Eifeler Postbotin soll 1500 Briefe gestohlen haben

Kriminalität : Wenn die Postfrau gar nicht klingelt

Monatelang warten Eifeler auf 1500 Briefe. Gefunden wurde sie bei einer Austrägerin. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen sie.

(cha) Über Umschläge im Briefkasten kann sich nicht jeder freuen. Bei Rechnungen, Knöllchen oder Dokumenten vom Finanzamt wünscht sich mancher, sie würden niemals ankommen. Bei Weihnachtsgrüßen und Postkarten aus dem Urlaub sieht es anders aus. Auch so mancher Eifeler hat vergangenes Jahr vergeblich auf Sendungen gewartet. Diese lagerten – wie dem TV nun bekannt wurde – offenbar  im Abfall. Rund 1500 Briefe haben Polizisten bei einer Wohnungsdurchsuchung in der blauen Tonne gefunden. Eine Eifelerin hatte sie dort wohl monatelang gehortet. Dabei war es der Job der 24-Jährigen, die Briefe zuzustellen. Seit Anfang 2017 arbeitete sie als Austrägerin.

Von diesem Fall erfährt der TV durch einen Tipp. Im Herbst 2017 soll sich demnach Folgendes zugetragen haben: Eine Frau aus Oberweiler wartet wie Hunderte weitere Menschen im Bitburger Land auf einen Brief. Wochen vergehen. Sie öffnet den Briefkasten: wieder nichts. Der Kontoauszug kommt und kommt nicht an. Erst Monate später wirft ein Austräger die Post von der Bank in den Schlitz. Weil sie das stutzig macht, fragt sie bei einer ihr bekannten Postbotin nach. Die Antwort: Eine ihrer Kolleginnen habe zwischen August und Oktober 2017 Briefe unterschlagen. Inzwischen sei sie erwischt worden.

Diese Geschichte erzählt die Oberweilerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, auch dem Volksfreund. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Trier bestätigt sie auf Anfrage des TV. In diesem Fall werde ermittelt. Er erklärt auch, wie die Polizei auf die Verdächtige aufmerksam geworden ist. Zwei Eifeler hatten offenbar Anzeige erstattet, weil ihre Post nicht ankam. So geriet die 24-Jährige, die als sogenannte Springerin mal hier, mal dort im Bitburger Land unterwegs war, Anfang September ins Visier der Ermittlungen. Immer öfter fehlten Briefe auf ihrer Route. Mitte Oktober wurden sie dann bei ihr gefunden.

Die meisten der 1500 Briefe blieben nach Angabe der Staatsanwaltschaft ungeöffnet. Einige seien Werbesendungen gewesen. Teils habe aber auch Geld aus den Umschlägen gefehlt. Wie viel genau, sei nicht abschließend geklärt. Schätzungen belaufen sich auf eine Summe von rund 600 bis 700 Euro. Das Geld muss die junge Frau  – so sie denn verurteilt wird – zurückzahlen. Wenn sie schuldig ist, muss sie mit einer Geld- oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen. Ob und wann der Verdächtigen der Prozess gemacht wird, ist noch unklar. Erst wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind, entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob sie Anklage erhebt. 

Die Post, der ehemalige Arbeitgeber der Frau, habe ihr fristlos gekündigt, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit.