Eifeler Sandstein statt Waschbeton

Bitburg/Prüm · Traditionell und dennoch modern: Die Initiative Baukultur Eifel will Neubauten schaffen, die den Eifeler Charakter und die Modernität verbinden - damit wird der ländliche Raum attraktiver. Um ihre Ziele zu verwirklichen, braucht die Initiative engagierte Akteure.

Bitburg/Prüm. "Bauen ist nie privat, sondern immer öffentlich" - wie ein Leitmotiv führt dieser Gedanke durch die Veranstaltung "Regionale Baukultur - Identität und Qualität". Und es prägt auch die Arbeit der 2011 gegründete Initiative Baukultur Eifel (der TV berichtete). Ihr Ziel: Eifeler Altbauten erhalten und Neubauten zeitgemäß und traditionsbewusst gestalten.
Die Initiative kann Erfolge vorweisen: Rund 1000 Gebäude wurden in den vergangenen 20 Jahren renoviert, als die ersten Schritte vor allem durch die Arbeit von Marie-Luise Niewodniczanska, Architektin, Denkmalschützerin und Kommunalpolitikerin, vorangetrieben wurden. Vorbildlich sanierte alte Häuser und Neubauten wurden im September mit dem neuen Baukulturpreis gewürdigt.
Nun geht es in eine neue Phase. Das Thema soll sich aus den Architektenkreisen heraus weiter ausbreiten. "Mit jeder Fassade schaffen wir öffentlichen Raum", sagt Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer. Dieses Prinzip ist eine Verpflichtung - zu der Landschaft, zu der städtischen oder dörflichen Umgebung, kurzum zur regionalen Baukultur.
"Um unser Ziel zu erreichen, brauchen wir Mitstreiter", sagt Joachim Streit, Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm und Mitinitiator von Baukultur Eifel. "Unser Anliegen soll keine Theorie bleiben." Bestärkt in diesem Ansatz wird der Landrat durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BVBS): "Baukultur soll Thema im Dorf werden, soll politisch statt feuilletonistisch sein", sagt Ulrich Hatzfeld vom BVBS.
Durch das Internet und die Zeitungen erreiche man Hunderttausende Menschen - mit Bildern statt mit Fachvorträgen sollen sie angesprochen werden. Für das nächste Jahr sind Touren von Volkshochschulen durch die Eifel geplant, die traditionelle Bauweise zeigen. Projekte laufen in den Schulen. Dann zielt die Initiative auf die Rathäuser, denn die Bürgermeister und die Stadträte entscheiden über die Gestaltung der Neubaugebiete. "Seit dem 1. Juli haben wir auch einen Beauftragten für Baukultur im Eifelkreis", berichtet Streit. Nächster Schritt ist die Einrichtung eines Beirats für Baukultur im Kreis.
Eine starke regionale Baukultur sei auch wichtig, um den ländlichen Raum lebendig zu halten, meinen die Akteure der Initiative. Schöne Dörfer mit starkem regionalem Wiedererkennungswert tun auch dem Tourismus gut. So schafft man es, die Menschen im Dorf zu halten. Nicht zufällig wurde ein Projekt mit dem Baukulturpreis prämiert, das Arbeit und Leben auf dem Land vereinigt. Der Architekt Rainer Roth aus Meckel hat die Baugruppe "Leben in der Schmiedestraße" realisiert, die Haus und Arbeitsort einschließt. Und er ist zuversichtlich, dass die regionale Baukultur sich weiter ausbreiten wird. "Es wird eine Zeit dauern, bis wir die vielen Impulse übertragen können", sagt er, "doch wir schaffen das."Extra

Gerold Reker, Architektenkammer: "Ich muss wirklich den Hut ziehen vor den Bau-Fortschritten in der Eifel." Bauexpertin Marie-Luise Niewodniczanska: "In unserer Eifellandschaft findet man mehr und mehr freistehende Einfamilienhäuser. Diese Entwicklung ist weder für das Dorf noch für unsere Region zuträglich." Ulrich Hatzfeld, BVBS: "Wir sind auf dem Weg. Etwas wie die Initiative Baukultur Eifel macht Mut." Joachim Streit, Landrat: "Als Politiker muss man für das Thema brennen, sonst bringt es nichts." Barbara Ettinger-Brinckmann, Bundesarchitektenkammer: "Es geht nicht um Nachahmung, sondern um Fortschritt und Weiterentwicklung in der Tradition."bc