch selten gibt. Der 34-Jährige arbeitet als Elektriker für Betriebstechnik in Trier und engagiert sich bei der Gewerkschaft IG Metall. Er wohnt in Herforst, einem Dorf bei Speicher, isst Fleisch und hält das Gendern für eine Art akademisches Luxusproblem.

Er ist also praktisch der Gegenentwurf zu dem, was Sahra Wagenknecht einen „Lifestyle-Linken“ nennt: eine Art studierter Großstadthipster, der anderen seine Weltsicht aufdrängen will. Und sich mehr um die Interessen von Minderheiten schert als um die der Arbeiterschaft, dem klassischen Wählerklientel der Linken.

Hat Manuel Eppers also bessere Chancen, das Direktmandat im Wahlkreis 202 zu holen? Im TV-Interview spricht der Schatzmeister des Kreisverbandes Bitburg-Prüm über soziale Gerechtigkeit, die zunehmende Politikverdrossenheit aber auch die Fehler seiner linker Parteien.

Herr Eppers, die Eifel ist sicher keine Hochburg der Linken. Noch nie hat ein Direktkandidat ein zweistelliges Ergebnis eingefahren. Woran liegt das und wie hoch schätzen Sie die eigenen Chancen ein?

Manuel Eppers: Formal hat jeder Kandidat die gleichen Chancen. Aber natürlich ist mir klar, dass hierzulande immer die CDU das Mandat gewonnen hat. Warum das so ist, kann ich mir nicht erklären. Denn bei unserem Programm, das die niedrigen Einkommen entlastet, müssten die meisten Arbeitnehmer eigentlich uns unterstützen. Doch ich glaube, es gibt eine Menge Vorurteile gegenüber den Linken. Wir werden oft mit der DDR in Verbindung gebracht, obwohl wir fest auf demokratischem Boden stehen.

Gilt das auch für die Dame, die beim Strategietreffen Ihrer Partei in Kassel 2020 gefordert hat, Reiche zu erschießen?

Manuel Eppers: Solche Leute gibt es doch in allen Parteien, denken Sie an Hans-Georg Maaßen in der CDU oder auch Thilo Sarrazin (früher SPD). Die können auch nicht für jedes einzelne Mitglied die Hand ins Feuer legen. Die Mehrheit der Linken, die ich kenne, grenzt sich aber von solchen Parolen ab. Und übrigens auch von einer sogenannten linken Szene aus mancher Großstadt, die Flaschen auf Polizisten werfen und dergleichen. Das ist natürlich alles klar zu verurteilen und schadet der Sache.

Ihre Parteifreundin Sahra Wagenknecht sieht nicht nur die militante Linke, sondern auch sogenannte „Lifestyle-Linke“ als Problem Ihrer Partei. Hat sie Recht?

Manuel Eppers: Ich kann Ihre Kritik teilweise nachvollziehen. Ich glaube auch, dass die Sprache und der Stil von einigen in der Partei nicht bei denen ankommen, die wir eigentlich vertreten wollen. Und ich halte es daher auch für kontraproduktiv, dass man Sahra wegen ihres Buches nun aus der Partei werfen will.

Die Linke müsste sich stattdessen wieder mehr den Themen und Interessen der Arbeitnehmer und der Geringverdiener widmen, auch den Menschen auf dem Land. Denn die haben große Nöte, durch die Digitalisierung, den Klimawandel, die haben Angst, ihre Jobs zu verlieren.

Stattdessen kümmert man sich in Ihrer Partei ums Gendern, wie Wagenknecht in Ihrem Buch kritisiert — auch aus Ihrer Sicht ein Nebenkriegsschauplatz?

Manuel Eppers: Ich bin jedenfalls kein Verfechter des Genderns. Wenn jemand gendern will, soll er das tun. Aber ich denke mir dann schon: Es gibt sicher wichtigere Probleme.

Welche Probleme machen Sie denn besonders in Ihrem Wahlkreis aus und welche Rezepte hat die Linke, um sie zu lösen?

Manuel Eppers: Die Krankenhäuser und Geschäfte machen zu, Ärzte finden keine Nachfolger mehr, es gibt immer mehr Leerstand, Landwirte hören auf. Viele Dörfer sterben so regelrecht aus. Nicht, weil die Leute wirklich wegwollen aus ihrer Heimat, sondern weil sie regelrecht gezwungen werden, weil die Infrastruktur zusammenbricht.

Ein Allheilmittel für all das gibt es natürlich nicht, aber wir müssen eine andere Perspektive bieten als den Umzug in die Großstadt. Es braucht mehr Förderprogramme für ländliche Regionen. Und alles, was zur Basisversorgung gehört — vor allem Krankenhäuser — muss weg von der Gewinnorientierung. Die sollen ruhig Verluste machen können. Anders lassen sich die Kliniken in der Fläche nicht erhalten.

Auch muss der ÖPNV kostenlos werden, damit er genutzt wird. Stattdessen werden in Berlin CO²-Preise diskutiert, die das Autofahren teurer machen, ohne eine bezahlbare Alternative zu schaffen. Und Elektro­autos? Die kann sich doch derzeit kaum jemand leisten.

