Eifeler missbraucht Stiefsöhne in 48 Fällen

Eifeler missbraucht Stiefsöhne in 48 Fällen

Geständnis, Widerruf, zurück zum Geständnis. So ist der Prozess gegen einen 50-jährigen Eifeler bisher verlaufen. Er muss sich wegen Kindesmissbrauchs in mindestens 48 Fällen vor dem Trierer Landgericht verantworten. Gestern musste sich der Mann zu anderen Missbrauchsvorwürfen äußern, denn das Gericht prüft eine Sicherungsverwahrung im Anschluss an die Haftstrafe.

Trier. Die beiden Verhandlungstermine am Montag und am gestrigen Donnerstag waren dazu vorgesehen, die Opfer, sprich die damals 15, zwölf und zehn Jahre alten Kinder, zu hören. Diese soll ein 50-jähriger Eifeler in mehr als 48 Fällen sexuell missbraucht haben.
Hin und her: Dass die Opfer aussagen müssen, wollte der Angeklagte diesen nach eigener Aussage ersparen. Doch dann widersprach er wichtigen Punkten des Geständnisses (der TV berichtete), das er zuvor abgelegt hatte. Gewalt hätte er nie angewendet, auch die Anzahl der Missbrauchs taten sei geringer gewesen, hatte der Eifeler ausgesagt. Richter Albrecht Keimburg sagte damals: "Wir müssen die Jungen befragen und versuchen, ältere Fälle aufzuklären."

Zurück zum Geständnis: Gleich zu Beginn der Verhandlung am Montag redete der Richter dem Angeklagten noch einmal ins Gewissen. Fragte den Mann, ob die Kinder wirklich aussagen müssten. Verteidiger und Angeklagter zogen sich zur Beratung zurück. Nach Rückkehr in den Gerichtssaal räumt der 50-Jährige sowohl die Gewaltanwendung als auch die Anzahl der Taten ein - kehrt zu dem Geständnis zurück, das er bereits abgelegt hatte. Genau erinnern könne er sich aber nicht mehr, sagte er aus. Rund eine Stunde dauerte die Verhandlung an diesem Tag nur.

Die fehlenden Puzzleteile: Seit den 90er Jahren ziehe sich laut Keimburg die pädophile Neigung des heute 50-Jährigen wie ein roter Faden durch dessen Akten. Immer wieder habe es Fälle gegeben, in denen er kleine Jungen angefasst haben soll. Wirklich reden wollte der Eifeler darüber bisher nicht.
Für die abschließende Urteilsfindung seien auch diese Fälle wichtig, sagte Keimburg. "Der Angeklagte bekommt von uns die Chance, reinen Tisch zu machen", sagte der Richter. Deshalb wurden die bestellten Zeugen wieder ausgeladen.
Das Wort hatte am Donnerstag der Angeklagte, der gleich zu Beginn eine selbst verfasste Erklärung verlas, in der er den Missbrauch an weiteren vier Jungen einräumte. Laut und mit fester Stimme las er. Die Vorwürfe, sich an drei weiteren Kindern vergangen zu haben, wies der Mann jedoch von sich. Besonders die Tat gegen einen Sechsjährigen bestritt der Eifler. Der Richter glaubte ihm das nicht. Der 50-Jährige beteuerte: "Ich habe mich nach allen Taten sehr schlecht gefühlt und bereue sie." Verteidiger Christian Hölzer: "Er hat Taten eingeräumt, die noch nicht bekannt waren und die nicht Teil der Anklage sind. Das sollte man ihm zugutehalten."
Weil neben der Haftstrafe von bis zu 15 Jahren auch eine Sicherungsverwahrung im Raum steht, will das Gericht die Vorwürfe genau untersuchen. Bei den noch mindestens drei weiteren Verhandlungsterminen sollen Zeugen der bis zu zehn Jahre zurückliegenden Missbrauchsvorwürfe angehört werden.
Der nächste Termin, zu dem einige der laut Gericht mindestens zwölf Zeugen geladen werden, ist am 28. Januar.

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