Eifeler Polizei sagt Drogen den Kampf an

Kriminalität : Polizei sagt Drogen den Kampf an

Immer öfter greift die Polizei an der luxemburgischen Grenze berauschte Autofahrer auf. Im Interview erklärt Dienststellenleiter Christian Hamm, wie er die Lage in den Griff kriegen will.

Bei Festivals wird getrunken. Auch Joints machen die Runde. Das ist kein Geheimnis. Und das E-Lake im luxemburgischen Echternach bildet keine Ausnahme. Dennoch ist die Bilanz der Polizeikontrolle während der Veranstaltung bemerkenswert.

Vier berauschte und einen betrunkenen Fahrer zogen die Beamten allein auf deutscher Seite aus dem Verkehr. Später kam es bei Wallendorf zu einem schweren Unfall, weil der Festivalbesucher am Steuer, zu tief ins Glas geschaut hatte. Doch auch wenn sich die Vorfälle am zweiten Augustwochenende gehäuft haben: Das Drogenproblem der Südeifel ist größer als das E-Lake.

Immer wieder werden von den Beamten aus der Bundesrepublik und dem Großherzogtum Fahrer aufgegriffen, die Betäubungsmittel konsumiert haben. Die Fallzahlen seien „signifikant gestiegen“, wie der Bitburger Dienststellenleiter Christian Hamm sagt. Im Interview mit dem TV verrät der Polizeichef, was er dagegen unternehmen möchte.

Herr Hamm, gibt es ein Drogenproblem an der luxemburgischen Grenze?

Hamm: Wir haben festgestellt, dass viele – insbesondere junge – Menschen in Luxemburg wesentlich offener und unbekümmerter mit Drogen umgehen, als hierzulande. Und einiges an Betäubungsmitteln kommt über die Sauer in die Eifel. Seit Jahren beobachten wir den Grenzraum daher ganz genau.

In letzter Zeit konnten wir aber einen deutlichen  Anstieg der Fahrten unter Drogen- und Alkoholeinfluss verzeichnen. Wir wissen daher, dass  es dringenden Handlungsbedarf gibt. Kurzum: die Lage ist ernst.

Gibt es dazu konkrete Zahlen?

Hamm: Wir haben im ersten Halbjahr 2018 fast doppelt so viele berauschte Fahrer auf der Sauerstrecke erwischt wie 2017. Letztes Jahr waren es 13, dieses Jahr 30. Das ist eine besorgniserregende Entwicklung, die aber auch damit zu erklären ist, dass wir seit März häufiger kontrollieren. Trotzdem gehen uns sicher nicht alle ins Netz. Wir wissen, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt, die wir aber durch unser neues Konzept sukzessiv aufhellen werden.

Mit welchen Drogen werden die Fahrer  geschnappt und wie wirken sich diese auf ihr Verhalten im Straßenverkehr aus?

Hamm: Bei den meisten finden wir Cannabis, bei einigen Amphetamine, bei wenigen Ecstasy oder Kokain. Mit Heroin und Crystal Meth haben wir es in der Eifel zum Glück kaum zu tun.

Aber auch der in Gras oder Haschisch enthaltene Wirkstoff THC (Abkürzung für Tetrahydrocannabinol) macht die Reaktionen träge. Amphetamine putschen hingegen auf, machen risikobereiter. Und das Risiko, unter dem Einfluss dieser Rauschgifte einen Unfall zu bauen, ist hoch. Wer Betäubungsmittel konsumiert, hat daher hinterm Steuer nichts verloren.

Woher bekommen die Fahrer ihre Drogen?

Hamm: Ob es hierzulande Plantagen gibt oder ob man sich von auswärtigen Dealern größere Mengen besorgt, wissen wir nicht. Wir haben aber festgestellt, dass es im Grenzraum um Echternach organisierte Strukturen gibt, die die Gegend mit Betäubungsmitteln versorgen. Aus ermittlungstaktischen Gründen will ich fürs Erste nicht mehr verraten.

Wie will die Polizei gegen die Dealer vorgehen?

Hamm: Wir haben  ein Konzept entwickelt, das auf drei Säulen ruht.

Erstens kontrollieren wir die Sauerstrecke verstärkt – und das immer wieder an anderen Stellen. So wollen wir unberechenbar bleiben und verhindern, dass sich die Szene an der Sauer zu wohl fühlt.

Der zweite Schritt sind Sonderkontrollen. Beim E-Lake haben wir das erprobt. Und auch zukünftig wollen wir dabei die  luxemburgerischen Kollegen, den Zoll und die Bundespolizei ins Boot nehmen. So können wir Kräfte bündeln, grenzübergreifend abgestimmt agieren und mehr Personal einsetzen, als uns sonst zur Verfügung stehen würde.

Und die dritte Säule?

Hamm: Das ist die Aufklärungsarbeit. Zum einen sind damit Präventionsprogramme gemeint, in denen wir Heranwachsende über die Gefahren des Drogenkonsums informieren.Darüber hinaus gehen wir an Schulen, um frühzeitig Schüler, Lehrer aber auch Eltern zu erreichen.

Zum anderen wollen wir an der Sauer aber auch das Dunkelfeld erhellen. Wir werden mit Nachdruck zu verhindern wissen, dass sich an der Grenze ein rechtsfreier Raum entwickelt. Die Öffentlichkeit wollen wir dabei auf dem Laufenden halten und um Verständnis sowie Unterstützung bitten. Wir möchten damit die Sicherheit der Bevölkerung und der Eltern gewährleisten, die sich um ihre Kinder sorgen.

Das klingt nach einer großen Herausforderung angesichts der niedrigen Personaldecke, über die die Dienststellen in ganz Rheinland-Pfalz klagen ...

Hamm: Eine Herausforderung wird es auf jeden Fall. Immerhin hat unsere Inspektion die größte Fläche in ganz Rheinland-Pfalz zu überwachen. Aber es gibt ja eine neue Einstellungswelle bei der Polizei. Die Zeiten werden in Zukunft also eher besser als schlechter.

Würde es angesichts der vielen Aufgaben, die man mit so wenigen Leuten bewältigen muss, nicht helfen, den Konsum von Cannabis zu legalisieren? Viele Ihrer Kollegen befürworten dies ja – auch, weil es Ressourcen und Zeit sparen würde. Wie sehen Sie das?

Hamm: Ich kenne ihre Argumente. Sie glauben, man könne durch eine Legalisierung den Schwarzmarkt in den Griff bekommen, die Qualität der Produkte steigern und daran auch noch Steuergeld verdienen.

Ich sehe das skeptisch. Vielleicht ist meine Sicht durch meine beruflichen Erfahrungen geprägt, weil ich immer wieder sehe, in welchen Negativ-Spiralen Drogenkarrieren meist enden. Aber solange es nach geltendem Gesetz verboten bleibt, werden wir den Handel mit Haschisch und Cannabis weiterhin mit aller Härte verfolgen.

Das Interview führte Christian Altmayer.

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