Aber kostenloser ÖPNV und staatliche Krankenhäuser — wer soll das bezahlen? Durch die Pandemie und nun noch die Hochwasser kommt doch schon genug auf den Steuerzahler zu.

Manuel Eppers: Wir haben das genau durchgerechnet. Und bei unserem Steuermodell würde jeder, der unter 6000 Euro brutto verdient, entlastet. Wer über diesem Betrag liegt, hätte mehr zu zahlen. Außerdem fordern wir eine Vermögensabgabe von jedem, der mehr als drei Millionen Euro besitzt. Damit ließen sich die Folgen der Pandemie abmildern und etwas mehr soziale Gerechtigkeit schaffen.

CDU und FDP, zum Vergleich, fordern, den Soli abzuschaffen. Das würde ein riesiges Loch in den Haushalt reißen, das der kleine Mann zu stopfen hätte. Das ist der Unterschied.

CDU und Grüne sind ohnehin im Wahlkampf ziemlich ins Straucheln geraten — Stichwort: Masken- und Plagiatsaffäre. Woran liegt es, dass die Linke mit ihrem Programm dennoch nicht punkten kann, vor allem nicht auf dem Land?

Manuel Eppers: Wir haben hier in der Eifel nur wenige aktive Mitglieder. Und viele Bürger wissen vielleicht gar nicht genau, was in unserem Programm steht. In der heißen Phase des Wahlkampfs aber auch darüber hinaus wollen wir daher künftig häufiger Veranstaltungen anbieten — Infostände, aber auch Diskussionsrunden, damit die Leute uns besser kennenlernen können.

Fakt ist aber auch, dass Sie vor allem Wähler an die AfD verlieren, auch aus der Arbeitnehmerschaft. Wie kommt das?

Manuel Eppers: Ich bin selbst in der Gewerkschaft IG Metall aktiv. Und da muss ich auch erschreckend feststellen, dass viele dort AfD oder FDP unterstützen. Also Parteien, die die Interessen der Arbeitnehmerschaft überhaupt nicht vertreten, ihnen im Gegenteil noch schaden.

Jetzt könnte man sagen: Der Bürger will nur einfache Antworten auf komplizierte Fragen. Doch das ist es nicht allein. Es gibt auch eine Politikverdrossenheit, die ich verstehen kann. Denn die Menschen merken einfach, dass viele Spitzenpolitiker fern ihrer Realität leben, dass sie mit ihren Sorgen nichts am Hut haben.

Sind auch der Fluglärm und die Umweltbelastungen durch die Air Base Spangdahlem Sorgen, die die Politik nicht ernst nimmt? Immerhin sind die Linken die einzigen, die einen Abzug der US-Truppen fordern. Können Sie das kurz begründen?

Manuel Eppers: Die Linke ist eine Friedenspartei und auch ich bin der Überzeugung, dass Krieg kein Problem je lösen kann. Das ist ja in Afghanistan auch zu sehen. Der Konflikt hat dort nur Tote gebracht und die Region destabilisiert. Wir lehnen es daher auch ab, dass die Amerikaner von deutschem Boden aus Drohnen und Jets starten und ihre konfrontative Politik durchsetzen. Zudem kostet uns die Stationierung ein Heidengeld. Von den Umweltschäden und dem Fluglärm ganz zu schweigen.

Aber wenn die Amerikaner weg sind, wer schützt uns dann vor Russland?

Manuel Eppers: Müssen wir wirklich Angst vor Russland haben? Man muss es ja auch mal von der anderen Seite sehen: Die Nato steht an den Grenzen zu Russland, das ist eine Provokation, der die Russen etwas entgegensetzen. Wir plädieren dafür, mit beiden Ländern ins Gespräch zu treten und eine eigene Verteidigung aufzubauen statt uns von den USA abhängig zu machen.

Wann soll denn der Abzug passieren, wenn Sie gewählt werden - schon nächstes Jahr, in fünf oder zehn Jahren?

Manuel Eppers: Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Vorher brauchen wir einen Plan zur Konversion der Militärgelände. Wir müssen wissen, was wir mit dem Stützpunkt machen, welche Firmen wir da ansiedeln wollen, und so weiter. Dass es da bislang überhaupt keinen Plan B gibt, hat ja die hilflose Reaktion unserer Politiker auf die Ankündigung des Truppenabzugs durch Trump im vergangenen Jahr gezeigt. Das kann doch nicht sein, dass es da überhaupt keine Überlegungen für eine Konversion gibt.

Die 850 Zivilangestellten müssen sich nach dem Abzug aber auch etwas überlegen. Nämlich, wo sie in Zukunft arbeiten wollen. Wie passt linke Politik damit zusammen, diesen Menschen ihren Arbeitsplatz wegzunehmen?

Manuel Eppers: Diese 850 Arbeitskräfte werden ohnehin vom Bund bezahlt. Der Staat könnte die Löhne also weiterlaufen lassen, wenn der Flugplatz schließen würde. Ich glaube aber nicht mal, dass das nötig wird. Denn natürlich würden in dem neuen Konversionsgebiet auch Arbeitsplätze entstehen.